Prof. Barbara Rendtorff – Geschlecht – Ethnizität – Heterogenität

13.01 | 17 Uhr | S 420
Geschlecht – Ethnizität – Heterogenität
Über Kategorien, Zusammenhänge und Differenzen
Prof. Barbara Rendtorff (Universität Paderborn)

Der Diskurs um „Intersektionalität“ verspricht, die Verbindungen und gegenseitigen Beeinflussungen verschiedener sogenannter ‚Differenzkategorien‘ aufzuklären. Voraussetzung dafür wäre es, die Vergleichbarkeit dieser Kategorien und ihre Grenzen zu bestimmen. Dies wiederum verlangt allererst danach, zwischen Personvariablen bzw. -zuschreibungen und strukturellen Positionierungen sehr deutlich zu unterscheiden, denn die Wahrnehmung eines Individuums in seiner Einzigartigkeit und seine gruppenspezifische Kategorisierung in Machtkonstellationen lassen sich nicht mit demselben begrifflichen Instrumentarium erfassen, wenn die Analyse über einen mikroprozesshaften beschreibenden Gestus hinausreichen soll. Gleichwohl beeinflussen sich die Zuschreibungen in Bezug auf Ethnizität und auf Geschlecht durchaus – erkennbar nicht zuletzt in Schulalltag und Bildungsgeschichte der Individuen. Sie können einander situativ verstärken oder eine die andere überlagern oder neutralisieren. Dies wäre genauer zu bestimmen. Dennoch bleibt auch zu fragen, ob Geschlecht etwas ‚Besonderes‘ ist, das sich kategorial und strukturell von anderen sogenannten ‚Heterogenitäts‘-Aspekten unterscheidet – und ob ‚Heterogenität‘ überhaupt ein brauchbarer Begriff ist, der uns in dieser Sache weiterhilft, oder ob er ganz im Gegenteil womöglich dafür sorgt, dass alles bis zur Unkenntlichkeit miteinander vermengt wird.

 
Zur Person:

Prof. Barbara RendtorffProf. Dr. Barbara Rendtorff studierte bis 1976 Soziologie, Geschichte und Pädagogik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und schloss sowohl mit einem Diplom (Soziologie) als auch dem ersten Staatsexamen (Lehramt Gymnasium) ab. Nach dem Absolvieren des Referendariats (2. Staatsexamen 1979) wurde sie 1983 aufgrund der Arbeit „Weibliches Prinzip – weibliche Praxis. Grundlagen für eine feministische Bildungsarbeit“ promoviert. Direkt im Anschluss war sie Mitarbeiterin im Leitungsteam der Frankfurter Frauenschule (SFBF e.V.) und vertrat zwischen 1994 und 1995 die Professur für Historisch-Pädagogische Frauenforschung und die Professur für Frauenforschung und Schulpädagogik an der heutigen Goethe-Universität. 1997 erhielt sie von der Universität Osnabrück die Venia Legendi für eine Arbeit zu „Geschlecht und symbolische Kastration. Über Körper, Matrix, Tod und Wissen“. Zwischen 2001 und 2008 nahm sie verschiedene Gast- und Vertretungsprofessuren für unter anderem Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik sowie Gender Studies / Erziehungswissenschaft der Universitäten Köln, Halle-Wittenberg und Salzburg wahr. 2008 hörte sie einen Ruf der Universität Paderborn und lehrt dort seitdem als ordentliche Professorin für Schulpädagogik und Geschlechterforschung. Zu ihren jüngsten Publikationen gehören:

  • Rendtorff, Barbara; Kleinau, Elke (Hg.) (2013): Differenz, Diversität und Heterogenität in erziehungswissenschaftlichen Diskursen. Opladen: Budrich (Schriftenreihe der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), 3). Online verfügbar unter http://site.ebrary.com/lib/alltitles/docDetail.action?docID=10649072.
  • Moser, Vera; Rendtorff, Barbara (Hg.) (2012): Riskante Leben? Geschlechterordnungen in der Reflexiven Moderne. Opladen: Budrich (Jahrbuch Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, 8).
  • Kleinau, Elke; Rendtorff, Barbara (Hg.) (2012): Eigen und anders. Beiträge aus der Geschlechterforschung und der psychoanalytischen Pädagogik. Opladen: Budrich (Schriftenreihe der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), 2).

Homepage und Kontakt
http://barbara-rendtorff.de