„Die schlechteste Schrift der Welt“

Das Leipziger Konferenzteam mit Papyrus Ebers (v.l.n.r.): Julia Jushaninowa, Maria-Victoria Schuffenhauer, Christina Greger, Tami Schmidt-Gottschalk, Lara Galow und Dr. Franziska Naether, Foto: Lara Galow

Spezialisten des Demotischen treffen sich in Leipzig

Von Dr. Franziska Naether / Ägyptologisches Institut / Ägyptisches Museum Georg Steindorff

Im September 2017 kamen die Demotisten nach Leipzig – die Erforscher einer altägyptischen Sprache und Schrift – laut spitzzüngigen Journalisten (Bild) auch die „schlechteste Schrift der Welt“. Es stimmt, die Entzifferung des Demotischen ist nicht nur Freud’, sondern auch ein hartes Brot: man hat es nicht immer mit Schönschrift, sondern manchmal mit einer „Sauklaue“ zu tun. Dieser Arbeitsschritt ist oft Teamwork. Über Ländergrenzen hinweg tüfteln Novizen und erfahrene Wissenschaftler an den Übersetzungen und Interpretationen der Papyri, Inschriften und Graffiti. 

An fünf Tagen präsentierten die Demotisten anlässlich der 13. Internationalen Konferenz für demotische Studien (ICDS) in der Bibliotheca Albertina neue Ergebnisse ihrer Arbeit auf Ausgrabungen, in Museen, und bei Datenbankprojekten. Von Promovierenden in der Anfangsphase ihrer Dissertation bis zur über 90-jährigen Veteranin des Faches waren alle Erfahrungsstufen vertreten. Die rund 60 Gäste kamen aus Europa, Nordamerika und Ägypten. Neben dem Tagungsprogramm gab es eine Exkursion ins Leipziger Neuseenland, natürlich in die Papyrussammlung der UB und in die Leipziger Innenstadt.

Außerdem kuratierten Caroline Böhme von der Leipziger Sammlungsinitiative (LSI) und Franziska Naether vom Ägyptischen Museum aus Anlass der Konferenz die Sonderausstellung „Bekriegt, Besetzt, Bereichert. Ägypten zwischen Spätzeit und Spätantike.“ Die Schau thematisierte die Epochen der altägyptischen Geschichte, in denen die Sprache Demotisch verwendet wurde, also vom 7. Jh. v. Chr. bis zum 5. Jh. n. Chr. Es ist die Zeit der Fremdherrscher in Ägypten, die Zeit der Perser, der griechisch-stämmigen Ptolemäer und der Römer. Sie alle führten Krieg um Ägypten, besetzten das Land und bereicherten Ägypten bzw. bereicherten sich an ihm.

Die Unterstützung der Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig ermöglichte es, das Programmheft der Konferenz zu drucken und weiteres Konferenzmaterial sowie eine Hilfskraft (C. Greger) anteilig zu finanzieren. Vielen Dank für die Unterstützung! 2020 treffen sich die Demotisten erneut – und wieder in Deutschland: dann richten die Heidelberger die Konferenz aus.

Hinweis zur Sonderausstellung: Für alle, die es nicht bis Mitte Dezember 2017 nach Leipzig geschafft haben, gibt es das Begleitheft hier kostenlos zum Download: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-161898. Dort sind alle Objekte kurz erklärt und abgebildet und zu einigen ausgewählten Exponaten finden Sie Links zu einfachen 3D-Modellen und Audioguides zum Nachlesen, Nachhören und Ausprobieren.

Gruppenbild der KonferenzteilnehmerInnen in der Bibliotheca Albertina, Foto: Lara Galow