Wetterfahnen in Machern

Die Brockhaus Enzyklopädie definiert die Wetterfahne als einen auf Dächern oder Türmen befindlichen metallernen Gegenstand in Form einer Fahne, der die Windrichtung anzeigt. Die Wetterfahne  ist eine hellenistische Erfindung, die es nachweislich schon im 1. Jh. v. u. Z.  in Athen am Fuße der Akropolis gab, und zwar auf dem Turm der Winde , auf dem Naos Aiolou, was übersetzt Tempel des Aeolus heisst (Bild u.).
Aeolus ist nach Homers Odyssee der Obergott der Winde. Diese Wetterfahne wird im Lexikon der Antike  beschrieben als kunstvolle
Flachfigur, die einen Salpinx blasenden Triton darstellt. Triton ist ein niederer Meeresgott, Sohn des Poseidon und der Amphitrite, der von den Hüften ab fischleibig ist. Salpinx ist ein altgriechisches trompeten-ähnliches Musik-instrument, das sich am Ende glockenförmig erweitert. Der Turm der Winde ist 12,8 m hoch. An seinen 8 Seitenwänden ist je eine der 8 Windgottheiten plastisch personifiziert dargestellt, die für eine der 8 Hauptwindrichtungen steht. Auf dem Bild sieht man drei von ihnen und einen Teil der  Wetterfahnenbefestigung auf dem Dach.
In Machern sind zu beiden genannten Dingen von einander unabhängige Bezüge zu finden. So gab es im Park einen Tempel des Aeolus, den der Graf von Lindenau vor etwas mehr als 200  errichten lies und den J. E. Lange 1795 malte (Bild u.). Beyreuther schreibt dazu 1938 in seinem Buch „Machern. Im Wandel der Zeit“:
In der Nähe das Schießhauses stand früher der Schneckenberg, der gekrönt war mit dem Aeolus-Tempel. Der Tempel glich einer Feldhütte. Ein Strohdach stützte sich auf sechs Stämme aus Eichenholz. Die Wände waren aus Schilf mit Moos besetzt und so eingerichtet, daß man sie abnehmen und wieder anheften  konnte, je nach dem Aeol aus Osten oder Westen, aus Süden oder Norden daher fuhr. Der Berg mußte später abgetragen werden, da er von Kaninchen vollständig unterwühlt war.
 
 

Auf dem Kirchturm


Bis 1906 hatte  die Wetterfahne die Gestalt  eines Ackerpfluges. Die neue stiftete die Ritterguts- und Patronatsherrschaft,  Paul Schnetger und seine Frau, aus Anlass des 100jährigen Familienbesitzes auf Machern 1906. Die Jahreszahl des Jubiläums und das plastische Flachbild eines „Posaune blasenden Engels“, wie Beyreuther es 1938 benennt, fanden auf der aus Kupfer gefertigten Wetterfahne Platz   Bei einer neuerlichen Turmrenovierung im Jahre 1998 wurde diese nun mit Patina besetzte  Wetterfahne abgenommen (Bild u.).


Wetterfahne, die  sich von 1906 bis 1998 auf dem Macherner Kirchturm drehte.

Sie diente zur Anfertigung einer  nichtplastischen, aber vergoldeten Kopie mit den zwei Jahreszahlen 1753 (Kirchenumbau)  und 1998 (Wetterfahnenrestaurierung)(Bild u.).


Die neue Wetterfahne dreht sich seit 1998 auf dem Macherner Kirchturm
(vergrößte Ausschnittskopie eines Fotos von G. Süß)

Betrachtet man auf den Bildern „den Posaune blasenden Engel“, so sucht man vergeblich nach „Engelsflügeln“. Streift der Blick von seinen Hüften abwärts, so sieht man  einen fischleibigen Teil. Das Blasinstrument ähnelt einer Salpinx. Also könnte dies alles auch dem Salpinx blasenden Triton auf der Urwetterfahne von Athen entsprechen. Oder gibt es noch andere Interpretationen?

 Auf dem Schlossturm

Im Zusammenhang mit dem Wiederaufsetzen von Haube und Leuchte auf den Schlossturm im März 1988 wurden auch Kuppel, Knopf und Stab mit Wetterfahne und Windstern  als Turmbekrönung vorbereitet. Die alte Wetterfahne von 1711 war nach dem Abriss der Turmhaube im Jahre 1948 in einer Müllgrube gelandet. Dort fand sie  ein Macherner und bewahrte sie 40 Jahre in seinem Keller auf.
Die  Kupferschmiede Hochkeppeler in Leipzig übernahm ihre Restaurierung und versah sie mit einer weiteren Inschrift, mit der Jahreszahl 1988. Während  eines feierlichen Zeremoniells wurde am 11. 11. 1988 der Knopf mit Dokumenten als Botschaft für die Nachwelt verschlossen. Darunter befanden sich  das Knopforiginal von 1792,  ein Bericht über die Gemeinde Machern im Jahre 1988,  der Artikel "Parkansichten“ in der Leipziger Volkszeitung vom 8./9. 10. 1988  und die aktuelle  Tageszeitung (LVZ vom 11.11.1988), weiterhin ein Satz gültiger Münzen der DDR und diverse DDR-Wertmarken (wie Konsummarken, Briefmarken und Forum Schecks).


