Ein Nachmittag mit Victor in Leipzig

Am 25. Oktober 2002 unternahm Opa Heinz mit Enkel Victor, der aus dem Münsterland kommend, in Machern bei den Großeltern zu Besuch weilte, einen Nachmittagsspaziergang in dessen Geburtsstadt Leipzig, in der er bis zu seinem 7. Lebensjahr gewohnt hatte. Opa Heinz zeigte dem 14jährigen viele der besonderen Leipziger Sehenswürdigkeiten, wobei der höchste und der tiefstgelegene Besichtigungspunkt der Stadt Leipzig vorrangige Ziele waren. Hier eine Auswahl von Victors Bildern, die er mit seiner Digitalkamara gemacht und die Opa mit dem PC bearbeitet und mit Untertexten versehen hat:


Opa Heinz am Johannisplatz, Victor ist Fotograf: gleich erreichen wir den Augustusplatz.


Auf dem Augustusplatz sehen wir links das Hotel Mercure, dann das Gewandhaus, es folgt der Uni-Riese (140 m hoch), jetzt vom mdr genutzt, davor einen Teil des Mendebrunnens und rechts das Hauptgebäude der Universität sowie im Vordergrund Autos und Straßenbahnen.


Nun geht es im Hochhaus 29 Etagen in flotter Fahrt mit dem Aufzug und einige Treppenstufen langsam zu Fuß nach oben auf die Aussichtsplattform. Von dort genießen wir in 130 m Höhe herrliche Blicke auf Leipzig :


auf den Hauptbahnhof,


auf das noch in Erneuerung befindliche Zentralstadion, den Glockenturm und die neue Sportarena,


auf das neue Rathaus, das auf der ehemaligen Pleißenburg errichtet wurde, dahinter auf drei Wohnhochhäuser ( im rechten wohnte Victor bis 1995) und auf den herbstbunten Clara-Zetkin-Park,


und in der Ferne auf das Völkerschlachtdenkmal und vor ihm auf die Russische Kirche mit der goldenen Kuppel als zwei markante Punkte.

 Im Gewandhaus waren die unteren Räume geöffnet, so dass wir uns die Ausstellung "Bilder zu Texten von Christa Wolf" von Nuria Quevedo (Figurenstudien zu Kassandra) und Günther Ücker (Medea-Blätter) anschauen und einen Blick ins Klinger-Foyer mit dem Beethoven-Denkmal werfen konnten:

 Der Weg führte uns danach weiter durch das Hörsaalgebäude der Universität und durch die Kupfergasse am "akademixer-Keller" vorbei auf den Neumarkt. Dort bogen wir in die Mädlerpassage ein und betrachteten durch die Scheiben des leerstehenden Eckgeschäftes Neumarkt 14 (zu DDR-Zeiten Fotoladen BEZE, dann Jeansladen) das Deckenfresko "Helios im Sonnenwagen", das sich bis 1912 im Paradesaal von Auerbachs Hofes befand:

 Der aus dem Auerbachs Hof hervorgegangene Auerbachs Keller in der Mädlerpassage war unser nächstes Ziel. An den Bronzeplastiken "Faust und Mephisto" und "3 verzauberte Studenten" vorbei, stiegen wir die Stufen hinunter zum Restaurant Großer Keller, wo hinten rechts seit August 1999, seit Goethes 250. Geburtstag, das Gemälde von Volker Pohlenz "Kaiserliche Pfalz" zu Goethes Faust II seinen Platz hat:

Darauf dargestellt sind Personen der Vergangenheit und der Gegenwart (v. l. n .r.): Bernd Weinkauf (Chronist), Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau, kurfürstlich-sächsischer Oberstallmeister in Dresden und Rittergutsbesitzer von Machern (Besitzer des Hofes von 1754 bis 1789, danach sein Sohn Carl bis 1842), Dr. Heinrich Stromer, hier als Kaiser (Erbauer und Besitzer des Hofes von 1530 bis 1542), Ulrich Reinhardt, hier im Bilderrahmen (Besitzer des Kellers seit 1996), Dr. Jürgen Schneider, hier als Mephisto ( bekannt als betrügerischer "Leipziger Baulöwe", dem nach 1990 auch kurzfristig der Keller gehörte), Wolfgang Welter, Getränkelieferant des Kellers (Geschäftsführer der Brauerei Krostiz), Thomas Jahritz, Getränkelieferant des Kellers (Geschäftsführer von Getränke Staude GmbH Leipzig, Sitz Machern), Axel Baumbach, Bauleiter der Kellerrestaurierung (Architekt), Konrad Wiedemann, Restaurator des Kellers, Dr. Klaus Behrens, Anwalt des Kellers (Rechtsanwalt), Volker Pohlenz, hier im Medaillon an der Sitzbank (Schöpfer des Gemäldes).

 Im Restaurant Großer Keller waren wir ca. 10 m unter Straßenniveau. Leider war der Zugang zu den noch tiefer gehenden historischen Restaurants des Auerbachs Kellers geschlossen, so dass Victor das Goethezimmer, den Fasskeller und die Hexenküche, den aller tiefsten Leipziger Besichtigungspunkt, nicht sehen konnte.
Vielleicht beim nächsten Besuch.

 Wir verließen den Geschichten umwobenen Keller und standen auf dem Naschmark vor dem Goethe-Denkmal, geschaffen von Carl Seffner (1903), das an die Leipziger Zeit des jungen Goethe (1765-1768) erinnert. An den Seiten des Denkmals sind die Porträtmedaillons von Friederike Oeser (l.) und Käthchen Schönkopf (r.) angebracht.


Hinter dem Denkmal steht die Alte Handelsbörse mit Apollo (l.) und Hermes (r.) auf der Dachballustrade.

 Von hier gingen wir zur Thomaskirche:

 Leider stand das Bach-Denkmal (von Carl Seffner 1908 geschaffen) in einem umzäunten Baugebiet und konnte nur von weitem betrachtet werden.

 Das Bild von ihm (oben) stammt von einer Ansichtskarte. Dafür wurden wir im Innern der Kirche durch eine Orgelprobe, durch das große Bach-Buntglasfenster und die Grabplatte der Bachruhestätte vollauf entschädigt.

 Unser nächstes Ziel war die Große Fleischergasse.Wir gingen dorthin vorbei an der Filiale der Commerzbank. Das Gebäude war früher das Kaufhaus Ebert, zu DDR-Zeiten und bis 1992 das Kaufhaus Topas. Die Ebert-Erben gaben das Geld zur Wiederherstellung der beiden 4 m hohen vergoldeten Frauenfiguren links und rechts des Hauptportals, die während des 2. Weltkrieges verloren gegangen waren.


Frau mit Tuch und Adler--------Frau mit Spiegel und Pfau

 In der Großen Fleischergasse erfreuten wir uns am stilvollen Eingangsportal des historischen alten Restaurants Zum Coffe Baum :

Auf der großen Fußgängerbrücke am ehemaligen Konsument ("Blechbüchse" genannt) machten wir ein Doppelselbstporträt von uns. Hinter uns ist der Turm der Evangelisch-reformierten Kirche auf dem Tröndlinring zu sehen:

Von dieser Brücke aus gingen wir über den Brühl, die Katharinenstraße und den Markt zu Specks Hof und weiter durch seine passagenartig verbundenen Lichthöfe mit dem aus ca. 20000 farbigen Kacheln bestehenden Wandfries von Moritz Götze: "Der Morgen, der Mittag, der Abend" bis zur Nikolaikirche, bekannt von den Montagsgebeten und als Ausgangspunkt für die Montagsdemonstrationen 1989. Dann kamen wir auf die Ritterstraße und hatten vor uns wieder den Uni-Riesen, jetzt im "Manhattan-Blick":

 Es war ein anstrengender, aber schöner Stadtzentrumsrundgang.

 Im Tschiboladen auf der Grimmaschen Straße erholten wir uns letztendlich ein wenig:
Victor mit Cola  und Opa mit Espresso und Fettbemme:

Dann ging es per Auto zurück nach Machern.



Machern, 30. 10. 2002/Prof. Dr. Heinz Mielke