Weshalb?                                              Seit wann?

Machary, das früher Machern hieß, liegt in Polen ca. 80 km nordöstlich von Kostryn (Küstrin) in der früheren Neumark. Der Ort gehört zur Großgemeinde Strzelce Krajenskie (Friedeberg) und ist von deren Zentrum etwa 13 km entfernt. Er hat heute etwa 130 Einwohnern und  ist hervorgegangen aus einem Vorwerk des etwa 3 km entfernten Rittergutes Büssow (heute Buszow) (s.Plan, für den Norbert Gschweng aus Greifswald gedankt sei)..
Dieses Rittergut mit Vorwerk und einem  Schloss hatte der aus dem sächsischen Machern stammende Graf Carl Heinrich August von Lindenau (1755-1842) schon 1803 erworben, also zu der Zeit, als er gerade erst ein Jahr von Machern und seinem berühmten Landschaftsgarten weg auf sein neues Gut in Klein-Glienicke bei Potsdam übergesiedelt und noch königlich-preußischer Oberstallmeister bei Friedrich Wilhelm III. und Generaldirektor der Königlich-preußischen Tierarzneischule zu Berlin war. Nach seinen Vorgaben wurden beide Güter nach den damals modernsten Erkenntnissen der Dreifelderwirtschaft nach Thaer erfolgreich bewirtschaftet.


Büssow  mit Käuzchenburg und Machern in der Neumark
(Plan 1:100 000 aus den 1930er Jahren)

