Prof. Dr. Jürgen Budde & Andrea Bossen – Zusammen oder Getrennt?

29.11 | 18 Uhr | S 420
Zusammen oder Getrennt
Mono- und koedukative Klassenkulturen auf dem Prüfstand
Prof. Dr. Jürgen Budde & Andrea Bossen (Universität Hildesheim)

Die Frage, ob Jungen und Mädchen zusammen oder getrennt unterrichtet werden sollen, durchzieht die erziehungswissenschaftliche Genderdebatte bereits seit vielen Jahrzehnten. Während die Koedukation (in der BRD ab ca. 1960, in der DDR ab 1948) mit der Hoffnung auf den Ausgleich von geschlechtsbezogenen Nachteilen eingeführt wurde, kritisierte die feministische Schulforschung in den 1980er Jahren einen ‚heimlichen Lehrplan‘, der dazu führt, dass sich die Schule an Interessen von Jungen orientiere. Als Leidtragende galten Mädchen, die vor allem im MINT-Bereich und im sozialen Lernen durch monoedukative Angebote gestärkt werden sollten. Mittlerweile gelten die Jungen als ‚Bildungsverlierer‘. Dabei ist die Forschungslage zu Effekten von Mono- und Koedukation hoch disparat und unklar.
Anhand eines aktuellen ethnographischen Forschungsprojektes am St.-Martins-Gymnasium, welches eine Jungen-, eine Mädchen- und eine koedukative Klasse parallel führt, sollen zentrale Mechanismen der Herstellung von Geschlecht diskutiert werden. Dabei lassen sich vor allem in den Interaktionen der Lehrpersonen spezifische vergeschlechtlichte Klassenkulturen identifizieren, die durch Dichotomie und Dramatisierung gekennzeichnet sind und die zu negativen Effekten führen können.

 


Video des Vortrags (~100 Min):

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Zur Person:

Dr. Jürgen Budde Prof. Dr. Jürgen Budde studierte Behindertenpädagogik an der Universität Bremen und Diplompädagogik an der Universität Hamburg. Im Jahr 2004 promovierte er bei Hannelore Faulstich-Wieland mit dem Titel ›Männlichkeit und gymnasialer Alltag‹ (Bielefeld: transcript 2005). Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt ›Chancen und Blockaden bei der Realisierung einer geschlechtergerechten Schule‹, ebenfalls in Hamburg. Von 2008 bis 2011 war er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Schul- und Bildungsforschung tätig und hatte von 2011 bis 2012 eine Vertretungsprofessor in Hildesheim für Schulpädagogik und allgemeine Didaktik inne. Jürgen Buddes Forschungsschwerpunkte liegen in den Themen soziale Konstruktion von Heterogenität, Gender und Männlichkeiten in Schule und Unterricht, sowie Ethnographische Forschung und soziale Kompetenzen. Seit dem Wintersemester 2012/13 ist Herr Budde Professor für die Theorie der Bildung, des Lehrens und des Lernens an der Universität Flensburg.


Andrea Bossen Andrea Bossen studierte von 2006 bis 2012 an der Universität Halle Lehramt an Gymnasien für die Unterrichtsfächer Sport und Ethik. Seit 2012 ist Sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt ›Pädagogik und Geschlecht im mono- und koedukativem Unterricht‹ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

 

Homepage und Kontakt:
http://www.uni-flensburg.de/schulpaedagogik/personen/prof-dr-juergen-budde/