Nicht nur Romane, sondern auch wissenschaftliche Texte sollten gut geschrieben sein. Flüssig und angenehm lesbare Texte, die nicht mit Nominalphrasen, langen Schachtelsätzen oder anderen stilistischen Ausreißern überfrachtet sind, geben der eigentlichen Aussage mehr Raum. Überaus forsche, saloppe und metaphorische Formulierungen untergraben zudem den wissenschaftlichen Anspruch und hinterlassen nicht selten den Eindruck, ein ausladender Stil sollte den Mangel an Inhalt überdecken. Was als angemessen gilt, hängt zwar oft vom Fachbereich ab, aber die hier aufgelisteten Themen und Beispiele sind allgemein gehalten; sie gelten für wissenschaftliches Schreiben prinzipiell.

In den Geistes- und Sozialwissenschaften ist Sprache das vorrangige Werkzeug von Argumentation und Darstellung. Aber selbst die sogenannten hard sciences kommen zur Darlegung ihrer Ergebnisse am Ausdrucksmittel Sprache nicht vorbei. Sich sprachlicher Mittel bewusst zu werden und sie gezielt einzusetzen, zählt daher zu den klassischen Kernkompetenzen in der Wissenschaft.

Wir verzichten bewusst auf längere Ausführungen über guten Stil, der oft mit dem Begriff Verbalstil umschrieben wird. Damit ist ein aktivierender Ton gemeint, der Verben als Schlüssel zum Satz und somit zum aktivierenden Lesen versteht. Mitunter leidet dabei die sprachliche Präzision, was für das Genre Wissenschaft problematisch sein kann. Letzlich sind tradierte Prägungen und Geschmack zu heterogen, um guten Stil gewissermaßen positiv beschreiben oder dingfest machen zu können. Anhand einiger Beispiele wollen wir jedoch auf Dinge hinweisen, die es zu vermeiden gilt und die zugleich dabei helfen können, Stilmittel als solche zu erkennen und bewusst einzusetzen. Die Methode heißt also: Aus Fehlern lernen. Da bekanntlich Sachen länger im Gedächtnis haften bleiben, die man selbst getestet hat, haben wir einige Übungen zusammengestellt, bei denen Sie sich ausprobieren und Umformulierungen vorschlagen können. Unsere Änderungsvorschläge sind jeweils einige Möglichkeiten von vielen.

(Die Beispielsätze sind zumeist verfremdete Passagen aus Texten, die unmittelbar vor der Publikation einem wissenschaftlichen Lektorat unterzogen wurden. Die Inhalte spielen keine Rolle.)

Hier finden Sie Satzbeispiele, die nicht in die anderen Kategorien zum Stil gepasst haben und daher hier eingebunden sind.

Aufgabenbeschreibung

Die folgenden Satzbeispiele enthalten stilistische Mängel oder Ungenauigkeiten (und sind alle aus Texten, die kurz vor der Publikation noch einmal lektoriert und hier teilweise verfremdet wurden). Im Eingabefeld können Sie sich ausprobieren und die Sätze nach Belieben umbauen. Tipp: Seien Sie bei schwierigen Fällen konsequent und formulieren Sie den gesamten Satz neu, statt nur einzelne Teile zu „reparieren".

Stilistik allgemein Übung 1

Die Partei hatte nach diesen Skandalen zu wenig Anhänger, um nochmals in ein Landesparlament einzuziehen.

Ihre Lösung

Vorschlag 1

Die Partei hatte nach diesen Skandalen zu wenige Anhänger, um nochmals in ein Landesparlament einzuziehen.

Erläuterung

Das, was im Englischen mit "much" und "many" deutlich wird, also die Unterscheidung zwischen unzählbaren und zählbaren Nomen ("much salt" vs. "many apples"), gibt es im Deutschen auch: "zu wenig Salz", aber "zu wenige Äpfel". Im Beispielsatz müssten es also "wenige Anhänger" sein, was "wenig Unterstützung" bedeutet.

Stilistik
Was guter Stil ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Gerade die Wissenschaft kämpft häufig um die richtige Mischung aus Genauigkeit und ästhetischem Anspruch.