Das Macherner Schwanenjahr 2004
Eine Macherner Schwanentragödie und Schwäne anderswo

Eine Macherner Schwanentragödie

Es war eine erfreuliche Kunde für viele,  dass das  Schwanenpaar Romeo und Julia aus ihrem Überwinterungsgebiet am 24. 3. 2004 auf den Macherner Schwemmteich zurückgekehrt ist und sein   Brutgeschäft erfolgreich bewältig hat. Am 19. Mai kreuzte es erstmalig mit  5 frisch geschlüpften Dunenschwänchen Jahrgang 2004, gerade etwa 2-3 Tage alt, auf dem Schwemmteich. (Bild 1).


Bild 1: Die Macherner Schwanenfamilie 2004 auf dem Schwemmteich

Bis zum 25. Juli war bei der 7-köpfigen Schwanenfamilie alles in bester Ordnung. An diesem Sonntag jedoch berichteten Parkspaziergänger im Macherner Schlossrestaurant konsterniert von Kindern, die die Schwäne mit Steinen beworfen und einen Schwan getroffen haben sollen. Der Autor dieser Zeilen wurde gefragt, was denn  nun zu tun wäre. Eine Visite am Schwemmteich ergab einige Stunden später, dass einer der 5 Jungschwäne auf der Teichmitte allein, also getrennt von der Familie,  umher schwamm, und tatsächlich etwas anormal aussah, wie erkrankt mit geringgradiger Kopf-Halsschiefhaltung. Auf Lockrufe kamen sowohl er als auch die anderen,  weiter entfernten Schwäne der Familie ans Ufer geschwommen, wo sie ohne verdächtige Angriffe auf den "Alleinschwan" eine Zeit zusammenblieben. Diese Angriffe wurden aber am  nächsten Tag sichtbar, als er wieder allein schwamm und von Romeo, dem Schwanenvater, hart attackierte wurde, sobald er in Sichtnähe der Schwanenfamilie geriet. Es sah meistens aus wie die bekannten Revierverteidigungen bei Schwänen mit aggressiver Vertreibung des Eindringlings. Manchmal kam Romeo sogar über kurze Strecken angeflogen und hetzte ihn übers Wasser bis aufs Land (Bild 2).


Bild 2: Der "Alleinschwan" in der Nähe des Nordufers, die Schwanenfamilie am Ostufer  des Schwemmteiches, von wo aus Romeo, der Schwanenvater, gleich eine Attacke auf den "Alleinschwan" starten  und ihn aufs Uferland treiben wird (28. 7.)

Nach mehren derartigen Attacken hielt sich der "Alleinschwan" dann immer weit abseits von seiner  Schwanenfamilie auf, meist in Ufernähe im Schilfgürtel oder direkt an Land, und war stets fluchtbereit.


Bild 3:  Die Schwanenfamilie immer nur zu sechst (31. 7.)

Beobachter dieser Schwanenangriffe auf den Alleinschwan berieten über eine hilfreiche Lösung.Man gelangte zu der Auffassung, der Natur die Lösung zu überlassen, und war dann angenehm überrascht, als am 7. August die Familie wieder gemeinsam auf dem Schwemmteich zu sehen war: der  ausgestoßene "Alleinschwan" war von seiner Familie wieder in ihre Mitte aufgenommen worden (Bild 4).


Bild 4: Die Schwanenfamilie wieder zu siebent vereint  (7. 8.)

Aber schon wenige Tage später war alles wie vorher: die Schwanenfamilie kreuzte auf dem Schwemmteich ohne ihn, immer angriffsbereit gegen ihn, und der nun aber "Wieder-Alleinschwan" hielt sich in ständiger Fluchtbereitschaft vor der Familie in Ufer- oder Schilfnähe auf (Bild 5 u. 6).


Bild 5: Der nun "Wieder-Alleinschwan" versteckt sich ängstlich im Gebüsch am Südufer des Schwemmteiches (20. 8.)


Bild 6: Vor der Apollo-Statue hält der "Wieder-Alleinschwan" verängstigt auf den Schwemmteich nach den anderen Schwänen seiner Familie Ausschau (23. 8.)

Am 25. August wurde der "Wieder-Alleinschwan" ein letztes Mal gesehen. Sein Verbleib  und sein weiteres Schicksal sind unbekannt. Er und seine Geschwister waren zu dieser Zeit noch nicht flugfähig.
Unbekannt blieben die genauen Ursachen, die zum "Alleinschwan" führten. Hat etwa ein Stein den Jungschwan tatsächlich getroffen, der sich danach, krank aussehend, abseits von seiner Familie aufhielt? Oder waren die geworfenen Steine auf den gerade angreifenden Romeo zur Abschreckung gerichtet, der den vielleicht erkrankten Jungschwan attackierte? Nicht auszuschließen ist wegen der anfänglichen Kopf-Halsschiefhaltung des "Alleinschwanes" eine leichte Botulinusvergiftung, ähnlich wie sie 2003 bei Romeo auftrat und auch mit dessen Absonderung von der Familie einherging, die ihn aber nicht angriff . Die Gründe, die dann zum "Wieder-Alleinschwan" führten, sind rätselhaft.
Die 6-köpfige Schwanenfamile mit Romeo und Julia verblieb bis zum Herbstabfischen auf dem Schwemmteich, um am 30. 9. 2004 in ein uns nicht bekannt gewordenes Überwinterungsgebiet zu fliegen. Damit endete das Macherner Schwanenjahr 2004.
Über einen 1999 in Machern beim Abflug der Schwaneneltern Paul und Paula in die Überwinterungsregion am Albrechtshainer See allein gelassenen Jungschwan wurde schon einmal früher im Abschnitt Schwanenüberwinterung berichtet.

Schwäne anderswo: an der Ostseeküste bei Kolberg

Im September 2004 konnten während eines Aufenthaltes an der  Ostseeküste im polnischen Badekurort Kolobrzeg (Kolberg) 39 Höckerschwäne beobachtet werden. Von ihnen trugen 9   links gut ablesbare Fußringe.

Die Benummerungen wurden auf Hinweis der deutschen Beringungszentrale Hiddensee <beringungszentrale@lung.mv-regierung.de>  (Beringungszentrale Hiddensee am Lung, Badenstr. 18 , 18439 Stralsund) an das polnische Beringungszentrum in Danzig <ring@stornit.gda.pl> (Zaklad ornitologii polskiej akademii nauk, 80-680 Gdansk, ul. Nadwislanska 108) gemeldet. Aus der Rückantwort geht hervor, dass 8 dieser Salzwasser-Schwäne direkt in Kolobrzeg und einer in Swinemünde (Swinoujscie) beringt wurden. 2004 hatten sie ein Alter von 2 bis 8 Jahren. Unter dieser Vielzahl von Schwänen waren nur 2 graue Jungschwäne, wie das aus dem nachfolgenden Bild ersichtlich ist.




Machern, 03. 09. 2005/Prof. Dr. Heinz Mielke