Projekt

Einzelheiten zur empirischen Längsschnittstudie

SpraStuProjekt

SpraStu

Sprache und Studienerfolg bei Bildungsausländer/-innen. Eine empirische Längsschnittstudie an den Universitäten Leipzig und Würzburg

Hintergrund

Die wachsende Zahl von Bildungsausländer/-innen an deutschen Hochschulen – also Studierenden, die ihre Hochschulzulassung außerhalb von Deutschland erlangt haben – ist sehr erfreulich (2009: 239.143 Studierende, 2016: 340.305, DZHW/DAAD 2017: 3). Allerdings brechen sie deutlich häufiger insbesondere ihr Bachelorstudium ab als deutsche Studierende, wenn auch je nach Herkunftsregion, Studienfach und Hochschulart unterschiedlich oft (41% Abbruchquote gegenüber 29% der deutschen Studierenden, Heublein et al. 2017: 263, 270f.).

Eine Metastudie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (2017) bestätigt die Vermutung, dass internationale Studierende eine Art „akademischen Kulturschock“ erleben und in besonderem Maße mit sprachlichen Anforderungen alltags- und wissenschaftssprachlicher Art zu kämpfen haben (ebd.: 21-25).

Sowohl die Ursachen für Studienabbrüche als auch das Bedingungsgefüge für Studienerfolg bei diesen Studierenden sind aber erst lückenhaft empirisch erforscht. Man vermutet, dass entscheidende Schwierigkeiten aus einer Kombination von Problemen der sprachlichen Vorbereitung, dem Umgang mit einer unbekannten Studienkultur bzw. dem selbstständigen Lernen sowie der sozialen Integration resultieren (vgl. Heublein 2015: 14). Vorliegende Befragungen erhärten die Annahme, dass die deutsche Sprache eine Hürde darstellt. So ist der Anteil von Bildungsausländer/-innen, die angeben, große oder sehr große sprachliche Schwierigkeiten zu haben, gewachsen (von 19 % im Jahr 2003 auf 32 % im Jahr 2012, BMBF 2013: 49) und übersteigt den Anteil derer, die Leistungsanforderungen als zentrales Hindernis empfinden (2003: 19 %, 2012: 31 %, ebd.). Ein Viertel versteht Vorlesungen nur unzureichend (Heublein/Richter 2011: 52). Zudem werden sprachliche Defizite im Studienverlauf offenbar kaum aufgeholt. Auch hochschulseitig wird der Anteil an ausländischen Studierenden, die zu Studienbeginn nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, mit ca. 40 % hoch geschätzt (Heublein/Richter 2011: 52). Trotzdem wurden die Sprachfähigkeiten von Bildungsausländer/-innen bislang noch nicht umfassend empirisch untersucht.

Ziele des Projekts

Das Projekt „Sprache und Studienerfolg“ (SPRASTU) möchte den Zusammenhang insbesondere sprachlicher Kompetenzen im Deutschen mit dem Studienerfolg von Bildungsausländer/-innen detailliert beleuchten. Dazu werden Studierende mit nichtdeutscher Hochschulzulassung in ihrem Bachelor- bzw. Staatsexamensstudium an den Universitäten Leipzig und Würzburg begleitet.

SPRASTU möchte damit zur Erklärung des mangelnden Studienerfolgs von Bildungsausländer/-innen beitragen, aber auch erfolgreiche Studienverläufe verstehen. Risikokonstellationen sowie günstige Bedingungen für Studienerfolg sollen herausgearbeitet werden. SPRASTU soll zeigen, in welchen sprachlichen Bereichen Studierende besondere Stärken und Schwächen haben und wie sich diese im Laufe des Studiums verändern. Zudem wird analysiert, wie sie mit exemplarischen studienrelevanten sprachlichen Anforderungen umgehen können (Vorlesungen verstehen, dazu Mitschriften anfertigen, Klausuren schreiben). Diese Erkenntnisse werden mit Aspekten des strategischen Lernens sowie mit weiteren Einflussfaktoren auf den Studienerfolg in Verbindung gebracht.

Die Projektergebnisse können für verschiedene Handlungsbereiche relevant sein, vor allem zur Verbesserung der hochschulbezogenen Sprachdiagnostik, -förderung und -beratung. Früh erkannte Problemkonstellationen erlauben zielgerichtete Fördermaßnahmen für internationale Studierende, die in Zukunft hoffentlich dazu beitragen, ihren Studienerfolg weiter zu verbessern.

Untersuchungsgegenstände und -methoden im Überblick

SPRASTU fokussiert vier Verursachungsbereiche für größeren oder eingeschränkteren Studienerfolg. Das sind …

  1. Sprachkompetenzen
  2. Wissenschaftssprache
  3. Lernstrategien
  4. Weitere Bedingungsfaktoren für Studienerfolg

Das komplexe Konstrukt des Studienerfolgs wird nicht nur durch Prüfungsleistungen erhoben, sondern auch durch regelmäßige Befragungen zur studentischen Zufriedenheit und Loyalität (vgl. Rech 2012, York et al. 2015).

