Das Schwanenjahr 2003 in Machern

Vorgeschichte

Als der Nachwinter 2001 langsam zu Ende ging, wurde die Schwänin Paula ab 22. 3. mit zwischenzeitlich kurzer Abwesenheit immer nur allein auf den Schwemmteich und einmal auch auf den Mühlteich gesehen. Ihr Schwanenmann Paul war also vom verschneiten Rapsfeld nicht mit zurückgekehrt. Paula verlies Machern dann Ende April 2001. Erst im März 2002 nahm ein neues Schwanenpaar den Macherner Schwemmteich als Revier in Besitz. Nachwuchs blieb aber aus. Im Herbst verließ es das Revier, um am 10. 3. 2003 wieder zurückzukehren. Damit nahm das Macherner Schwanenjahr 2003 seinen Anfang. Die beiden Schwäne erhielten die Namen Romeo und Julia.

Die Schwäne Romeo und Julia und ihre Jungen

Im Schilfgürtel bauten sich die beiden Schwäne ein Nest und begannen am 11. 4. mit der Eiablage und dem Brüten. Von diesem Tag an war immer ein Schwan auf dem Nest. Am 25.5. wurden dann ein, am nächsten Tag 6 Dunenschwänchen auf dem Nest gesehen. Die Brutzeit einschließlich der Eiablagezeit betrug mithin 44 Tage. Am 28. 5. erfolgte der erste Ausflug der Schwaneneltern mit ihren 6 Jungen auf dem Schwemmteich (Bild u.).
 
 


Der erste Ausflug der Schwanenfamilie: links Julia in der Nähe der 6 Dunenschwänchen, rechts Romeo mit dem größeren Höcker am Schnabel.

4 Wochen später unternahm die Familie einen Landgang auf die Halbinsel bei der Apollo-Statue. Dabei waren leider nur noch 5 Dunenschwänchen (Bild u.).
 
 


Die nur noch siebenköpfige Schwanenfamilie auf der Halbinsel bei Apollo.

Am 7. 7. wurde ein weiterer Abgang festgestellt. Die nun noch sechsköpfige Schwanenfamilie blieb auf dem Schwemmteich zusammen bis zum 28. 10., ihrem Abflugtag in Richtung eines ihr genehmen Überwinterungsgewässers. Die Jungen hatten sich bis dahin gut entwickelt und gaben im Alter von 4½ Monaten sogar Anlaß zu einem neuen Macherner Schwanenmärchen Doch hatte die Schwanenfamlie vorher noch die schlimme Krankheit ihres Schwanenvaters Romeo zu überstehen.

Der Schwan Romeo erkrankte

Am Vormittag des 10. 7. wurde Romeo in einer für ihn ungewöhnlichen Sitzposition am Nordufer des Schwemmteiches ziemlich unbeweglich vorgefunden. Beim Herankommen erhob er sich nur mühsam, um schwerfällig auszuweichen, und zwar ohne das sonst typische scharfe Angriffszischen. Als man ihn in Ruhe ließ, setzte er sich sofort wieder hin. Seine Familie hielt sich bei ihm in Ufernähe im Wasser auf. Der Verdacht auf Botulismus lag nahe, auf die plötzlich auftretende, tückische Erkrankung, die mit Lähmungssymptomen einhergeht, also auf eine Vergiftung durch das Bakterientoxin von Clostridium botulinum, das Romeo aus verdorbenen Pflanzen- oder "Futter"-Resten aufgenommen haben könnte.
 
 


Der kranke Romeo

Der örtliche Tierarzt Dr. Jürgen Bufe wurde zu Romeo gerufen. Als er in der Mittagsstunde zusammen mit Gnud Lesser von den Macherner Gemeindewerken und dem Autor kam, saß Romeo nicht mehr am Nordufer sondern am Südufer (Bild o.). Ein Einfangen zur Untersuchung gelang nicht. Der kranke Schwan wich aufs Wasser aus, wo er dann allerdings nur einem bedingt kranken Eindruck hinterließ (Bild u.).


