letter_fuenf_bearbeitet

Fragestellung

Das wichtigste Element eines Beitrags ist die Fragestellung, weil sie den gesamten Text organisiert. Was will der Text zeigen oder herausfinden? Eine gute, eingegrenzte und präzise Fragestellung hilft also sehr dabei, einen wissenschaftlichen Text zu strukturieren. Bestenfalls lässt sich jeder einzelne Satz an die gewählte Fragestellung zurückbinden. Allerdings ist es mit Fragestellungen so eine Sache …

Fragetypen

Es gibt verschiedene Typen von Fragestellungen, was bereits am Fragewort deutlich wird:

  • Warum? Sicherlich die Königsfrage im Wissenschaftskontext, ruft sie doch eine klare Kausalität auf. Häufig jedoch übersteigen Warum-Fragen die Möglichkeiten dessen, was in Haus- oder Abschlussarbeiten geleistet werden kann. Zudem stellen sich einige wissenschaftstheoretische Hürden einer solchen Frage in den Weg. Statt klarer Wenn-Dann-Beziehungen spielen oft (und zu Recht) Korrelationen, Signifikanzen oder Annäherungen eine wichtigere Rolle.
  • Was? Eine solche Frage stellt zumeist auf Deskriptionen, also Beschreibungen eines Sachverhalts oder veschiedener Einflüsse ab. Eine Was-Perspektive muss nicht falsch oder schlechter als eine Warum-Frage sein, weil eine Beschreibung in Abhängigkeit vom methodischen Werkzeug viel erklären oder zeigen kann.
  • Wie? Dieser Fragetypus steht ein wenig zwischen Warum? und Was?, weil Fragen des Typs „Wie kam es zum Ereignis X?“ durchaus ein Warum antizipieren, sich aber zunächst auf eine Beschreibung im Sinne von „Was ist passiert?“ zurückziehen.
  • Wer? Dies ist eine klassisch akteursbezogene Frage, die wissenschaftlich eher eine untergeordnete Rolle spielt.

Diese Liste ist freilich unvollständig und – je nach methodischer Brille und Fachkultur – unterschiedlich zu bewerten. Aber sie soll helfen, die Sensibilität für die eigene Fragestellung zu erhöhen.

 

Untersuchungsgegenstand und Fragestellung

In vielen Fällen sind (besonders bei Abschlussarbeiten) die Untersuchungsgegenstände und Themen zu groß, zu umfänglich, um sauber und stichhaltig ausgearbeitet zu werden (erkennbar etwa an Formulierungen wie „Dieses oder jenes würde den Rahmen der Arbeit sprengen“). Ein Thema sollte also frühzeitig auf eine möglichst konkrete und einschränkende Frage reduziert oder zugespitzt werden. Dann ist es möglich, den berühmten roten Faden zu spinnen und argumentative Kohärenz herzustellen. Hier eine kleine Übersicht, wie interessante Bereiche in konkrete Forschungsfragen überführt werden können:

Nach diesem groben Schema könnten viele Interessen- oder Aufgabengebiete in handliche Fragestellungen überführt werden. Weitere Möglichkeiten zur Einschränkung wären:

  • Vergleich oder Einzelfallanalyse?
  • Welche (konkrete) theoretische Perspektive?
  • Welches Erkenntnisinteresse?

Je nach Umfang des zu schreibenden Textes muss die Frage mehr oder weniger präzisiert werden. Auch hier kommt der Kunst des Weglassens eine wichtige Rolle zu. Man wird oft mehr gelesen oder gedacht haben, als in den Text passen kann. Die Fragestellung sollte immer wieder die Richtschnur sein, was tatsächlich im Text zu verbauen ist.