Verbalstil

Der Verbalstil definiert sich genau genommen durch Dinge, die vermieden werden sollten. Das Ziel, einen aktiven, lebhaften Text zu formulieren, der den Lesenden „bei der Stange hält“ und im besten Fall sogar begeistert, geht im schlimmsten Fall jedoch zulasten der Präzision und ist deshalb im Wissenschaftsgenre nicht umstandslos empfehlenswert.

  • Substantivierungen von Verben vermeiden („etwas messen“ statt „eine Messung durchführen“; „der Proband weigerte sich“ statt „Die Weigerung des Probanden“; „das Gesetz tritt in Kraft“ statt „das Inkrafttreten des Gesetzes“ usw.)
  • lange Komposita umgehen („der Mechanismus der Bahnschranke“ statt „der Bahnschrankenmechanismus“)
  • sogenannte Funktionswortgefüge sollten sparsam eingesetzt werden („etwas wird geprüft“/„jemand prüft etwas“ statt „einer Prüfung unterziehen“; „jemand zeigt etwas an“ statt „zur Anzeige bringen“)
  • Adjektive statt Nomen verwenden („eine unvoreingenommene Untersuchung“ statt „eine von Vorannahmen nicht geprägte Untersuchung“; aber Vorsicht beim Adjektivstil)
  • Doppelte Genitive auflösen („den Wald zu untersuchen, zielte darauf ab“ statt „das Ziel der Untersuchung des Waldes war …“)

Beispiele bzw. Übungen, wie Sätze, die einen nominalen Charakter haben, in flüssigeren Verbalstil übertragen werden können, finden sich in den Bereichen Nominalstil und Adjektivstil.

Stilistik
Was guter Stil ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Gerade die Wissenschaft kämpft häufig um die richtige Mischung aus Genauigkeit und ästhetischem Anspruch.