Wissenschaftssprache

Die Beherrschung wissenschaftssprachlicher Strukturen (Ehlich 1995, 1999) ist für ein erfolgreiches Studium zentral, stellt aber für Bildungsausländer/-innen auch eine besondere Herausforderung dar. SPRASTU fokussiert deshalb im Projektkernbereich zwei studienrelevante sprachliche Handlungen, die sich in einer einschlägigen Bedarfsanalyse (Bärenfänger et al. 2016) für die Studienrealität als hoch relevant gezeigt haben:

1. Mitschreiben in Vorlesungen
2. Schreiben von Klausuren.

Außerdem analysiert SPRASTU sprachliche Strukturen in geschriebenen Texten aller Projektteilnehmenden. Dafür wird in einer gesonderten Erhebung die

3. Schreibaufgabe aus dem Hochschulzulassungssprachtest TestDaF

durchgeführt.

Die Analyse wissenschaftssprachlicher Strukturen ist insbesondere bei bislang weniger detailliert untersuchten, auch als „occluded genres“ bezeichneten Texten (Swales 1996) wie Mitschriften methodisch anspruchsvoll und erfordert ein sorgfältiges, mehrperspektivisches Vorgehen.

In diesem Projektbereich wird ein Korpus erstellt, das Lernertexte (z. B. Mitschriften, Klausurlösungen, Hochschulzulassungssprachtests) und Inputtexte (Vorlesungen, Klausuraufgaben) enthält.

Lernstrategien

Immer wieder wird betont, dass es (nicht nur) für internationale Studierende zentral ist, über angemessene lernstrategische Ressourcen zu verfügen. Dieser Bereich bildet in SPRASTU deshalb eine dritte Untersuchungssäule. Insbesondere werden untersucht

  1. allgemeine Lern- und Sprachlernstrategien
  2. aufgaben- bzw. szenariobasierte (Sprach-)Lernstrategien
  3. Teststrategien

Ziel ist es, „Strategieprofile“ zu ermitteln und diese in Zusammenhang mit den anderen Arbeitsbereichen des Projekts zu bringen, beispielsweise mit der Lesekompetenz oder Studienerfolgsindikatoren.

Das Vorgehen ist auch hier methodisch trianguliert und mehrperspektivisch. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von auf qualitativen Standards beruhenden Erhebungsinstrumenten (vgl. Neuenhaus et al. 2016; Wirth/Leutner 2008), aber auch allgemein etablierte Fragebogenskalen zum metakognitiven Strategiewissen (z. B. LIST, Wild 2000) kommen zum Einsatz.

Weitere Bedingungsfaktoren

Neben diesen untersucht SPRASTU einige ausgewählte nicht-sprachliche Bedingungsfaktoren, die aus der Hochschulforschung bekannt sind. Gestützt auf das Studienabbruchsmodell von Heublein et al. (2010) werden zu Studienbeginn Vorbedingungen erhoben. Die fachliche Leistungsfähigkeit, die Lebensbedingungen und die finanzielle Situation werden im Studienverlauf betrachtet. Ein Schwerpunkt liegt auf Aspekten der Integration. Dazu werden das studentische commitment (vgl. Rech 2012), das Integrationsverhalten des Lehrkörpers (Tinto 2006-2007) und die Kommunikation in Lerngemeinschaften (Bärenfänger et al. 2016; Marks 2015) erhoben.

Design, Fächer, Proband/-innen

SPRASTU ist ein Längsschnittprojekt (06/2017-10/2020), dessen Erhebungen mit zwei Studierendenkohorten durchgeführt werden (Studienbeginn Wintersemester 2017/18 bzw. 2018/19). Zielgruppe sind Bildungsausländer/-innen der Universitäten Leipzig und Würzburg.

Für die zentralen Erhebungen zu Sprachkompetenz, Lernstrategien und Studienerfolg werden Bildungsausländer/-innen aller Fächer in die Untersuchung miteinbezogen. In einem fachbezogenen Kernerhebungsbereich führt SPRASTU dann alle geplanten Erhebungen durch:

  1. Chemie (Bachelor)
  2. Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (Bachelor)
  3. Germanistik (Bachelor)
  4. Informatik (Bachelor)
  5. Medizin (Staatsexamen)
  6. Rechtswissenschaften (Staatsexamen)

Haupterhebungszeitpunkt ist jeweils der Beginn des Wintersemesters, wo u. a. Sprachtests und Lernstrategiefragebögen durchgeführt werden. Je am Ende des Wintersemesters finden Erhebungen zu Klausuren statt. Diese Erhebungen finden einmal jährlich statt, während der Studienerfolg und Aspekte der aktuellen Studiensituation in jedem Semester untersucht werden.

