Begabungsbegriff

Wie verstehen wir Begabung?

Die Frage was Begabung sei, vielmehr auch noch was Hochbegabung sei, beschäftigt zahllose wissenschaftliche und populäre Bücher. Eine einfache Definition darauf ist nicht zu geben. Je nach Zielrichtung (z.B. Auswahl und Förderung oder Beratung bei Entscheidungen) lässt sich ein anderer Schwerpunkt wählen. So wird (Hoch-)Begabung an Intelligenz (einem bestimmten Schwellenwert z.B. 130), Leistung (z.B. die 10% Leistungsstärksten einer Klasse), besonderen Leistungen (z.B. Gewinnen von sprach- oder naturwissenschaftlichen Wettbewerben) oder außergewöhnlichen und kreativen Leistungen (z.B. im sportlichen, musischen und künstlerischen Bereich) festgemacht. Wir verstehen Begabung als dynamisch, das heißt wir fokussieren unseren Blick auf den Prozess der Entwicklung von Interessen und Talenten hin zu exzellenten und innovativen Leistungen. Dabei spielen viele Faktoren der Person und ihrer Umwelt eine Rolle. Diese Faktoren, wie zum Beispiel individuelle Motivation oder schulische, familiäre und universitäre Förderungsmöglichkeiten, beziehen wir in die Analyse und Entwicklung von Potentialen mit ein. Die Persönlichkeit ist dabei von besonderer Bedeutung. Begabung ist für uns keine feste zu messende Größe, sondern ein individuelles und dynamisches Profil von Interessen und Fähigkeiten. Wir wollen helfen die eigenen Begabungen  zu entdecken und Wege einer erfolgreichen Zielerreichung zu entwickeln.

 

Für alle, die sich mit der Begabungsforschung beschäftigt haben, hier noch ein paar Hinweise auf für uns wesentliche Forschungstraditionen:

Das Münchener Hochbegabungsmodell nach Heller und seine zusammenfassende Definition: „Begabung ist das Insgesamt personeller (kognitiver und motivationaler) Lern- und Leistungsvoraussetzungen. Begabungsentwicklung ist die Interaktion personeninterner Anlagefaktoren und externer Sozialisationsfaktoren“ (Heller 2001). Darauf aufbauend ist die Weiterentwicklung von Ziegler, Perleth und Hany zentral.

Das Begabungsmodell von Renzulli und die darauf aufbauende europäische Forschung nach Mönks sind für uns ebenfalls wichtige Impulsgeber.

Im Bereich der Intelligenzforschung orientieren wir uns an der positiven Psychologie und Sternbergs Definition von erfolgreicher Intelligenz: „… intelligence is (1) the ability to achieve one’s goals in life, given one’s sociocultural context, (2) by capitalizing one’s strengths and correcting or compensating for weaknesses (3) in order to adapt to, to shape, and select environments (4) through a combination of analytical, creative and practical abilities” (Sternberg 2005).

Insgesamt lässt sich der zugrunde liegende Begabungsbegriff als systemisch, dynamisch und multifaktoriell beschreiben.

 

Quellen und Literaturhinweise zur Vertiefung:

  • Sternberg, Robert: Conceptions of Giftedness. Cambridge University Press, Cambridge 2005.
  • Heller, Kurt /Ziegler, Albert (Hrsg.): Begabt sein in Deutschland. LIT-Verlag, Berlin 2007.
  • Heller, Kurt: Hochbegabtenberatung. In Fischer, Christian/ Mönks, Franz/ Westphal, Ursel: Individuelle Förderung: Begabungen entfalten- Persönlichkeit entwickeln. LIT-Verlag, Berlin 2008.
  • Wittmann, Anna Julia/ Holling, Heinz: Hochbegabtenberatung in der Praxis. Hogrefe Verlag, Göttingen 2004.
  • Ziegler, Albert/ Grassinger, Robert/ Harder, Bettina: Konzepte der Hochbegabtenberatung in der Praxis. LIT-Verlag, Berlin 2012.