Tierärztliche Visite bei den Macherner Schwänen mit Dr. Bufe (r.) und Dipl-Ing.(Gartenbau) Lesser

In den nächsten Tagen zeigte Romeo folgendes atypisches Verhalten: er hielt sich fast nur getrennt von seiner Familie auf, hatte eine etwas schiefe Halshaltung und konnte sich auf dem Land nur tapsig fortbewegen, wobei er die Schwanzfedern als Stütze nutzte. Die Erkrankung wurde als leichte Form von Botulismus eingeschätzt, die Romeo durch Selbstheilung weitgehend überwinden konnte.
 
 


Die 2 Monate alten Jungschwäne zusammen mit Mutter Julia

Nach 4 Wochen kreuzte die sechsköpfige Schwanenfamilie wieder gemeinsam auf dem Schwemmteich.
(Ein schwerer Fall von Botulismus ist dem Autor vom Brandiser Kohlenbergteich her bekannt, von wo im September 2000 ein gelähmt vorgefundener Schwan in die Leipziger Uni-Kleintierklinik gebracht wurde, ihm aber dort nicht mehr geholfen werden konnte. Ein Speziallabor in Göttingen hat nach dem Tod in Leber- und Mageninhaltsproben das Botulismus-Toxin nachgewiesen. Krankheitsbilder davon sind im Internet vorhanden.

Ein weiteres Macherner Schwanenmärchen

Es war einmal eine große Versammlung der Macherner Wasservögel auf dem Schwemmteich, und zwar, wie auf dem Bild (u.) zu sehen ist, in der Nähe des Südufers.. Die versammelten Vögel hatten sich ihrer Art entsprechend im jeweils gebührenden Abstand gruppiert: vorn befanden sich die Königsvögel, also die Schwäne, dann folgten im engen Halbkreis dahinter die flinken und frechen schwarz gefiederten Blesshühner und hinter ihnen in einem großen Halbkreis die scheuen bunt und graubraun gefiederten Wildenten.


Die Versammlung der Wasservögel auf dem Macherner Schwemmteich

Gegenstand der Versammlung war das mehrmalige musikalische Geschehen am gegenüber liegenden "Schlossberg" im Juni und September 2002 und 2003, wo die Wassernixe Rusalka mehrfach dem Schwemmteich entstieg, um in der Nähe ihres geliebten Prinzen zu sein. Was da wohl alles passiert sein mag, wo Elfen tanzten, eine Hexe hexte und schöne Musik erklang und doch alles tragisch endete? Die versammelten Wasservögel wollten es genau wissen. Als Kundschafter boten sich die 4 Jungschwäne in ihrem grauen Tarnfederkleid an. Die Versammelten stimmten zu. Und los ging die Erkundung in Richtung "Schlossberg".
Der Wasserweg hinüber zum Nordufer war für die Jungschwäne kein Problem. Viele Male hatten sie die Strecke schon zurückgelegt. Auch Ufererklimmungen waren ihnen geläufig, wenn auch nicht dort, wo sie in der Nähe der Blutbuche "d'Artangan" aus dem Wasser stiegen. Aber schon waren sie an ihr vorbei und watschelten den steilen Hangweg zum "Schlossberg" hinauf. Verlockendes Grün stand am Wegesrand und verführte die beiden kleineren Schwäne zu mehreren Grasrupfpausen. Die beiden anderen stürmten weiter voran und gelangten bald zur "Schlosshalle" (Bild u.).
 
 


Die beiden größeren Jungschwäne auf dem "Schlossberg" vor der "Schlosshalle".

Als ihre Geschwister auch bei ihnen waren, da schauten sie hierhin und dahin (Bild u.) und fanden schließlich heraus, dass die Musikdozentin Helga Sippel mit ihrer Macherner Kindergruppe hier tatsächlich die Oper Rusalka von Dvorak mehrfach aufgeführt hatte. Sie waren glücklich dieser Erkenntnis wegen.
 