Wetterfahne kurz vor dem Aufziehen auf den Schlossturm
(Archivbild von 1988)

Am 12. 11. 1988 erfolgte dann die Turmbekrönung und mit ihr auch das Aufziehen der vergoldeten Wetterfahne, deren Inschriften heute teilweise immer noch nicht einwandfrei deutbar sind. Dr. Christoph Bormann, der damalige Leiter der Macherner Parkdirektion, sah diese Windfahne aus nächster Nähe und schreibt in der "Gedenkschrift zur Rekonstruktion des Turmes am Schloss Machern 1985 –1989“ wie folgt: "Über Reparaturen an der Turmbekrönung geben Initialen und Jahreszahlen in der Wetterfahne Auskunft:

1711   H. G. v. L.     Heinrich Gottlieb v. Lindenau
1797  C. H. A. v. L. Carl Heinrich August v. Lindenau
1850  E. v. S.           Eduard Schnetger
1871  F. v. S.
1909  A. v. S.          Alexander v. Schnetger"

Die vom Autor (H. M.) bei der Übernahme hier unterstrichenen Angaben sind als fraglich anzusehen. Denn anhand zweier Fotos (eins davon ist das Archivbild) konnte die Deutung zum Teil sinnvoll korrigiert werden, und zwar wie folgt:

1711   W. v. L.  Wolf v. Lindenau (Besitzer, lebte 1638-1710, starb bei Turmumbau)
1792   C. H. A. v. L. Carl Heinrich August v. Lindenau (Besitzer bis 1802)
1850   E. v. S.   Eduard Schnetger (Enkel des Besitzers Gottfried Schnetger, 25 Jahre)
1871   T. v. S.   Paul Theodor Schnetger (Enkel des Besitzers Wilhelm Schnetger, 12 Jahre)
1909   A. v. S.   Alexander Schnetger (Sohn des Besitzers Paul Theodor Schnetger, 15 Jahre).
1988   (Jahr der neuen Turmbekrönung  mit  restaurierter Wetterfahne)

Ungeklärt bleibt die Bedeutung des kleinen v. vor dem S. Die Schnetger trugen keinen Adelsnamen. Vielleicht sollte die Namenswürdigung auf der Wetterfahne einfach so gelesen werden, zum Beispiel bei E. v. S.: "Eduard von  Schnetgers“.

Auf dem Rathausturm

In der Endphase des Rathausbaues wurde im Sommer 1997 der Turm mit Knopf, Stab und Wetterfahne auf das Dach des Mittelteils aufgesetzt. In den Knopf sind zeitgemäße Dokumente und Münzen  eingelötet worden. Und am 2. Oktober 1997 fand dann die Einweihungsfeier für den Neubau statt. Von diesem für die Gemeinde Machern stolzen Jahr kündet seitdem die Wetterfahne mit der Inschrift 1997 (Bild von K. Fleischer).
 
 

Auf dem alten Feuerwehrturm

Die Familien Kai und Mike Barke aus Machern sind seit 2000 Besitzer des alten Feuerwehrhauses in der Schlossgasse und bauten es zu einem Wohn- und Geschäftshaus um. Den Turmteil erhöhten sie um ein mit Ziegeln gedecktes Spitzdach. Knopf und Stab mit einer Wetterfahne bilden die Turmspitze. Die Wetterfahne dreht sich seit  November 2001 im Wind und trägt die Inschriften: O  A  H (Bild). Es sind dies die Anfangsbuchstaben der Namen der Kinder der beiden Familien: Orthia, Attila und Helen. Im Knopf sind zeitgemäße Dokumente und Münzen verwahrt (erstmalig für Machern und die Region auch das ab 1. 1. 2002 gültige Euro-Geld).
 
 

Im Buchenweg


Dort trifft man auf das Haus der Familie Keller. Vom  Dachfirst weist eine Wetterfahne mit der Inschrift 1996 auf das Jahr der  letzten großen Renovierungsarbeiten am Haus vor 6 Jahren hin (Bild von G. Keller). Die Wetterfahne wurde aus Edelstahl und Zinkblech von der Wurzener Metalldrückerei Müller angefertigt.
 
 

In der Käthe-Kollwitz-Straße

Hier steht das 2000 erbaute Eigenheim der Familie des Dachdeckermeisters Horn, der berufsmäßig mit dem Anbringen von Wetterfahnen  zu tun hat, wie am Macherner Rathaus. Für das Hausdach der Familie wählte er eine kupferne Wetterfahne mit den Symbolen seiner Handwerkszunft: Ziegelhammer, Zirkel und Schieferhammer (Bild).
 
 

In der Mozartstraße

Hier dreht sich auf dem kleinen Turm des Einfamilienhauses von Familie Mey eine kupferne Wetterfahne, die in ihrer Gestalt der auf dem Macherner Rathausturm ähnelt, jedoch die Jahreszahl 1999 trägt. Sie wurde von  der Kupferschmiede Wetzig in Leipzig hergestellt.
 

Im Muldenblick und anderswo: Wetterhähne

Einen mit Edelrost belegten kupfernen Hahn als Wetterfahne auf dem niedrigen Dach seines Carports besitzt   Henning Pohl (Bild). Solche Wetterfahnen, in variierender Form aus verschiedenem Material hergestellt, sind nicht selten. Man sieht sie in Machern auch noch im Buchenweg, in der Leipziger Straße, in der Gartenanlage am Neumarkt,  in der Goethestraße und im Rotkehlchenweg.
Auch im Ausland kennt man den Wetterhahn. In den Niederlanden heißt er weerhaan, in Großbritannien weathercock, in Spanien veleta en forma de gallo und in Frankreich girouette en forme de coq.


Machern, 28. 11. 2003/Prof. Dr. Heinz Mielke
Last updatet: 12. 03. 20005
(s. a. http://www.wetterfahnen.tk oder http://www.kbbinder.de)