1808 schied er aus den königlich-preußischen Diensten aus, verkaufte dann 1812 sein Anwesen in Klein-Glienicke und nahm zusammen mit seiner Frau von da an bis 1817 seinen neuen Wohnsitz in Büssow in der Neumark. Dem  dortigen Schloss  gab er den Namen Käuzchenburg, wie es später auch auf Landkarten verzeichnet wird. Er ehrte damit seine Frau, die er Käuzchen nannte und der er schon in seinem Macherner Landschaftsgarten mit dem Käuzchenbad ein freundliches Gedenken gesetzt hatte (LVZ/Muldenspiegel 14. 12. 1998). Als Divisionär der neumärkischen Landwehr  nahm er an den Freiheitskriegen gegen Napoleon teil und wurde 1813 zum Generalmajor und 1817 zum Generallieutenant befördert. In einem Brief aus dem Jahre 1814 an den damaligen preußischen Staatskanzler Hardenberg, der das Gut und Schloss in Klein-Glienicke übernommen hatte, bezeichnete er sich und seine Landmanntätigkeit als Krautjunker und  benutzte damit wohlwollend eine Bezeichnung, mit der dann später der Landadel mehr anrüchig belegt worden war. Dieses Büssower Rittergut umfasste etwa 2500 ha Land.
Der Friedeberger Schriftsteller und Ortschronist Paul Müller beschreibt die Persönlichkeit des Grafen zu dessen Büssower Zeit in seinem Roman  „Morgenlicht zur Freiheit“ 1930 wie folgt:
"Daheim erzählte ich den Vorfall den Eltern, aber sie konnten sich nicht ausdenken, was der Graf mit mir beabsichtigte. ‚Er spricht anders als wir’ sagte ich zum Vater. ‚Man hört’s ihm an, daß er Sachse ist’, erwiderte er. ‚War kurfürstlicher Kavallerie-Offizier und hat dann preußische Dienste angenommen. Es ist noch nicht lange her, daß er sich hier angekauft hat.’ ‚Die Büssower Kühe werden ja sehr gerühmt’, versetzte die Mutter.’ Ja, er hat aus dem heruntergewirtschafteten Gut einen Musterbetrieb gemacht... Erst mußte der Sachse kommen und sich als laienhafter Neurer belächeln lassen, dann sahen unsere Gutsherren ein, daß mit Thaers neuem Verfahren aus dem Boden viel mehr herauszuholen ist als nach der überlieferten Weise der Vorfahren.“...
„Das gab einen fröhlichen Morgengruß, als ich zu der Schar stieß, und der Graf  freute sich, mich als ersten aus der Stadt anzutreffen. Wie ich ihn so dem Zuge voranreiten sah, adlergleich, herrlich an Wuchs, stattlich und frisch wie ein Jüngling, obgleich er dem Greisenalter nicht mehr fern, da begriff ich, warum er Kurfürsten und Königen gefallen hatte, daß sie ihn an ihren Hof zogen, warum alles Volk an ihm hing und jeder ihm gern gehorchte. Die Oberstenuniform erinnerte an seine glänzende Vergangenheit, der übergeworfene graue Mantel und die schwere Reiterpistole gemahnten den Ernst der Stunde.“
Bis heute kann nicht genau gesagt werden, weshalb und seit wann der Name Machern für das Büssower Vorwerk gilt. Er ist als  eine Reminiszenz  des Grafen von Lindenau an seinen Heimatort Machern in Sachsen zu werten.
Die weitere Geschichte von Machern in der Neumark nach den Lindenaus, die 1817 einen weiteren  Orts- und Besitzwechsel nach Bahrensdorf bei Beeskow vornahmen, ist lange Zeit mit der Familie Bieler verbunden, deren Nachfahren heute bei Lübeck und anderswo leben. Der Obermühleninspektor Weigel aus Oranienburg hatte  das Rittergut Büssow mit dem Vorwerk Machern und dem Schloss Käuzchenburg vom Grafen von Lindenau erworben und es Wilhelm Christian Franz (I.) Bieler erst in Pacht gegeben und dann  1819 verkauft. Aus den Lebenserinnerungen von Max Bieler (1886-1966), über die  seine Schwiegertochter Christel Bieler dem Autor berichtete, und aus anderen Unterlagen geht hervor, dass das Vorwerk Machern 1843 ein selbständiges Gut und damit auch der Grundstein für die selbständige Ortschaft Machern in der Neumark gelegt wurde.
Man weiß, dass Franz (I.) Bieler  bis 1858 der Besitzer des Rittergutes Büssow war. Sein Sohn Franz (II.) Friedrich Bieler pachtete von 1851-1858 das Rittergut Machern und kaufte 1858 noch das Rittergut Büssow mit Käuzchenburg von ihm. Das Gut Machern  gehörte von 1858 bis 1871 dem Theodor Friedrich Bieler, dem 5. Sohn von Franz (I.), und danach bis 1884 seiner Witwe Auguste sowie von 1884 bis 1909 dem Hans Friedrich Bieler, einem Neffen vom Theodor F. Bieler (z. T. aus „Geschichte der Stadt Friedeberg in der Neumark und des Landes Friedeberg“ 2. Auflage 1909). Erwähnenswert ist, dass im Weiteren von den Bielers im 19. Jahrhundert Oscar Richard Bieler (1822-1892)  Universitätsstallmeister in Leipzig,  der Hermann  Bieler Landstallmeister und  Direktor des Gestüts Dillenburg in Hessen  und andere Bieler in der  Köthener Region Besitzer, Pächter und Verwalter von großen landwirtschaftlichen Betrieben waren und in Maasdorf neben der Kirche auf dem Friedhof das Efeu-umwachsene Mausoleum der Bielers steht. (In Maasdorf befindet sich seit 1970 das in Deutschland einzige und einzigartige "Schweinehochhaus", in dem auch jetzt immer noch unter den neuen Besitzverhältnissen erfolgreich Schweinezucht mit 470 Zuchtsauen auf den 6 Etagen betrieben wird.)
Die weiteren Besitzverhältnisse von Machern in der Neumark sind unbekannt oder für Außenstehende nicht einfach erfassbar. Im Ergebnis des 2. Weltkrieges kamen die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Grenze 1945 zu Polen. So auch die Neumark mit Büssow und Machern, die nach Ausweisung der dort nach dem Krieg verbliebenen Deutschen nun von polnischen Bürgern aus Ostpolen besiedelt wurden, die auch ihre katholische Gläubigkeit dorthin mitbrachten. Die Orte erhielten polnische Namen.  In Machary (Machern) wurde ein Staatsgut eingerichtet und erfolgreich weiter Landwirtschaft betrieben. Viehställe (Bild), Trockenanlagen und Wohnhäuser (Bild) entstanden neu und wurden zusammen mit den  alten Gebäuden der Bielers (Bild) genutzt. Das von den Bielers erbaute Macherner Herrenhaus brach 1989 zusammen und zerfiel, wie diebBrennerei und jetzt  ihr Stall- und Wirtschaftsgebäude (Bild). Auch Käuzchenburg und das Herrenhaus des früheren Rittergutes Büssow sind inzwischen nicht mehr exsistent. Nach 1990 setzten mit dem gesellschaftlichen Umbruch in Osteuropa auch hier rasante Veränderungen  ein.  Die Besitzverhältnisse und die Art und Weise der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung änderten sich. Während die Viehwirtschaft zurück ging und die dazugehörenden Ställe und Anlagen nicht mehr genutzt werden, bereitete  die Feldwirtschaft weniger Sorgen. Die jetzt privaten Felder rings um Machary  sind bestellt, und das Korn reift darauf. Neben den Polen haben sich Niederländer, Dänen und Deutsche in die Landwirtschaft Westpolens eingekauft.
Bei einem Besuch im August 2002 konnte sich der Autor in Machary umsehen und die hier wiedergegebenen Fotos schießen. Leider war die Verständigung mit den dort ansässigen Bürgern und Bauarbeitern völlig unzureichend, sodass  zum Beispiel nicht in Erfahrung gebracht werden konnte, zu welchem Verwendungszweck die gerade im Entstehen begriffene große moderne freitragende Halle (Bild) errichtet wird. Ein möglicher ausländischer Kapitaleinsatz ist dabei nicht auszuschließen.


Im Verfall begriffenes Stall- und Wirtschaftsgebäude im jetzigen  Machary, das aus dem 19. Jahrhundert stammt und  eine Wetterfahne mit der Jahreszahl 1864 trägt. Im Vordergrund Reste des zerfallenen Herrenhauses.


Nicht mehr genutzte Stallgebäude im jetzigen  Machary, die aus dem 20. Jahrhundert stammen.


Die im Bau befindliche moderne freitragende Halle in Machary im August 2002,
wo es dahinter mit alter Brennereiesse noch so aussieht.


Die alte  Lindenallee  aus dem 19. Jahrhundert führt auch im August 2002
 nach Machary, das man hinten links und rechts sieht.

Nach Machary  kommt man auf dieser 600 m langen Prachtallee, allerdings noch  mit Kopfsteinpflaster und sandigem Sommerweg aus dem 19. Jahrhundert (Bild). Sie wird rechts und links von sehr alten schönen Lindenbäumen gesäumt und geht  von einer etwas besseren Straße ab, die von Büssow (Buszow) über Breitenstein (Bobrowko) kommt (s. Plan).


Neue Wohnhäuser in Machary aus dem 20. Jahrhundert im August 2002.




Machern, 22. 10. 2004 /Prof. Dr. Heinz Mielke