Machern - Wiege der beiden Lindenau-Grafen

Machern - Wiege der beiden Lindenau-Grafen


Das Geschlecht derer von Lindenau lebte und residierte auf Schloß Machern von 1453 bis 1802.


Die nachfolgenden Besitzer waren die Freifrau von Wylich bis 1806 und die Kaufmannsfamilie Schnetger in 4 Generationen bis 1945. Danach wurden Schloß und Rittergut durch die Bodenreform volkseigen und 1991 das Schloß Gemeindeeigentum, bewirtschaftet durch die Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft mbH Schloß Machern.

Heute hat sich das Schloß zu einem beliebten Besuchermagnet mit Restaurant, Terrassencafe, Festsälen, Seminar- und Ausstellungsräumen entwickelt. Die beiden Schloß-Ansichten stammen aus den Jahren 1795 (links) und 1995 (rechts). Seit 1996 hat Machern ein eigenes Standesamt. Untergebracht im Schloß, wird dort im einzigartigen Ambiente der Ritterstube getraut. Es ist einmalig in Sachsen dieses "Hochzeitsschloß Machern". Dort etablierte sich auch im Februar 1996 mit der "Gräflichen Tafel" eine sich wiederholende Festlichkeit für barocke Genüsse in barocker Ausstrahlung.

Machern liegt im Freistaat Sachsen 20 km östlich von Leipzig und hat seit 1838 direkte Bahnverbindung, heute als S-Bahnverkehr nach Leipzig und Wurzen. Im Macherner Bahnhofsgebäude erzählte davon ein sehr schönes großes" Wandbild mit der Saxonia", einer Dampflokomotive in Sachsen, das von Macherner Schülerinnen unter Anleitung ihrer Kunsterziehungslehrerin Antje Janke 1988 geschaffen wurde. Im Februar 1997 wurde das Bahnhofsgebäude beim Bau der neuen InterCityExpreß(ICE)-Trasse abgerissen, und damit verschwand auch das Wandbild.
Durch den Bau der Eisenbahnlinie 1836-1838 wurde der Quellzufluß zum Wallteich des Macherner Schloßes unterbrochen. Dieser trocknete aus und machte um 1840 das ehemalige Wasserschloß zu einem Landschloß, umgeben nun von einer großen Wallwiese.


Die beiden Lindenau-Grafen, Vater und Sohn, haben anerkennenswerte Verdienste als:

1.Schöpfer des Macherner Schloßparks von 1765 bis 1798, eines heute
gern besuchten sentimental-romantischen Landschaftsgartens mit
faszinierender Flora und Fauna sowie mit dem großen Schwemmteich,
interessanten Parkbauten und restaurierten Skulpturen.

2. Begründer der Landespferdezucht und der staatlichen
Tierarzt-Ausbildung in Sachsen und Preußen im 18. Jahrhundert, was
Pferdeliebhaber und Tierärzt besonders aufhorchen läßt.

3. Besitzer des Leipziger Auerbachs Hofs (des heutigen Auerbachs
Kellers) von 1754 bis 1842, wo der Sohn als elfjähriger mit dem jungen
Goethe näher bekannt wurde.

Im Paradesaal von Auerbachs Hof befand sich seit 1720 das berühmte Deckenfresko "Helios im Sonnenwagen" von dem Gothaer Hofmaler Johann Heinrich Richter, das 1912 bei den Umbauten in die Mädlerpassage in einen Geschäftsraum (Neumarkt 14) übernommen wurde und dort, jetzt eine Jeansboutique, noch bewundert werden kann: Helios, der jugendliche, strahlende, gewaltige Sonnengott der Griechen, fährt mit seinen feurigen Sonnenrossen, aus dem Okeanos kommend, über den Himmel, die Sonne als Bewahrer des Lebens manifestierend.


Der Vater:

Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau
Kurfürstlich-Sächsischer Oberstallmeister und Kammerherr
(3.7.1723 - 11.10.1789)
"Sein Reichsgrafen-Wappen"
(Beilage zum unten genannten Gnadenbief, wo es dazu heißt: "...Wir obenerwehnten Heinrich Gottlieb des heiligen Römischen Reichs Grafen von Lindenau die besondere Kaiserliche Gnade gethan, und ihn sein bisher geführtes alt adliches Ritter und turniermäßiges Wappen nicht nur bestätigt sondern auch vermehret, und hierfüro zu allen Zeiten zu führen und zu gebrauchen gegönnet und erlaubet haben.")
1. Begründer der sächsischen Landespferdezucht:
Er war von 1759 bis 1763 Stallmeister im Torgauer Gestüt Graditz, dem
heutigen Sächsischen Hauptgestüt Graditz, mit dem von D. Pöppelmann 1722 erbauten Schloß (Ansicht von 1995). Danach war er bis 1785 Oberstallmeister in Dresden.
2. Begründer der staatlichen tierärztlichen Ausbildungsstätte in Sachsen:
(Dresden 7.10.1780)
1923 wurde diese Einrichtung zur Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig (Fotoansichten von M. Fürll 1994).
3. Begründer der Lindenauschen Grafenlinie:
Auszug aus dem Gnadenbrief des Kaisers Franz I. zur Erhebung in den
Reichsgrafenstand(8.8.1764):
"Insbesonderheit aber Unser des Reichs lieber getreuer Heinrich Gottlieb
von Lindenau sich von Jugend auf in allen seinen alten und bewährten
Geschlecht anklebenden sonderbaren Tugenden und Wissenschaften
dergestalt geübet und kenntbar gemacht, daß er dermahlen bey des
Churfürstens zu Sachsen Liebd. als Oberstallmeister würcklich angestellet
und verpflichtet zu seyn daß Glück habe. Wobey er weiters
allerunterthänigst vorgestellet, wie daß er den hochansehnlichen
Reichs-Grafen-Stand mit aller Würde und Ansehen zu führen und zu
unterhalten sich nicht nur genügsam im Stande befinde, sondern auch
gegen Uns, das heilige Römische Reich, und das durchleuchtigste
Ertz-Haus Österreich bis in die Grube allergetreu ist zu verharren des
allerunterthänigsten Erbiethens ..." (Thüringisches Landesarchiv Altenburg)

