Eine alte Schuld

Eine alte Schuld

Professor Dr. Eszter Fontana

Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig

 

Nach jahrelangen Bauarbeiten sind seit März 2012 die Ausstellungen im Grassi komplett: Nun laden die drei Grassimuseen mit ihren auf 15.000 m2 dargebotenen Schätzen zum Verweilen ein. Im Treppenhaus, an einer sehr exponierten Stelle, befanden sich bereits seit 1929 zwei Büsten: die der Gründungsdirektoren der anderen beiden Grassimuseen, des Museums für Völkerkunde und des Museums für Angewandte Kunst.

 

Das Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig hegte seit Jahren schon die Absicht, die Büste von Henri Hinrichsen (1868–1942) im Grassimuseum aufzustellen, um seinen herausragenden Verdienst um die Stadt Leipzig und um die Sammlung zu ehren. Die Universität Leipzig und das Museum verdanken ihre Musikinstrumentensammlung Henri Hinrichsen, der im Jahre 1926 mit einer überaus großzügigen Spende von 200.000 Mark den Ankauf der Heyerschen Sammlung aus Köln ermöglichte. Seine sonstigen Verdienste, das kulturelle Leben und die Bildung betreffend, sind ebenfalls sehr hoch einzuschätzen.

 

Der Geheime Kommerzienrat und bekannte Musikverleger, Inhaber des Edition Peters wurde von der Universität 1929 zum Dr. h.c. der Philosophie ernannt. Es gehört zu den großartigen Kapiteln der Universitätsgeschichte, dass man 1939 aktiv zu verhindern wusste, dem Juden Hinrichsen diesen Titel wieder zu entziehen. Leider wurde dieser bedeutende Leipziger Bürger dennoch 1942 in Auschwitz ermordet.

 

Die Büste von Hinrichsen wurde nach Fotovorlagen im Sommer 2012 von Michael Höppner in Coburg angefertigt. Durch die Bronzebildgießerei Bert Noack in Leipzig wurde sie dann in Bronze gegossen, ziseliert, patiniert und abschließend mit Schutzwachs versiegelt.

Das Vorhaben wurde maßgeblich vom Förderkreis des Museums und von der Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig unterstützt, es gelang uns mehrere weitere Partner, wie die Bürgerstiftung Leipzig, den Petersverlag und zahlreiche Privatpersonen für diese Idee zu gewinnen.

Die Büste wurde in dem weitläufigen Treppenhaus des Grassimuseums gut sichtbar aufgestellt und damit dem Gedenken an Henri Hinrichsen ein sichtbares Zeichen gesetzt.

Die feierliche Enthüllung fand anlässlich des 70. Jahrestages der Ermordung von H. Hinrichsen am 16. September 2012 um 16:30 Uhr statt. Die Veranstaltung wurde in Verbindung mit einem Klavierkonzert organisiert, mit Werken von Edvard Grieg, der auch die Unterstützung des Petersverlages genoss. Es waren Vertreter der Familie, des Petersverlags, der Bürgerstiftung Leipzig, der Universität Leipzig und zahlreiche Mitglieder des Förderkreises des Museums anwesend. Eine alte Schuld wurde endlich beglichen.