HOT SPOTS :: DER STADTENTWICKLUNG im Wintersemester 2011 / 2012 an der Universität Leipzig

Die vom Institut für Stadtentwicklung und Bauwirtschaft der Universität Leipzig und der Vereinigung für Stadt-, Regional- & Landesplanung e.V. (SRL e.V.) ausgerichtete Vortragsreihe zielt darauf ab, neue Themen und Arbeitsfelder der Stadtentwicklung aufzugreifen und diese durch interessante Referenten den Studierenden, einem Fachpublikum sowie interessierten Bürgern näher zu bringen.

Auch im Wintersemester 2011 / 2012 starteten die Leipziger HOT SPOTS :: DER STADTENTWICKLUNG dank der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung Lebendige Stadt sowie der Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V. in eine neue Runde. Der Fokus der Staffel lag vor allem bei den aktuellen Entwicklungstendenzen in Städten und ländlichen Räumen. Dabei standen die Finanzen verschuldeter Kommunen, die Identifikation der Bewohner mit ihren schrumpfenden Städten und die Möglichkeiten direktdemokratischer Elemente zur Bewältigung gegenwärtiger Probleme im Mittelpunkt. 

Reges Interesse zeigte sich bereits bei der ersten Veranstaltung am 04.11.2011. Herr Dr. Patrick Küpper (vTI, Braunschweig) referierte vor rund 60 Zuhörern über das Thema „Umgang mit dem demographischen Wandel in peripheren, ländlichen Regionen – Handlungsbedarf, Lösungen, aktuelle Praxis und Steuerungsoptionen“. Zu Beginn wurden die zentralen Herausforderungen in peripheren, ländlichen Räumen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels skizziert. Anschließend präsentierte der Beitrag mögliche Lösungswege mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen. Es folgte ein Blick in die aktuelle Praxis in den Regionen, wobei regionalen Entwicklungsinitiativen und Kooperationen im Mittelpunkt standen. Neben theoretischen Hintergründen und dem Forschungsstand wurden Ergebnisse aus mehreren aktuellen Projekten des Referenten präsentiert und anhand konkreter Fallbeispiele erläutert.

Am 02.12.2011 berichtete Herr Florian Boettcher (TU Kaiserslautern, Fachbereich Raum- und Umweltplanung) über die kommunale Verschuldungsproblematik in Deutschland. Die Kommunen nehmen im Staatsgefüge der Bundesrepublik Deutschland eine zentrale Stellung ein: Sie sind „Schule der Demokratie“, „Rückgrat der wirtschaftlichen Aktivität“ und wichtigstes „soziales Netz“ zugleich. Entsprechend hart sind die Folgen der seit einigen Jahren grassierenden Gemeindefinanznot. Und entsprechend intensiv wird über Möglichkeiten der Krisenüberwindung nachgedacht. Eine vielfach genannte – und spätestens seit Stuttgart 21 auch ernst genommene – Antwort lautet: Beteiligt die Bürger! In seinem Vortrag mit dem Titel „Weniger Schulden durch mehr Bürgerbeteiligung? Der Beitrag direktdemokratischer Elemente zur Überwindung der kommunalen Haushaltskrise aus finanzwissenschaftlicher Sicht“ setzte sich Florian Boettcher mit der Frage auseinander, inwieweit die Stärkung der direktdemografischen Elemente ein Beitrag zur Lösung der gemeindefinanzpolitischen Probleme darstellt.

Zu Beginn des neuen Jahres widmete sich der Stadtsoziologe Ralph Richter (TU Darmstadt, Institut für Soziologie) anhand der Ergebnisse seiner Anfang 2011 vorgelegten Dissertation der Problematik: „Nach dem Schrumpfen – Vor dem Schrumpfen? Geraten schrumpfende Städte in Vergessenheit?“. Denn vor etwa zehn Jahren wurden immer kleiner werdende Städte zu einem viel beachteten Thema in Öffentlichkeit und Wissenschaft. Die große Aufmerksamkeit ist nun vorbei; schrumpfende Städte werden nur noch selten thematisiert oder unter dem weniger belasteten Schlagwort des demografischen Wandels subsummiert. Vor diesem Hintergrund ging der Vortrag von Ralph Richter am 06.01.2012 den Fragen nach, welche Rolle schrumpfende Städte heute empirisch noch spielen. Welchen Einfluss hat die Identifikation der Menschen mit ihren Städten auf die Bevölkerungsentwicklung? Welche Optionen haben Entscheidungsträger, um Entleerungsprozesse zu bremsen oder zu stoppen?

In der letzten Veranstaltung am 03.02.2012 berichtete Herr Birko Teichmann (DB Services Immobilien GmbH) über „Die Immobilien der Deutschen Bahn AG – Ihre volkswirtschaftliche Bedeutung sowie der Umgang mit Verwertungsalternativen“. Immobilien der DB AG, die keinem Bahnzweck mehr unterliegen, sollen nach Möglichkeit verkauft werden, um die damit verbundenen wirtschaftlichen Potenziale freisetzen zu können. Aufgrund der Vielfältigkeit – es handelt sich vom kleinen ehemaligen Bahnwärterhaus auf dem Lande bis zu mehreren Hektar großen Flächen in Innenstadtlagen – gilt es die passende Verwertungsstrategie herauszufiltern.

Franziska Wiese, Institut für Stadtentwicklung und Bauwirtschaft

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