Um die Durchführung zu ermöglichen, arbeitet das Projekt eng mit zahlreichen Fachvertretern und anderen universitären Studienerfolgsprojekten (Studiendatenmonitoring, Academic Lab) zusammen und wird von den Leitungen der Universitäten aktiv unterstützt.

Zitierte Literatur

Bärenfänger, Olaf, Daisy Lange und Jupp Möhring. Sprache und Bildungserfolg: Sprachliche Anforderungen in der Studieneingangsphase. Research Papers in Assessment, 1. Leipzig: Institut für Testforschung und Testentwicklung, 2016.

BMBF (Hrsg.) (2013): Ausländische Studierende in Deutschland 2012. Ergebnisse der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt vom DZHW. Berlin: BMBF. 14. August 2017.

DZHW/DAAD (Hrsg.) (2017): Wissenschaft weltoffen kompakt 2017. Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland. 14. August 2017.

Ehlich, Konrad: „Die Lehre der deutschen Wissenschaftssprache: sprachliche Strukturen, didaktische Desiderate“. Linguistik der Wissenschaftssprache. Hrsg. Heinz L. Kretzenbacher und Harald Weinrich. Berlin: de Gruyter, 1995, 325-351.

Ehlich, Konrad. „Alltägliche Wissenschaftssprache“. Info DaF 26.1 (1999): 3-24.

Europarat (Hrsg.): Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen. Berlin: Langenscheidt, 2001.

Heublein, Ulrich. „Von den Schwierigkeiten des Ankommens. Überlegungen zur Studiensituation ausländischer Studierender an den deutschen Hochschulen“. Die Neue Hochschule 1 (2015): 14-17.

Heublein, Ulrich, Julia Ebert, Christopher Hutzsch, Sören Isbleib, Richard König, Johanna Richter und Andreas Woisch. Zwischen Studienerwartungen und Studienwirklichkeit. Ursachen des Studienabbruchs, beruflicher Verbleib der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher und Entwicklung der Studienabbruchquote an deutschen Hochschulen. Hannover: DZHW (Forum Hochschule 1), 2017. 14. August 2017.

Heublein, Ulrich und Johanna Richter. Datenreport Bildungsinländer 2011. Daten und Fakten zur Situation von ausländischen Studierenden mit deutscher Hochschulzugangsberechti­gung. Bonn: DAAD, 2011. 14 August 2017.

Marks, Daniela. „Prüfen sprachlicher Kompetenzen internationaler Studienanfänger an deutschen Hochschulen – Was leistet der TestDaF?“. Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 20.1 (2015): 21-39.

Neuenhaus, Nora, Cordula Artelt und Wolfgang Schneider. „Lernstrategiewissen im Bereich Englisch. Entwicklung und erste Validierung eines Tests für Schülerinnen und Schüler der frühen Sekundarstufe“. Diagnostica: Zeitschrift für Psychologische Diagnostik und differentielle Psychologie 63.2 (2016): 135-147.

Rech, Jörg. Studienerfolg ausländischer Studierender: Eine empirische Analyse im Kontext der Internationalisierung der deutschen Hochschulen. Münster: Waxmann, 2012.

Swales, John. „Occluded Genres in the Academy: The Case of the Submission Letter”. Academic writing: Intercultural and Textual Issues. Hrsg. Eija Ventola und Anna Mauranen. Amsterdam/Philadelphia: John Banjamins, 1996, 45-58.

Wild, Klaus Peter. Lernstrategien im Studium. Münster: Waxmann, 2000.

Wirth, Joachim und Detlev Leutner. „Self-regulated learning as a competence. Implications of theoretical models for assessment methods”. Zeitschrift für Psychologie 216.2 (2008): 102-110.

York, Travis T., Charles Gibson und Susan Rankin. „Defining and Measuring Academic Success”. Practical Assessment, Research & Evaluation 20.5 (2015): 1-20.

Publikationen & Vorträge zu SPRASTU

Wisniewski, Katrin (angenommen): „Studienerfolg und sprachliche Kompetenzen bei Bildungsausländer/-innen: Das Forschungsprojekt SPRASTU. Schlüssel zum Bildungserfolg: Sprachliche Kompetenzen fördern und bewerten. Hrsg. Olaf Bärenfänger, Denisa Bordag und Katrin Wisniewski (in Vorbereitung). Themenheft Info DaF.

Wisniewski, Katrin. Language and academic success of international students at German universities. Vortrag auf der 14. EALTA-Konferenz in Sèvres, Frankreich 31.5.-3.6.2017.August 2017.

Presse

Universität Leipzig – Pressemitteilung 200/2017 vom 24.08.2017

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