Weshalb?                        Seit Wann?

Macherslust ist ein  Landschaftsgebiet, das nordöstlich vor den Toren von Eberswalde-Finow liegt und zu diesem Ort gehört (s.Plan). 
Es befindet sich also  nicht, wie Beyreuther 1938 in seinem historischen Buch „Machern im Wandel der Zeit“ schreibt, bei Potsdam. Der Name Macherslust lässt, im Zusammenhang mit Machern  genannt, wie es Beyreuther tat, mögliche Beziehungen zum Grafen Carl Heinrich August  von Lindenau (1755-1842) vermuten: Als  aus Machern in Sachsen stammender Königlich-preußischer Oberstallmeister trug dieser um 1790 nicht nur die Verantwortung für die Errichtung des Friedrich-Wilhelm-Gestüts in Neustadt/Dosse sondern auch für den gleichzeitigen Aufbau und die Leitung der beiden kurmärkischen Hengstdepots  in Neustadt/Dosse und in Liebenwalde, die später  Landgestüt Lindenau und  Landgestüt Bischofswerder genannt wurden.
Ersteres existiert heute noch als Teil des Brandenburgischen Haupt- und Landgestüts Neustadt/Dosse. Letzteres wurde  1806/1807 nach  der Niederlage der Preußen bei Jena und Auerstädt aufgelöst. Der  Gebäudekomplex von Bischofswerder wurde in der Folgezeit unterschiedlich genutzt. Heute ist dort der "Preußische Hof", ein Club und Tagungshotel, etabliert. Von den beiden genannten Hengstdepots wurden die Hengste nach der Deckzeit während der Sommer- und Herbstmonate auch auf  Weidegebiete  in die Neumark östlich der Oder gebracht. Auf dem Weg dahin kamen sie durch das genannte Gebiet nordöstlich von Eberswalde, das  etwa 25 km vom Hengstdepot Bischofswerder und etwa 70 km vom Hengstdepot Lindenau entfernt liegt. Es könnte der  Rastplatz für die durchziehenden Pferdeherden der Gestüte gewesenen sein. Ebenso wie der Graf von Lindenau  später das Vorwerk seines  Rittergutes in Büssow in der Neumark den Namen Machern gegeben  hat, wäre hier auch eine Benennung des  angenommenen Pferderastplatzes als Macherslust durch ihn möglich  gewesen. Dem ist aber nicht so, wie das im Sommer 2003 vom Autor vor Ort in Erfahrung gebracht werden konnte. Es soll aber hier  trotzdem  etwas über
die interessante Geschichte dieses brandenburgischen Landschaftgebietes berichtet werden, dessen Namen es schon 1938 den Macherner Kantor und Oberlehrer a.D. Beyreuther in seinem oben genannten Buch angetan hatte, der es fälschlich noch als Macherlust  und nicht richtig als Macherslust bezeichnet hat.
Vieles sprach dabei wiederum für eine "Lindenau-Machernslust-Bezugsvariante", da neuzeitliche Karten  Macherslust ausweisen (s. vorn) und auf dem Gelände von Macherslust der "Eberswalder Reit- und Fahrverein Standort: Macherslust" zu Hause ist mit 30 - 40 Eigen- und Pensionspferden,  vielen Koppeln  und einer Anzahl von Gebäuden (s. Bilder). Daneben existiert dort eine große imposante Villa, seit 1993 jedoch unbewohnt und  dem Verfall Preis gegeben.
Das alles nährte  die Hoffnung  auf   eine Beziehung von Macherslust zum Grafen von Lindenau und einer Namensgebung durch ihn. Denn dieser stammte  aus  Machern,  wo er 1782 bis 1798 den berühmten Landschaftsgarten geschaffen und dadurch besondere emotionale Bindungen zu Heimat bezogenen Erinnerungen hatte, aber schon von 1786 an bis 1808 in Diensten  der preußischen Könige stand.
Die Wahrheit über Macherslust erfuhr der Autor vor einem Jahr beim Besuch in Macherslust von gut informierten Mitarbeiterinnen der Eberswalder-Finower Information und des Museums in der dortigen Museums-Apotheke und  aus den Büchern „Geschichte der Stadt Eberswalde Bd. 2: Von 1740 bis 1940“ von Rudolf Schmidt (1994)   und „Denkmale in Brandenburg. Landkreis Barnim, Stadt Eberswalde“ (1997):
Macherslust wurde im Jahre 1765 durch den damaligen Bürgermeister von Eberswalde Julius Macher angelegt, der dort zunächst eine Meierei und einen Milchviehbetrieb einrichtete. Julius Macher war ein Freund der Natur und Altertümer, der sich aus purer Lust vor der Stadt ansiedelte, in einer Gegend, die ihn durch interessante Urnenfunde besonders anzog und die er Macherslust nannte. Von Macherslust ist bekannt, dass es nach zweimaligem Besitzerwechsel 1821 von Johann Wolff angekauft wurde, der wegen der aufgedeckten Tonvorkommen dort eine Ziegelei errichtete. 1870 erwarb dann Wilhelm Schmidt das Gut und die Ziegelei. Er war der Sohn eines reich gewordenen Berliner Bauspekulanten, der 1894/95 südlich der durch das Gebiet führenden Oderberger Straße auch die  auf  malerische Gesamtwirkung ausgelegte große Villa bauen ließ (s. Bild).


Die Villa in Macherslust
(2003 unbewohnt)

Nach seinem Tod wurde das Anwesen geteilt. Den Ziegeleibereich übernahm die benachbarte Landesirrenanstalt, heute Landesanstalt Eberswalde Spezialklinik für Psychiatrie, die den Betrieb bis zum Versiegen der Tonvorkommen weitergeführt hat. Im Jahre 1933 erfolgte der Abriss der Ziegelei. Das angrenzende Areal mit der Villa befand sich  vor dem 2. Weltkrieg im Besitz des Gouverneurs a. D. von Deutsch-Südwestafrika Baron Friedrich von Lindequist, über den folgendes bekannt wurde:
"Friedrich von Lindequist war der einzige zivile Generalgouverneur in der Geschichte der damaligen Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika. Er führte dort die Karakulschafe ein, die den Siedlern des kargen Landes Reichtum brachten. Er warf dem Kaiser wegen dessen Ausrottungspolitik sein Amt mit den Worten: 'Ich kann dies nicht mehr vor Gott, vor den Menschen und vor mir vertreten,'  zu Füßen und zog sich nach Macherslust bei Eberwalde zurück, um Spargel anzubauen. Ein Skandal zur damaligen Zeit. 'Dabei wird jedenfalls kein Blut vergossen, es sei denn ich schnitte mir in meinen eigenen Finger,' war seine Erklärung für diese Entscheidung."
Nach 1945 gingen Teile von Macherslust in Landesbesitz über. Die Villa diente erst als Gehörlosenschule, dann als Einrichtung für geistig Behinderte und steht seit 1993 leer. Auf dem angrenzenden Flächen wurden Schafe und Pferde gehalten.
Seit etwa 30 Jahren wird dort ein Reitstützpunkt betrieben, bis  1990 in Trägerschaft des nahen Schweinemast- und Fleischkombinates Eberswalde in Brietz, danach als "Eberswalder Reit- und Fahrverein e. V. Standort: Macherslust".


 


 Wirtschaftshof mit Wirtschafts- und Stallgebäuden


 Teile des umfangreichen Koppelgeländes rechts und links der Oderberger Straße




Machern, 22. 10. 2004 /Prof. Dr. Heinz Mielke