Der Sohn:

Carl Heinrich August Graf von Lindenau
Königlich-Preußischer Oberstallmeister und Generallieutenant
(21.2.1755 - 11.8.1842)
"Sein Grafen-Wappen" (durch ein Johanniter-Kreuz erweitert)

1. Begründer der preußischen Landespferdezucht:
Er war in Preußen 1786/88 Reise-Stallmeister und Vice-Oberstallmeister, danach
bis 1808 Oberstallmeister.
In dieser Dienststellung organisierte er 1788 die Gründung des
Königl.-Preußischen Friedrich-Wilhelm-Gestütes, des heutigen
Brandenburgischen Hauptgestütes Neustadt /Dosse.
Fotoansicht des Landstallmeisterhauses (U. Lutz, 1995), das 1788 von
E. Glasewald erbaut wurde.

2. Begründer der staatlichen tierärztlichen Ausbildungsstätte in Preußen:
(Berlin 1.6.1790)
Von der Gründung bis 1806 war er Generaldirektor dieser Einrichtung und trug
auch die Verantwortung für die dortige vorsorgliche Pflege des Condé, des
alten Leibreitpferdes Friedrichs II., bis zu dessen Tode 1804 mit 38 Jahren.
1934 wurde diese Ausbildungsstätte zur Veterinärmedizinischen Fakultät
der Universität Berlin. Die dargestellte Zootomie ist eines der ersten
Gebäude der damaligen Königlichen Thierarzneischule zu Berlin, das heute
noch von der Berliner Vet. med. Fakultät genutzt wird. Erbaut wurde es von
C.G. Langhans 1789/90. (Gemälde von A. Nieglsjahr, 1797).

3. Als Sachse in Preußen: Offizier, Oberstallmeister und Gutsbesitzer:
Nach Machern besaß er in Preußen nacheinander mit ständigem Neuanfang die
Güter in Glienicke bei Berlin/Potsdam, Büssow bei Friedeberg und Bahrensdorf
bei Beeskow, letzteres 23 Jahre bis zu seinem Tode.
In dem Roman"Morgenlicht der Freiheit" schreibt Paul Müller
aus Friedeberg in der Neumark 1930 über den Grafen und seine Teilnahme
an den Freiheitskriegen als Führer einer Landwehrbrigade und Divisionär der
Neumärkischen Landwehr. Hier zwei kurze Ausschnitte, den
März 1813 betreffend:
"Daheim erzählte ich den Vorfall den Eltern, aber sie konnten sich nicht
ausdenken, was der Graf mit mir beabsichtigte. 'Er spricht anders als wir'
sagte ich zum Vater. 'Man hört's ihm an, daß er Sachse ist', erwiderte er.
'War kurfürstlicher Kavallerie-Offizier und hat dann preußische Dienste
angenommen. Es ist noch nicht lange her, daß er sich hier angekauft hat.'
'Die Büssower Kühe werden ja sehr gerühmt', versetzte die Mutter.' Ja, er hat
aus dem heruntergewirtschafteten Gut einen Musterbetrieb gemacht... Erst
mußte der Sachse kommen und sich als laienhafter Neurer belächeln lassen,
dann sahen unsere Gutsherren ein, daß mit Thaers neuem Verfahren aus dem
Boden viel mehr herauszuholen ist als nach der überlieferten Weise der
Vorfahren."
"Das gab einen fröhlichen Morgengruß, als ich zu der Schar stieß, und der Graf
freute sich, mich als ersten aus der Stadt anzutreffen. Wie ich ihn so dem Zuge
voranreiten sah, adlergleich, herrlich an Wuchs, stattlich und frisch wie ein
Jüngling, obgleich er dem Greisenalter nicht mehr fern, da begriff ich, warum er
Kurfürsten und Königen gefallen hatte, daß sie ihn an ihren Hof zogen, warum
alles Volk an ihm hing und jeder ihm gern gehorchte. Die Oberstenuniform
erinnerte an seine glänzende Vergangenheit, der übergeworfene graue Mantel
und die schwere Reiterpistole gemahnten den ernst der Stunde."
Alle Bilder zusammen mit Unterschriften in: http://home.uni-leipzig.de/mielke/machern3.htm
Machern, 11.2.1996 /Prof.Dr.Heinz Mielke/

Last updatet: 26.2.1997