Die von Carl Graf von Lindenau in Machern geschaffenen Park- und Schloßsehenswürdigkeiten und ihre möglichen Vorbilder an anderen Orten:

 7. Der Schießsalon mit Schießwand und Zielerhaus

Einleitung

1792 wurden Arbeiten am Schlossturm in Machern durchgeführt und dabei die Wetterfahne mit einer weiteren Inschrift, nämlich mit „C. H. A. v. L. 1792“  , den Initialen von  Carl Heinrich August von Lindenau, versehen. Im Knopf  war ein aktuelles Schriftstück über die Parkgeschichte deponiert worden, dass bei der Öffnung  nach dem Turmhaubenabriss 1948 zugängig geworden war. Es wurde  am 11. 11. 1988  zusammen mit anderen, jetzt aktuellen Schriftstücken und  gültigen Münzen wieder feierlich  im Knopf der restaurierten Schlossturmhaube verschlossen. Aus diesem Knopf-Original von 1792 geht hervor, dass in den Jahren von 1782 bis 1785 in der sogenannten Plantage am östlichen Ufer des Schwemmteiches, auch englische Anlage genannt, die ersten Anpflanzungen meist ausländischer Pflanzen und Hölzer begannen und der Schneckenberg und das Wäldchen mit dem Monument für die Mutter sowie das Käuzchenbad in der Hölle  angelegt wurden. Bestimmt gehörte auch der Schießsalon sowie der Schildkrötenteich dazu (s. „Der Park zu Machern“ 1956 von Joachim Bergmann).
1780 ist Carl Graf von Lindenau 25 Jahre alt. Er quittierte auf  Wunsch des Vaters, des kurfürstlich-sächsischen Oberstallmeisters und Besitzers des Macherner Rittergutes Heinrich Gottlieb von Lindenau, den sächsischen Militärdienst und wurde kurfürstlich-sächsischer Kammerjunker. Er  heiratete Christiane Hennriette von Arnim in Annaburg und lebte mit ihr in Machern und nimmt Einfluss auf  Rittergut und Park. Auch in Leipzig verbrachte er öfter seine Zeit, wo der Vater durch die Heirat seiner Mutter  Mitbesitzer vom Auerbachs Hof war.  Die Leipziger Eindrücke dürften beim jungen Grafen vielseitig gewesen  sein, sodass nicht nur der Schneckenberg und die gotische Brücke  für die in Angriff genommene Parkgestaltung in Machern hier ihre Vorbilder fanden sondern auch die Schießanlage.
 

Gewesene Sehenswürdigkeiten in Machern

Schießsalon mit Schießwand und Zielerhaus

Zum Schießsalon gehörten noch die Zielmauer, auch als Schießwand bezeichnet, und das Zielerhaus mit der Statue des heiligen Antonius. Es diente während des Schießens als Sicherheitsunterschlupf für den Zieler, der das Schussergebnis zu melden hatte. Die drei Bauten existieren heute als solche nicht mehr. Über das , was von ihnen als Erinnerung geblieben ist oder davon nachgestaltet wurde, wird nachfolgend berichtet.
Von den beiden letztgenannten Bauten existieren heute nur noch die folgenden bildlichen und nachgestalteten Erinnerungen:


Schießwand (r.) und Zielerhaus (l.) in Machern (1792)

Das Bild stammt von Klinsky als Zeichner und Darnstedt als Kupferstecher aus dem Jahre 1792 und wurde 1799 von Glasewald veröffentlicht. Es zeigt links das Zielerhaus und rechts die Schießwand oder Zielmauer als künstliche Ruine einer gotischen Kirchenwand, wobei die davor stehende Zielscheibe zum Vergleich mit dem Bild vom Peter-Schießgraben von 1775 (s. u.) beachtenswert ist. Dort sind Schießstand mit Schützen, Schießwand mit Zielscheibe, Zielerhaus und signalisierender Zieler zu erkennen. 1998 wurde symbolisch an alter Stelle eine neue Schießwand (Bild u. l.) errichtet (LVZ/Muldenspiegel 14.12.1998), die aber ihr Aussehen  durch Beschädigung schon verändert hat (Bilder u.).

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                                                  Neue Schießwand von 1998 (unbeschädigt)      Die neue Schießwand 2007 (beschädigt)
(Fotos: H. Mielke)

Der Macherner Willi Schmidt (1913-2000) hatte in seinem Nachlass ein Foto vom Schießsalon, das wahrscheinlich aus den 1930er Jahren stammt. Da wurde der Salon in Macherner Schriften (Beyreuther 1938 und Gartenstadt Machern GmbH 1933) als Schießhaus bezeichnet, wie es Glasewald  1799 in einer Erstbeschreibung tat  und  folgende Beschreibung gab: "...eine alte Hütte. Sie hat die Form eines irregulairen Achtecks, und ruht auf Säulen von natürlichen Baumstämmen. Ihre Wände und ihr pyramidalisches Dach sind mit Baumrinde bekleidet. Sie hat drey Eingänge. Vor dem einen nach der Wiese hin findet sich ein hervorspringendes Dach, das auf zwey Baumstämmen ruht. Der Fußboden ist mit Steinpltten belegt. Sie dient zum Schießhause, weswegen sie auch offene Fenster und Türen hat."


Das  Schießhaus in den 1930er Jahren (Foto: Willi Schmidt)


Die Platzkennzeichnung des ehemaligen Schießsalons mit Schießrichtungspfeil auf die neue Schießwand
(Foto: Heinz Mielke)


Mögliches Vorbild

Peter-Schießgraben in Leipzig


 (Kupferstich 1775, Stadtgeschichtl. Museum Leipzig)

Der Peter-Schießgraben am Petersteinweg in Leipzig könnte das mögliche Rahmenvorbild für die Schießanlage in Machern gewesen sein (Bild von 1775). Heute scheint es als sehr ungewöhnlich, wenn man ließt, dass  vor ca. 210 Jahren in der Ruhe der englischen Gartenanlage  von Machern, also in einem sentimental-romantischen Park, mit Vorderladern „geballert“ wurde. Vorderlader waren damals die modernen Steinschlossgewehre, auf deren Pfanne das Zündkraut durch Funken von der Metallklappe bei der  Feuersteinreibung (wie beim Feuerzeug) entflammt wird, nachdem  der Abzug den Auslösemechanismus mit Öffnung der Pfanne freigibt. Durch das Zündloch gelangt die Flamme im Lauf des Gewehres zum Treibpulver (Schwarzpulver), dessen Zündung eine Explosion auslöst: die Kugel wird mit lautem Knall abgefeuert (Bilder u.).

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Französisches (l.) und sächsisches (r.) Steinschlossgewehr (Kulturgeschichtliches Museum Wurzen); Erläuterungen zum Steinschloss und zur Ladung im Lauf (erweitert aus Wikipedia)

Wie viele Schüsse auf die Schießwand abgegeben wurden, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass Anfang 1945 kurz  vor Ende des 2. Weltkrieges bei unsinnigen Volksturmübungen, es waren auch Jugendliche dabei, der Abschuss einer auf die Schießwand gerichteten Panzerfaust diese vollkommen zertrümmerte.

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Machern, 30. 11. 2007/Prof. Dr. Heinz Mielke  
Last updated: 22. 03. 2010