Laute von Johann Christian Hoffmann, Leipzig 1727, Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, Inv.-Nr. 4695

Eine Laute für die galante Welt

 

Prof. Dr. Eszter Fontana / Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig

 

Eine Laute für die galante Welt

 

Nach einer längeren Vorbereitungsphase wurde im Jahre 2013 am Museum für Musikinstrumente unter dem Titel "Lebendiges Museum – Barock im Fokus" ein größerer Projektkomplex gestartet. Dieser beinhaltete unter anderem den Erwerb von herausragenden Objekten, wie einer Laute aus dem Jahre 1727 (Inv Nr 4695), die Restaurierung zweier sogenannten Orgelflügel – geschnitzte und polychrom gefasste und vergoldete Dekorationen in außerordentlicher Qualität von einer nicht mehr existierender Orgel aus dem Jahre 1731 (Inv. Nr. 5452.1-2) sowie verschiedene Publikationen, die in erster Linie das pädagogische Programm des Museums unterstützen. Dazu gehören eine CD mit Klangbeispielen aus der Barockzeit und auch das Videoprojekt, das den Titel „Eine Laute für die galante Welt“ trägt. Darin wird die restaurierte und spielbare Barocklaute, gebaut von Johann Christian Hoffmann (1683–1750) im Jahre 1727, näher vorgestellt. Eingebettet in eine Rahmenhandlung erfährt man Wissenswertes über den Instrumentenbauer, sein Umfeld und die vielfältige und verantwortungsvolle Arbeit in einem Museum. Eine 3-D-Animation gewährt Einblicke in den Aufbau und die Konstruktion des Instrumentes.

Dass der Lauten- und Geigenmacher Johann Christian Hoffmann im Zentrum des Filmes und exemplarisch für die barocke Instrumentenbaukunst in Leipzig steht, liegt darin begründet, dass er unter den zahlreichen Leipziger Instrumentenbauern höchstes Ansehen genoss. Der namhafte Lautenist, Komponist und ehemalige Student der Universität Leipzig, Ernst Gottlieb Baron, schrieb 1727, dass Hoffmanns Lauten wegen ihrer herausragenden Qualität „vornehmlich nach Holl- und Engelland und Franckreich sind überführet worden.“

Aus der Werkstatt von Martin und Johann Chr. Hoffmann sind nach heutiger Kenntnis über 50 Instrumente erhalten. Die höchste Konzentration von Werken der Familie Hoffmann aller Gattungen beherbergt das Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig. Einschließlich der Instrumente aus Privat- und Kirchenbesitz befinden sich allein in Leipzig 12 Instrumente aus dieser Werkstatt.

 

Mit Johann Sebastian Bach war Hoffmann freundschaftlich verbunden. 1734 übertrug ihm Bach die ständige Wartung der Streichinstrumente in den beiden Hauptkirchen St. Thomas und St. Nicolai. Hoffmanns Zusammenarbeit mit Bach erstreckte sich neben der Lieferung von Violininstrumenten gewöhnlicher Größen auch auf die Entwicklung und den Bau besonders klein mensurierter Bass-Tenor-Instrumente.

In dem ca. achtminütigen Film werden einige der damals üblichen Lauten-Spieltechniken der Barockzeit vorgestellt. Es erklingen Ausschnitte aus Lautenkompositionen von berühmten Leipziger Persönlichkeiten, mit denen J.Ch. Hoffmann freundschaftlich verbunden war, namentlich Johann Sebastian Bach, Silvius Leopold Weiß und Ernst Gottlieb Baron.

Der Film, der auch für die Studierenden wichtige Informationen erhält, kann bereits über die Website des Museums erreicht werden. Eine Kurzversion davon wird in der ab Februar 2015 geplanten Ausstellung mit Werken der Instrumentenbauer Martin und Johann Christian Hoffmann zu sehen sein.

Die Finanzierung des Vorhabens konnte nur mit der Unterstützung von zahlreichen Fördererinstitutionen, Stiftungen etc. umgesetzt werden. Zu der positiven Beurteilung der Förderanträge trug die moralische und finanzielle Unterstützung der Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V. wesentlich bei.