Die Welt will gedacht werden

Dieser Blog des Instituts für Afrikastudien der Universität Leipzig öffnet ein digitales Fenster in unseren Forschungs- und Lehralltag: Wir zeigen, dass in unserer Zeit nicht nur das bloße Wissen über Afrika wichtiger wird. Wichtig ist der Blick, die Perspektive, die uns lehrt, dass, was immer es über Afrika zu wissen gibt, in seinen globalen Verflechtungen notwendig über Afrika hinausweist: Was sagen uns die aktuellen Studierendenproteste in Südafrika über den Zustand der Wissenschaften in Deutschland, in Europa, weltweit? Was könnte Deutschland für seinen Umgang mit Flüchtlingen von Uganda lernen, das in dieser Beziehung international als Musterland gilt? Wie können wir damit umgehen, dass Tantal und Seltene Erden durch Bürgerkrieg und Kinderarbeit im Kongo in unsere Handys gelangen? Welche Haltung entwickeln wir angesichts der Tatsache, dass Afrika als Experimentierfeld für die Entwicklung neoliberaler Wirtschafts- und Regierungsformen dient? Wie können wir, zum Beispiel, in Beratungstätigkeiten koloniale Vorbilder irritieren, und wo stoßen wir dabei an institutionelle Grenzen? Was folgt aus der Erkenntnis, dass seit der Kolonialzeit dem einsprachigen Ideal des fortschrittlichen europäischen Nationalstaats eine forcierte Mehrsprachigkeit und folgend implizite Rückständigkeit Afrikas gegenübergestellt wird? Was lässt sich aus dieser Diversität in Bezug auf Heterogenitäten in anderen Regionen des Südens und Nordens schließen?

Dieser Blog soll den Mitgliedern des Institutes und engagierten Studierenden ermöglichen, sich in anschaulicher, knapper und gerne auch vorläufiger Form zu Wort zu melden, um ihre Arbeiten und Ergebnisse einer interessierten Öffentlichkeit aber auch einem Fachpublikum zu präsentieren. Unbedingt soll Raum für kluge Auseinandersetzung zu aktuellen Themen geschaffen werden.

Der Blog ist also Mittel die Veränderung wissenschaftlicher Praktiken zu dokumentieren und nachzuvollziehen. Unzweifelhaft haben sich die Anforderungen an die Wissenschaft durch den medialen Wandel, die Kommerzialisierung von Bildung und der Globalisierung von Wissensordnungen grundlegend verändert. Mithin suchen wir neue Wege, von denen aus wir unsere Fragen sichtbar in die Politik, die Zivilgesellschaft, die Wissenschaft einmischen und aktuelle Ereignisse aus Sicht der Afrikawissenschaft kommentieren können. Der Blog steht im Spagat zwischen ausführlicher Begründung, der Ethik des Quellenbelegs und der Offenlegung der Wissensproduktion einerseits und andererseits der Knappheit des Arguments, der lässigen Stringenz, der sprachlichen Zugänglichkeit. Der Blog soll die essentielle Stärke der Wissenschaft, den Alltag distanziert zu befragen, nicht angreifen, sondern plausibel machen. Ein Blog eröffnet die Möglichkeit zu neuen Formen der Reflexivität, zur Stellungnahme, vielleicht auch zum Festhalten von Gedanken, die noch nicht völlig ausgereift sind. Wir sind im besten Sinne Trittbrettfahrer der digitalen Beschleunigung und globalen Verbreitung von Ideen.

Dieser Blog soll ein qualifiziertes Forum sein, in dem Sie mit uns inhaltlich in Kontakt treten können. Nutzen Sie dazu die Kommentarfunktion: Der Autor oder die Autorin wird Ihnen antworten, sofern Sie sich an die Regeln gepflegten, gelegentlich hitzigen, immer aber respektvollen Argumentierens halten.