Literaturverwaltung

1. Warum Literaturverwaltung?

Wissenschaftlich zu arbeiten heißt, präzise zu arbeiten – das schließt die Verwendung von Quellen und Literatur ein. Je nach Fachbereich und Umfang wird die verwendete Literatur schnell unübersichtlich. Bei kurzen Hausarbeiten bis max. 10 Seiten mag die händische Verarbeitung der verwendeten Texte überschaubar bleiben. Mit zunehmender Text- und Literaturlistenlänge steigt die Fehleranfälligkeit deutlich, wenn keine Datenbank im Spiel ist. Für eine durchgängig einheitliche Zitierweise, nachträgliche globale Verzeichnisänderungen oder die (in der Literaturliste alphabetische) Erwähnung aller verwendeten Texte bieten Datenbanken deutliche Vorzüge. Auch die systematische Erfassung der Forschungsliteratur, sinnvolles Exzerpieren und die Verschlagwortung der Einträge lässt sich mit Datenbanken hervorragend organisieren und ein Datenchaos (20 Exzerpte in 15 Dateien, Zitate dort und Notizen auf dem Zettel …) vermeiden. Es lohnt also, sich recht früh in die Verwendung von Datenbanken einzuarbeiten. Die erste Zeitinvestition wird sich bald auszahlen.

Hinweis: Die Literaturliste (Pflicht für alle Haus-, Abschluss- oder Doktorarbeiten) enthält Angaben zu allen Büchern, Artikeln, Filmen, Flugblättern …, die als Quellen in der Arbeit verwendet werden. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Buch, auf das im Text kein Bezug genommen wird, selbst wenn man alle 500 Buchseiten gelesen hat, tauchen nicht in der Literaturliste auf.

 

2. Aufbau von Literaturdatenbanken

Jenseits aller Differenzen können Literaturdatenbanken sowohl in WYSIWYG- und WYSIWYM-Programme eingebunden werden. Eine Datenbank versammelt einzelne Datensätze, von denen jeder einzelne eine Literaturangabe ist. In jedem Datensatz finden sich die gleichen Felder (Autor, Titel, Jahr, Ort, Verlag, Seiten usw.). Sie sind je nach Typ des Datensatzes (Buch, Zeitschriftenbeitrag, Sammelbandbeitrag) leicht unterschiedlich. Je nach Textverarbeitungssoftware werden andere Datenbankformate benötigt, die dann vom Programm verarbeitet werden. Die meisten Datenbankprogramme können verschiedene Formate ausgeben. Hier ein Eintrag aus einer mit JabRef erstellten Datenbank, die als BibTex-Format ausgegeben wird und zur Einbindung in LaTeX vorgesehen ist:

@BOOK{Bachtin:1990,
title = {Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachkultur},
publisher = {Frankfurt/Main},
year = {1990},
author = {Michail Bachtin},
abstract = {S. 39: „Das Lachen blieb stets eine freie Waffe in der Hand des Volkes.“},
owner = {Max Mustermann},
shorttitle = {Literatur und Karneval}
abstract = {Ein Abstract ist nicht verfügbar.}
review = {Etwa für Exzerpte zu verwenden.}}

Die meisten Angaben sind selbsterklärend. Der erste („Bachtin:1990“) ist der sogenannte „Key“, die eindeutige Identifikation eines Datensatzes, der dann im Dokument aufgerufen wird. Alle weiteren Angaben werden aus der Datenbank bezogen und – je nach Vorgabe angepasst – im Text ausgegeben.

Viele Programme unterstützen auch den Import von Datensätzen aus anderen Datenbanken, etwa mithilfe der ISBN. Teilweise können auch Suchergebnisse mit mehreren Datensätzen importiert werden. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten: Der Import zu vieler Datensätze kann schnell der Übersichtlichkeit schaden und einen Datenwust erzeugen. Es ist ratsam, die Einträge gezielt einzubinden, um die Datenbank sauber und dem Thema angemessen zu halten. Der automatische Import birgt auch ein Fehlerrisiko, weil nicht immer alle Felder eines Datensatzes gleich vergeben sind. Der eine importierte Datensatz enthält dann zum Beispiel die Ortsangabe „Frankfurt/Main“ und der andere „Frankfurt a. M.“; ähnliches gilt für Seiten- oder Bandangaben, für Verlagsnamen und mehrere Herausgeber.

 

3. Einbindung von Literaturdatenbanken

Das Schema unten zeigt die Systematik, wie Literaturdatenbanken mit den darin versammelten Einträgen (Datensätzen) in ein Dokument eingebunden werden.

schema-literaturverwaltung

Im Text selbst tauchen also nur formale Anweisungen auf.

Alle weiteren Angaben (sollen Autor und Jahr mit Komma oder Doppelpunkt abgegrenzt werden, kommt die Jahreszahl in der Literaturliste nach dem Autorennamen oder am Ende usw.) werden im Dokument global angewiesen und gelten daher für alle Einträge. Das reduziert Fehler und vermeidet lästige und langwierige Handarbeit.

4. Programme (Auswahl)

FreeWare, Open Source

JabRef (funktioniert für alle Betriebssysteme, sehr gut geeignet für LaTeX)
Zotero (funktioniert für alle Betriebssysteme als Browser-Plugin oder Stand-alone)
Mendeley (funktioniert online)

Kaufsoftware

EndNote (Windows und OSX)
Citavi (Campuslizenzen, für Angehörige der Universität Leipzig kostenfrei)

Hinweis: Die SLUB Dresden hat verschiedene Literaturverwaltungsprogramme verglichen und die Ergebnisse in einer Übersicht dargestellt. Sie findet sich hier als PDF.

5. Kombinationen

Microsoft Word: EndNote, Citavi, Zotero, JabRef
LibreOffice/OpenOffice: Zotero, JabRef
LateX: JabRef, allg. Bibtex-Datenbanken

Für eine gute Literaturverwaltung ist eine geschickte Verschlagwortung ebenfalls wichtig.

Eine Übersicht zur Vielzahl an Programmen finden Sie hier: www.sosciso.de/de/software/.

Quellen/Zitate
„Stand on the shoulders of giants" ist ein bekannter Leitspruch der Wissenschaft. Nur wie die Verweise und Bezüge richtig einbinden, die Quellen sauber verarbeiten?