Dr. Christine Biermann – Innovative Schule = Geschlechtergerechte Schule?

06.12 | 18 Uhr | S 420
Innovative Schule = Geschlechtergerechte Schule?
Nachhaltige geschlechterbewusste Schulentwicklung
Dr. Christine Biermann (Universität Bielefeld)

Im fünften Vortag der Reihe ‚sexing school‚ wird Frau Biermann näher auf das Thema Schulentwicklung eingehen und dieses vor allem unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachten. Mit Beispielen aus Gesamtschulen und der Laborschule Bielefeld wird Sie die Entwicklung Ihrer Thesen unterstützend belegen:

Im Mittelpunkt von Schulentwicklung sollte immer die Unterrichtsentwicklung stehen. Der Unterricht selbst sollte weitgehend genderorientiert bzw. genderbewusst gestaltet werden. Das heißt, es sollten Bausteine einer geschlechterbewussten Pädagogik entwickelt, erprobt und evaluiert werden, dazu gehören beispielsweise:

  • ein Konzept für eine Lebensorientierung und Berufsplanung
  • geschlechtergetrennte Angebote wie Mädchen- und Jungenkonferenzen, Mädchen- und Jungenkurse
  • eine geschlechterbewusste Sexualerziehung u.v.m.

Dabei kann sowohl geschlechtsgetrenntes wie auch geschlechtergemischtes Arbeiten geplant oder situativ als Sozialform eingesetzt werden. Wichtig ist es, im Kollegium und auch den SchülerInnen und Eltern gegenüber, die dabei als „Basis“ gelegten theoretischen Ansätze von Geschlecht(-erwerdung) transparent zu machen.

Ohne eine Personalentwicklung kann es keine Unterrichtsentwicklung geben, das heißt alle an Schule beteiligten Personen sollten sich Genderkompetenz aneignen. Dazu gehört neben dem Wissen über die Strukturen des Geschlechterverhältnisses und seiner sozialen Bedingtheit auch eine Haltung, die eigene Arbeit und die eigenen Arbeitszusammenhänge mit der Genderperspektive zu betrachten, zu reflektieren und Qualitätsstandards für eine gendersensible und -gerechte Arbeit zu entwickeln und einzuführen.

Personal- und Unterrichtsentwicklung bleiben allerdings ohne Nachhaltigkeit, wenn sie nicht in die Strukturen der Organisation Schule verankert werden, es also auch zu einer Organisationsentwicklung kommt. Wichtige Bedingungen dazu sind beispielsweise die Verankerung im Schulprogramm, die Unterstützung durch die Schulleitung und regelmäßige Fortbildungen.

 


Video des Vortrags (~111 Min):

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Zur Person:

Dr. Christine BiermannDr. Christine Biermann arbeitete von 1979 bis 1996 als Lehrerin an der Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen an der Universität Bielefeld (Laborschule Bielefeld) mit den Fächerschwerpunkten Mathematik, Sport und Naturwissenschaften. Mitte der 1990er Jahre wurde Sie in Soest zur Moderatorin für die Lehrerfortbildung im Bereich Prävention Sexueller Gewalt ausgebildet und führte zu diesem Thema schulinterne Fortbildungen sowie die Ausbildung von ExpertInnen in Jahresfortbildungen durch. Von 1996 bis 2005 war Sie zunächst in der LehrerInnenausbildung der Universität Bielefeld und anschließend in der Wissenschaftlichen Einrichtung der Laborschule tätig. In dieser Zeit verfasste sie ihre Dissertation zum Thema ›Wie kommt Neues in die Schule – individuelle und organisationale Bedingungen nachhaltiger Schulentwicklung am Beispiel Geschlecht‹ (Weinheim: Juventa 2007), 2005 kehrte sie an die Laborschule zurück. Ihre Arbeitsschwerpunkte in Theorie und Praxis sind unter anderem: Schulentwicklung, Individuelles Lernen, Geschlechterbewusste Pädagogik an Schulen (hier insbesondere Mädchenbildung und Sexualerziehung), Arbeit mit Portfolio sowie Sinnstiftender Mathematikunterricht. Zur Zeit arbeitet Frau Biermann als Didaktische Leiterin an der Laborschule Bielefeld.

Homepage und Kontakt:
http://ekvv.uni-bielefeld.de/pers_publ/publ/PersonDetail.jsp?personId=18570105