 


Die 4 Jungschwäne mit ihren Erkenntnisvisionen auf dem "Schlossberg."


Ihre Visionen vergrößerten sich noch:
auf einmal stand die ganze Opern-Kindergruppe vor ihnen.
(Opernbilder von 2002: Sabine Spalteholz, Machern)

Doch da bemerkten die Jungschwäne unten auf dem Teich ihre Eltern, die mit ängstlichem Lockfiepen ihren Erkundungsauftrag begleiteten. Sie beendeten plötzlich das Märchen durch eine fast fliegende Rückkehr vom "Schlossberg" hinunter auf den Schwemmteich in die beruhigende Obhut ihrer Eltern (Bild u.).


Die 4 Jungschwäne wieder in der Obhut ihrer Eltern auf dem Schwemmteich.

(Das erste Macherner Schwanenmärchen ist mit der Familie des Schwanenpaares Paul und Paula 2000 verbunden.)

Schwäne noch anderswo in Machern

Im Jahre 2003 hatten außer Romeo und Julia auf dem Schwemmteich noch 4 andere Schwanenpaare auf den Lübschützer Teichen und auf dem Tresenwaldteich der Gemeinde Machern ihre Nester gebaut und erfolgreich gebrütet. Auf dem Tresenwaldteich schwammen sie zusammen mit 4 grauen Jungschwänen, auf dem Iristeich ebenfalls mit 4 grauen, allerdings ab Juli ohne die Eltern, auf dem Galgenteich mit 3 grauen und auf dem Sahlweidenteich mit 2 weißen (Bild u.).
 
 


Die 2 weißen Jungschwäne im Alter von etwa 2 Monaten zusammen mit ihren Eltern
auf dem Sahlweidenteich.

Die schon vom Schlüpfen an weiße und nicht graue Befiederung der beiden weißen Jungschwäne rührt von einem Gendefekt her, der bei etwa 28% der Schwäne beobachtet wird.. Er lässt keine graue Pigmentbildung von Eumelanin im Gefieder zu. Das sind die Immutabilis-Schwäne ("unveränderlich veränderte Schwäne", bezogen auf die weiße statt der grauen Farbe der Federn ).
Die männlichen Altschwäne auf den beiden letztgenannten Teichen sind Ringschwäne. Die Beringungszentrale Hiddensee teilte mit, dass der Schwan vom Galgenteich 9 Jahre und der vom Sahlweidenteich 5 Jahre alt sind. Beide wurden vor 8 bzw. 4 Jahren an Gewässern der Stadt Leipzig am linken Fuß beringt.

Schwäne anderswo: in Trebsen

Im Jahr 2003 hatte auf dem Herthasee bei Trebsen im Muldentalkreis, etwa 14 km von Machern entfernt, das dortige Schwanenpaar 8 Dunenschwänchen  ausgebrütet und aufgezogen. Die Schwanenmutter ist ein Immutabilis-Schwan (s. o.), deren Füße nicht dunkel sondern entsprechend hell sind. Sie ist beringt. Unter den 8 Jungschwänen waren 2 weiße Immutabilis-Schwäne.
(1998 lebte  eine 7köpfige Schwanenfamilie nach einem wundersamen Marsch auf dem Dorfteich von Altenbach, etwa 4 km von Machern entfernt. Alle 5 Jungschwäne waren Immutabilis-Mutationen.)
Die nachfolgenden Bilder von der 10köpfigen Schwanenfamilie aus Trebsen wurden am 20. und 25. 9. 2003 aufgenommen.
 
 


Die  Schwäne als Familienverband auf  der Seemitte.


Die Schwanenfamilie im Wasser am Seeufer


Die Schwanenfamilie auf  Land am Seeufer:
der Schwanenvater (v. l.) und die Schwanenmutter mit Ring (2. v. r.)



Machern, 03.11. 2003/ Prof. Dr. Heinz Mielke