Wappen der Familie Schnetger in Machern

Im Jahre 1806 erwarb der Leipziger Handelskaufmann Gottfried Wilhelm Dietrich Schnetger (1770-1861) das Macherner Rittergut mit Schloß und großem Landschaftsgarten. Diesen einstigen Adelsbesitz derer von Lindenau hatte  der letzte Graf, Carl Heinrich August von Lindenau, 1802 an Baron von Wylich aus Stolberg/Harz verkauft und war auf sein neues Gut nach Glienicke bei Potsdam gezogen, wo er in königlich-preußischen Diensten hochdekoriert als Oberstallmeister  und Direktor des Obermarstallamtes Berlin sowie als Generaldirektor der  Königlichen Thierarzneischule Berlin und als hoher Offizier tätig war. Wylich hatte das Gut sehr schnell weiterverkauft angesichts der  damals von Napoleon  Bonaparte ausgehenden beunruhigenden politischen Entwicklungen in verschiedenen Ländern Europas, wie auch in Sachsen und Preußen.
Gottfried Schnetger betrieb seine Handelsfirma in Leipzig weiter und setzte sich gleichzeitig vehement mit den öfter wechselnden Gutsverwaltern für eine erfolgreiche Landwirtschaft auf seinem Rittergut in Machern, für eine Musterwirtschaft ein. Aber erst nach dem Tode seiner Frau Henriette  blieb  er dann  ab 1830 ständig in Machern und widmete sich im besonderen Maße seiner Landwirtschaft mit der anerkannten Spitzenschafzucht. Er unterstützte in Machern den ersten Bahnstreckenbau Leipzig-Dresden und die Kirsch- und Kartoffelfeste. 1840 eröffnete er auf seinem Land in Zeititz die Grube "Agnes" für den Untertageabbau von Braunkohle.

    
    Wappen der Familie Schnetger                          Gekröntes Wappenschild der Familie Schnetger auf
auf dem Buntglasfenster in der
Macherner Kirche            der erneuerten Relieftafel am Gedenkstein von 1906         
 mit
Schwan, Pflug und Handelschiff                                            im Macherner Park                              
                                           
   

Er übertrug seine erfolgreichen Wirtschaftsprinzipien auf seine Nachfahren. So übernahmen lückenlos sein Sohn Wilhelm 1858, sein Enkel Eduard 1873 und sein Urenkel Paul 1903 den Besitz und die Leitung des Rittergutes bis 1945, als nach dem Ende des 2. Weltkrieges  die Schnetgers durch die Bodenreform enteignet wurden und Boden und Vieh in Bauerhand, das Schloß und der Landschaftsgarten in Gemeindeeigentum übergingen.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Besitz der Familie Schnetger auf Machern schenkte Hildegard Schnetger 1906 ihrem Mann, dem Rittergutsbesitzer und Patronatsherrn Paul Schnetger, zwei Buntglasscheiben für die Fenster der Patronatsloge in der Macherner Kirche. Auf der einen Scheibe ist das in bleigefasste farbige Konterfei des Urahns Gottfried Schnetger, auf der anderen das in bleigefasste farbige Wappen der Familie Schnetger zu sehen mit zwei Löwen als Halter des Schildes mit Schiff, Pflug und Schwan, mit geschmüktem Ritterhelm, der gekrönt ist mit gekreuztem Anker und Merkurstab (Bild).

Anlässlich der Feierlichkeiten zu "100 Jahre Besitz auf  Machern" wurden neben der beiden Buntglasscheiben in der Kirche weiterhin der schon genannte Gedenkstein der Öffentlichkeit übergeben. Dabei traten die 3 Kinder von Paul und Hildegard Schnetger mit einem in Versform verfassten theatralischen Wappen-Gedicht auf. Dieses hat ihr Cousin Herbert Koch verfasst, der später Geschichtsprofessor in Jena war (LVZ/Wurzener Tageblatt 8. 12. 2000). Es wird hier gekürzt wiedergegeben:

Herbert Koch kam im Zeit-Kostüm von 1806:

Ein neuer Stamm zog in die alten Mauern,
ein neuer Geist auch mit dem neuen Stamm.
Gerechtigkeit und Güte ward den Bauern
zu teil. Durch kräft`ges Schaffen, arbeitsam
erblühten Äcker, Fluren, Felder, Wiesen,
erstand die Ordnung, fröhlich zu genießen.


Agnes (15) kam als Matrose:

In dem Wappen ist ein Schiff.
Selbst ich will es dran erinnern,
was wir unseren Schiffen danken,
Handel und Verkehr erschließen
sie uns mit anderen Welten.

Gottfried (14) kam als Landmann:

Mit der Mähre, mit der Kuh
acker ich die harte Erde,
dass sie früchtespendend werde
.
Bis die volle Frucht der Ähre
sich beschwert zu Boden neigte.
Dies denk` ich, treib ich die Mähre
auf dem Acker, und die Kuh:

Fleiß bringt Fröhlichkeit und Ehre,

Redlichkeit schafft süße Ruh!


Alexander (11) kam als Fischer:

Wie ein höheres Wesen ehrte
man den Schwan in alter Zeit,
und warum? Man gab ihm immer
einen Schimmer Heiligkeit.
Offenheit und reines Denken,
alles was uns edel schien,
fasste man im Schwan zusammen.
Lasst uns dann auch so im Wappen
unsren Schwan ein Zeichen sein,
dass die Träger ohne Scheelsucht,
dass von Neid und Falsch sie rein.


               
  Schnetger-Wappen auf einem Zierteller (Foto: J. Schnetger)           Schnetger-Wappen am Historischen Brunnen vor dem Rathaus
                                                                                                    in Machern (von Maria-Petra Ondrej nach Zierteller-Vorlage)

                                                                                                                                           


Machern, 12. 07. 2011/ Prof. Dr. Heinz Mielke