Interessante technische Durchgangsobjekte in Machern

5. Hackfruchtaufbereitungsanlage der ehemaligen LPG Pflanzenproduktion am Nepperwitzer Weg

"Gemüse und Kartoffeln kamen vom Feld oder vom Vorratslager und gingen verarbeitet in die Konserve oder zur Kühlung!"

Um 1960 baute die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Machern am Nepperwitzer Weg für ihre Milchproduktion einen 100er-Kuhstall. In den folgenden Jahren bildeten sich durch die Weiterentwicklung der genossenschaftlichen Produktion in der Landwirtschaft der DDR getrennte Betriebe für die Pflanzenproduktion und für die Tierproduktion heraus.  Im Raum Machern waren das die LPG Pflanzenproduktion Machern und die LPGen Tierproduktion  Bennewitz, Püchau und Brandis. Diese Entwicklung war verbunden mit der Übergabe der Macherner Tierbestände (Rinder und Schafe) an die LPG Tierproduktion: Die Kühe des 100er- Kuhstalls der LPG Pflanzenproduktion Machern kamen in die 1000er-Milchviehanlage der LPG Tierproduktion Bennewitz nach Grubnitz, die Macherner Schafe in die LPG Tierproduktion Brandis nach Polenz.
Der nun leere Kuhstall am Nepperwitzer Weg diente bald als Grundlage zur bautechnischen Entwicklung einer modern technisierten Hackfruchtaufbereitungsanlage, mit der von der LPG Pflanzenproduktion durch maschinelle Bearbeitung von ausgewählten  Feldfrüchten ein höheres Einkommen der LPG-Mitglieder erzielt und im näheren und weiteren Umfeld ein Beitrag zur besseren Versorgung  der Bevölkerung mit Gemüse zu leisten war.
Nach der Wende hat diese Anlage 1990 ihre Arbeit eingestellt. Besitzer des Grundes und Bodens wurde die Machern Landwirtschaft GmbH & Co. KG Grubnitz, die einen Teil an die Gerichshainer Bau- und Wohnungsgenossenschaft  (GWB) verkauft hat.  Gegenwärtig ist dieser Teil an die  Macherner Bau- und Elektrogesellschaft mbH (MBE) vermietet, die die drei dazugehörigen Gebäude (1-3) saniert und ausgebaut hat und den großen vorderen Hof (4) nutzt. Vor den Garagen (3) stand zuvor das Heizhaus mit hoher Esse. Die Zahlen beziehen sich auf die  entsprechenden Kennzeichnungen auf den beiden Bildern.    


Südwest-Anblick der ehemaligen Hackfruchtaufbereitungsanlage der LPG Pflanzenproduktion Machern (Vorderhofseite) mit den 3 sanierten und ausgebauten  (weißen) Gebäuden des heutigen Mieters, der MBE, und rechts mit der großen belüftbaren Lagerhalle des heutigen Besitzers des Anlagengebietes, der Machern Landwirtschaft GmbH & Co. KG Grubnitz. (Aufnahmen vom 10. 7. 2010).

Die Macherner Hackfruchtaufbereitungsanlage (oft kurz "Die Möhre" genannt) verarbeitete in den 1980er Jahren jährlich etwa 1000 t Möhren, 250 t Rote Rüben und 150 t Sellerie. Dabei wurden diese Feldfrüchte maschinell gewaschen, geschält und , wenn notwendig, per Hand nachgesäubert. Manchmal wurden die bearbeiteten Früchte auch vorkonserviert (beim Sellerie zum Erhalt der natürlichen weißen Farbe). Die so aufbereiteten Endprodukte gingen dann an die jeweilige Konservenindustrie.

Eine andere Verarbeitungsstrecke war die Herstellung von abgepackter Kloßmasse aus rohen Kartoffeln. Hierzu wurden jährlich etwa 1000 t Kartoffeln verarbeitet, also gewaschen, geschält, entschwefelt, gerieben, leicht gepresst und abgepackt. Zum Abpacken stand eine Maschine aus der Butterherstellungsindustrie zur Verfügung, mit der die Kloßmasse zu "Stücken" von 250 g abgepackt wurde. Da eine Kühleinrichtung zur Hartfrostung  für Machern nicht genehmigt wurde, war es unumgänglich, die Tagesproduktion an abgepackter Kloßmasse jeweils immer schnell in freie Kühlzellen nach Leipzig zu schaffen. Diese "Original Macherner Kloßmasse" wurde gern gekauft: die daraus gefertigten Klöße schmeckten gut, Kartoffelpuffer noch besser.
Für die Kühleinrichtung zur Hartfrostung war das Gebäude (2) vorgesehen. Als das nicht möglich wurde, richtete die LPG dort eine Chicoree-Treiberei auf Nährlösung ein und produzierte und verkaufte erfolgreich Chicoree.

Im Sommer waren in der Hackfruchtaufbereitungsanlage ständig etwa 25 Personen, im Winter sogar 50 Personen beschäftigt, die ihrer Arbeit in geheizten Räumen nachgehen konnten, was in der Landwirtschaft nicht die Regel war.


Südost-Anblick der ehemaligen Hackfruchtaufbereitungsanlage der LPG Pflanzenproduktion Machern (Hinterhofseite) mit den sanierten und umgebauten Gebäuden der MBE: die frühere Hackfruchtannahmehalle (1) und die frühere Chicoree-Treiberei (2). Die weiteren Gebäude sind heute vermietet an die Heinichen-Bau-Engineering GmbH Machern und betreffen die frühere Hackfruchtwäsche (5) und die Schälanlage (6).Weiterhin zu sehen sind die Gebäude der früheren Weiterverarbeitung (7), der Sozialtrakt (8) und das Schmutzwasserbecken (9). Heute sind (7) und (8) Pflanzenschutzmittellager.


        

Zur Vorratslagerung gehörten 3 Großsilos mit Unterflurbelüftung. Zwei sind im linken Bild mit unterschiedlichen Belüftungsvorrichtungen zu sehen. Auch die große zwangsbelüftete Lagerhalle (rechtes Bild) stand zu Vorratslagerung zur Verfügung.


Dank für Informationen an Lutz Eilenberg, Friedrich Werner, Hartmut Schmidt, Bernd Eichhorst und Lothar Leynau.

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Weitere Durchgangsobjekte in Machern: Hochbehälter und Funkturm sowie Fernmelde-Übertragungsstelle und Museum im Stasi-Bunker


Machern, 15. 08. 2010/Prof. Dr. Heinz Mielke