Gliederung

Das Inhaltsverzeichnis verrät sehr viel auf einen Blick. Es legt im besten Fall die Argumentationstruktur, den Aufbau und die Eingrenzungen offen. Es bildet also nicht nur das ab, was faktisch folgen wird, sondern zeigt bzw. repräsentiert die gesamte Textorganisation bzw. den Argumentationsdurchlauf. Ein klarer Aufbau, eine saubere Struktur ist also im Inhaltsverzeichnis oft bereits ablesbar. Umgekehrt gilt häufig auch (und dies kann gut zur Selbstkontrolle dienen), dass ein gewissermaßen logisches und durchstrukturiertes Inhaltsverzeichnis über den Text selbst Auskunft gibt. Es ist daher kein schlechter Weg, einen Text mit einem vorläufigen Inhaltsverzeichnis zu beginnen.

Die Gliederung  sollte also in sich schlüssig sein und relativ unvermittelt vom Titel der Arbeit auf das Inhaltsverzeichnis schließen lassen können, also das Thema repräsentieren. Oft geben Inhaltverzeichnisse schon Auskunft darüber, ob es tatsächlich gelungen ist, den Gegenstand eines Textes zu behauen, oder ob Ersatzargumente die Seiten füllen mussten. Gerade ausufernde Methoden- oder Theoriekapitel, die mitunter mehr als die Hälfte des Textes einnehmen und ihn dadurch unausgewogen machen, lassen erahnen, dass das eigentliche Thema zu klein oder zu groß war. (Das ist freilich nur dann problematisch, wenn es sich nicht um einen Methoden- oder Theorievergleich handelt.)

Pauschale Hinweise sind schwer zu fixieren, weil verschiedene Fächer und die Vielheit der Themen je unterschiedliche Anforderungen stellen. Eine Einleitung sollte, soviel lässt sich dennoch sagen, etwa 10% eines Textes ausmachen. Wenn die Methode/Forschungsperspektive tatsächlich als Werkzeug nicht modifiziert werden soll, sondern „nur verwendet“ wird, muss sie nicht mehr als 5% des Textes einnehmen. Dann ist es nur nötig zu begründen, warum der Untersuchungsgegenstand mithilfe dieser Brille analysiert oder vermessen werden soll. Der eigentliche Hauptteil sollte mehr als die Hälfte des Textes einnehmen. Ein starker Schluss, der alles bündelt und die Forschungsfrage beantwortet, ist wichtig, auch weil viele Leser neben dem Inhaltsverzeichnis, der Einleitung und dem Schluss nicht viel mehr in Augenschein nehmen. Je nach Thema sollte sein Anteil bei etwa 10% liegen.

Der klassische Durchlauf sieht ungefähr so aus:

EinleitungMethode/Forschungsdesign | HauptteilSchluss

Einige Dinge gibt es zu beachten bzw. einige Fehler zu vermeiden, auch wenn Inhaltsverzeichnisse etwa so vielfältig sind wie es Bücher gibt.

1. Stil von Überschriften

Von technisch-trocken bis tendenziell literarisch ist, in Abhängigkeit vom Fach, viel möglich. Die Überschriften sollten jedoch sprechend sein und einen nachvollziehbaren Hinweise geben, was folgen wird. Andererseits sind zu technische und ausführliche Überschriften ebenfalls schwer verständlich und tilgen, wenn es schlecht läuft, die Lust am Lesen. Eine Überschrift ist schließlich die kürzeste und prägnanteste Inhaltsangabe für ein Kapitel. Es ist beispielsweise wenig hilfreich, ein Kapitel „Methode“ zu nennen, weil der Leser oder die Leserin dann keine Idee davon bekommt, welche Methode, welcher Blickwinkel gemeint ist. Denkbar wäre in so einem Fall etwa: „Methode: Bourdieus Feldtheorie“.

2. Tiefe/Untergliederung

Und wieder gilt: Die Kulturen der einzelnen Fächer weisen erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Feingliedrigkeit auf. Dennoch gibt es einige Faustregeln, die Texten helfen, als gut und angenehm lesbar durchzugehen.

  • Nur recht selten ist es sinnvoll, mehr als einen Gliederungspunkt pro Seite auszuweisen. Finden sich auf einer Seite zwei oder gar drei Überschriften, führt das oft zu einem zerstückelten, fragmentierten Text, dessen Argumente nicht durchdacht wirken oder nicht ausformuliert sind.
  • Oft ist es besser lesbar und schöner, Unterkapitel zusammenzufassen und in einem Kapitel vom mindestens drei Seiten zu bündeln. Unterhalb der Gliederungsebene gibt es schließlich noch Abschnitts- und Absatzwechsel, die zur Strukturierung dienlich sind, jedoch nicht ins Inhaltsverzeichnis müssen.
  • Mehr als drei Gliederungsebenen sind in vielen Fällen nicht sinnvoll. Das Unterkapitel 4.1.1.2.1 etwa hilft kaum, sich zu orientieren, und wird schnell mit 4.1.2.1.1 verwechselt.

3. Nummerierung

Die Form der Nummerierung sollte dem Gegenstand des Textes und der Lesbarkeit angemessen sein. Grob gibt es zwei Typen: dezimal und alphanummerisch, wobei die alphanummerische etwas in die Jahre bzw. aus der Mode gekommen ist. Eine klare dezimale Struktur ist für die meisten Arbeiten gut geeignet. Auch hier gilt: Eine geradlinige Struktur ist wichtig. Es ist beispielsweise nicht sinnvoll bzw. logisch, wenn ein zweites Kapitel etwa das Unterkapitel 2.1 kennt, aber kein weiteres, also kein Kapitel 2.2. Einiges lässt sich auch über Abschnittswechsel bzw. Zwischenüberschriften lösen, die, je nach Gesamtstruktur, nicht unbedingt ins Inhaltsverzeichnis aufgenommen werden müssen.

