Die von Carl Graf von Lindenau in Machern geschaffenen Park- und Schloßsehenswürdigkeiten und ihre möglichen Vorbilder an anderen Orten:

8. Das Bauernhaus und Wilhelms Ruh

Das Bauernhaus

Das Bauernhaus wurde 1792 von Ephraim Wolfgang Glasewald im östlichen Teil des Macherner Parkes errichtet (Bilder). Bauherr  Carl Graf von Lindenau  und  Baumeister Glasewald  legten als Vorbild dem Bau wahrscheinlich das Hohenheimer Milchhaus zugrunde, dessen bildliche Darstellung  damals gerade   in Hirschfelds „Theorie der Gartenkunst“ (Leipzig 1779-1785) erschienen war (Bild).


Bauvorbild: Hohenheimer Milchhaus (s. Text).


Bild des Bauernhauses von Lange (1796) mit den 4 Eichen sowie mit Brunnen und Kegelbahn.


Bild des Bauernhauses von E. W. Glasewald (1799) in "Beschreibung des Gartens von Machern...".


Bauernhaus-Foto aus den 1930er Jahren: 1942  wurde es vollständig abgebrochen.

E. W. Glasewald gibt in seinem Buch "Beschreibung des Gartens zu Machern ..."  1799 eine  sentimental-romantische Darstellung dieses Bauernhauses, das er auch  als Schweizerhütte bezeichnete: "Auf dem hervorspringenden Strohdach erhebt sich ein Türmchen mit einer Glocke (s. Schlossturmglocke). Inwendig sind eine einfache Stube und eine Kammer vorhanden, außen eine Ruhebank. Gegenüber stehen vier alte Eichen." Heute, 2008, existieren noch zwei davon (Kastor und Pollux benannt). Sie sind  älter als 300 Jahre. Die eine, Pollux, ist abgestorben. Ihr Stamm wurde über Jahre hinweg von Ameisen ausgehöhlt. 2006 sind die zumeist brüchigen Äste entfernt und um den Stamm herum eine Absperrungssicherung angebracht  worden (Bilder).

        

Diese beiden alten Eichen standen schon vor 1800  am Bauernhaus: Sommer- und Herbstbild 2007.


Die Grundmauern des Bauernhauses wurden  1995 zur Erinnerung freigelegt und eingegrenzt.

 E. W. Glasewald meint 1799 in seinem Buch (s. o.): „Wer Geschmack an stillen ländlichen Szenen findet, wo die Natur in kunstloser Einfalt lacht, und dem unverdorbenen Gefühl desto reizender erscheint, der wird gern bei diesem Häuschen weilen und es unter seine Lieblingsplätze zählen.“

Wilhelms Ruh

Wilhelms Ruh ist eine um 1792  im Sinne einer Parkstaffage künstlich errichtete Ruinenanlage  mit Schießwarte,  Brücke und Aufgang sowie Steinbogentor, Felsenwand und langer Steinbank mit Steintisch davor. Den Namen Wilhelms Ruh erhielt die gerade fertig gestellte Anlage  zu Ehren und Erinnerung an den Preußenkönig Friedrich Wilhelm II., der am 10. Juli 1792 Schloß und Park zu Machern besuchte, das sächsische Besitztum des in seinen Diensten stehenden Königlich-preußischen Oberstallmeisters  Carl Graf von Lindenau.
Ein Vorbild für diese Anlage ist direkt nicht nachgewiesen worden.
In der Gartenkunst der Renaissance gab es aber die „Exedra“, eine Art Plattform an einer Gartenmauer,  von der man einen guten Ausblick ins Land oder in die Stadt hatte. Diese Einrichtung kannten  damals wohl auch die Macherner Gartenschöpfer und setzten sie mit der  Wilhelms Ruh als Staffage in ihrem englischen Garten baulich um.  Man konnte von hieraus seine Blicke  gen Süden auf das damals dort noch vorhandene Wäldchen mit dem Monument  für die Mutter  des Grafen und auf  die Felder und Wiesen bis hin zur  Dresdener Landstraße wie auch auf den nahen Schneckenberg schweifen lassen (s. Lageplan).


Blick von Westen auf  Wilhelms Ruh: Aufgang, Brücke und  Schießwarte der künstlichen Ruinenanlage einer Bastion (v. l. n. r.). Wurde 2002 umfassend restauriert.


Blick von Süden auf Wilhelms Ruh: freier Platz mit Steintisch, der von der künstlichen Ruinenanlage (l.), dem Steinbogentor (M.) und der künstlichen Felsenwand (r.) mit langer, geteilter steinerner Sitzbank in sanfter
Biegung in Form eines Amphitheaters begrenzt wird.

Eine frühe Bildwiedergabe  dieser Parkstaffage stammt von  Senff und
Klinsky. Sie wurde von Bauarchitekt E. W. Glasewald  1799 in "Beschreibung des Gartens von Machern...“ veröffentlicht (Bild u.). Der am Steintisch Sitzende schaut darauf genauso wie der auf der Schießwarte Stehende  in die Ferne ganz  im Sinn des Nutzungszweckes einer „Exedra“.


Wilhelms Ruh  (Stich von 1799) (s. Text).

In der Neuzeit erfreute und erfreut sich die Wilhelms Ruh besonders bei Kindern als Abenteuerkletteranlage einer gewissen Beliebtheit. Zu DDR-Zeiten nannte man das Steinbogentor und  mit ihm die ganze Anlage wegen der  dort angepflanzten Rosenstöcke auch Rosentor. Olga Dirschke, einst Gärtnerin in der Macherner Teeplantage des Leipziger Arzneimittelwerkes (LAW), erntete am Rosentor immer die giftigen Blätter des dort auch heute noch in Fülle wachsenden Giftsumachs (Rhus toxicodendron), die dann  im LAW der Herstellung von  pharmazeutischen Präparaten dienten.


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Machern, 10. 02. 2008/Prof. Dr. Heinz Mielke