4. Layout

Die Form sollte dem Inhalt helfen und das entsprechende Verzeichnis der Übersichtlichkeit dienen. Je nach Tiefe bzw. Untergliederung des Verzeichnisses bieten sich Einrückungen an, die auch optisch anzeigen, dass es sich um untergeordnete Kapitel handelt. Pauschal gilt die Regel: Inhalt vor Design. Je umfangreicher die Arbeiten sind, desto komplizierter wird es, ein schlüssiges und übersichtliches Layout zu gestalten. Hervorhebungen wie kursiv, fett oder Kapitälchen sollten systematisch und sparsam eingesetzt werden. Zu viele davon verwirren das Auge. Hier zwei kleine Beispiele mit mehr oder minder typischen Fehlern.

Die folgenden Übungen sollen dabei behilflich sein, die textinterne Logik auf Gliederungsebene nachzuvollziehen. Dafür haben wir Inhaltverzeichnisse gewissermaßen zerschnitten, die in ihrer richtigen Reihenfolge aufgefädelt werden sollen. Vieles ist nicht zwingend, könnte aber, im Zusammenspiel mit den Titeln der Arbeiten, den (logischen) Aufbau verdeutlichen.

Aufgabenbeschreibung

Im Folgenden haben wir Einträge aus Inhaltsverzeichnissen unsortiert aufgereiht. Sie können per drag & drop verschoben und neu angeordnet werden. Hinter der Lösung verbirgt sich dann die Originalversion.

Gliederung Übung 1

Der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 und die Theorie der friedliebenden Demokratien

Ihre Lösung
  • Zur Theorie friedliebender Demokratien
  • Demokratien im Krieg?
  • Literatur
  • Einleitung
  • Spanien am Ende des 19. Jahrhunderts: Eine Demokratie?
  • Zum Spanisch-Amerikanischen Krieg um Kuba
Lösungsvorschlag
  1. Einleitung
  2. Zur Theorie friedliebender Demokratien
  3. Spanien am Ende des 19. Jahrhunderts: Eine Demokratie?
  4. Zum Spanisch-Amerikanischen Krieg um Kuba
  5. Demokratien im Krieg?
  6. Literatur
Erläuterung

Nach der Einleitung folgt der theoretische Rahmen und zwei historische Kapitel, die den Gegenstand der Arbeit selbst erfassen. Das Kapitel „Demokratien im Krieg?" bildet Schluss und Ausblick, was – je nach Geschmack und Fachbereich – auch explizit mit „Schluss" und/oder „Ausblick" angekündigt werden kann.

Aufgabenbeschreibung

Im Folgenden haben wir Einträge aus Inhaltsverzeichnissen unsortiert aufgereiht. Sie können per drag & drop verschoben und neu angeordnet werden. Hinter der Lösung verbirgt sich dann die Originalversion.

Gliederung Übung 2

Minderheiten im Sozialismus: Die Albaner Jugoslawiens zwischen 1968–1980

Ihre Lösung
  • Der geographische Raum Kosovo
  • Politische und soziale Entwicklungen nach 1945
  • Einleitung
  • Albanisch-Serbische Geschichte und Kosovo, ein Überblick
  • Ethnostruktur, demographische Veränderungen und Migrationsprozesse bis 1990
  • Die Jahre 1968 bis 1980
  • Literatur
Lösungsvorschlag
  1. Einleitung
  2. Der geographische Raum Kosovo
  3. Albanisch-Serbische Geschichte und Kosovo, ein Überblick
  4. Politische und soziale Entwicklungen nach 1945
  5. Die Jahre 1968 bis 1980
  6. Ethnostruktur, demographische Veränderungen und Migrationsprozesse bis 1990
  7. Literatur
Erläuterung

Diese Arbeit rahmt das Thema geographisch und historisch ausführlich ein, bevor sie zum eigentlichen Thema kommt. Dies kann, in Abhängigkeit von der Länge der jeweiligen Kapitel, ein Kritikpunkt sein. Die Hinführung scheint dennoch schlüssig. Zunächst ist die Frage tatsächlich (und das ist themenspezifisch) relevant, was der geographische Raum des Kosovo eigentlich ist. Dann braucht es einen historischen Background, um das Thema einordnen zu können.

Aufgabenbeschreibung

Im Folgenden haben wir Einträge aus Inhaltsverzeichnissen unsortiert aufgereiht. Sie können per drag & drop verschoben und neu angeordnet werden. Hinter der Lösung verbirgt sich dann die Originalversion.

Gliederung Übung 3

Ironie und Prosodie. Möglichkeiten und Grenzen, ‚ironische Prosodie‘ experimentell zu untersuchen

Ihre Lösung
  • Entwurfsskizze zur Untersuchung einer ‚ironische Prosodie‘
  • Einleitung
  • Literatur
  • Ausblick
  • Review der Experimente, Forschungsüberblick
Lösungsvorschlag
  1. Einleitung
  2. Review der Experimente, Forschungsüberblick
  3. Entwurfsskizze zur Untersuchung einer ‚ironische Prosodie‘
  4. Ausblick
  5. Literatur
Erläuterung

Ein klarer Durchlauf: Einleitung, theoretisch-kritsiche Reflexion des Untersuchungsgegenstands, Anwendung bzw. Übersetzung dieser Kritik, Ausblick.