Interessante technische Durchgangsobjekte in Machern

3. Die Übertragungsstelle des Leipziger Fernmeldeamtes im Tresenwald

"Elektrische Wellen kamen und gingen per Kabel!"

Von 1970 bis 1976 wurde von der Deutschen Post für das Fernmeldeamt Leipzig am südlichen Rand des Tresenwaldes bei Gerichshain ein großer Gebäudekomplex erbaut. Beteiligt daran waren Baufirmen des Bezirkes Leipzig. Das Baugeschäft Lochasz aus Gerichshain führte kleinvolumige Aufträge wie z. B.  den Zaunbau aus. Der Gebäudekomplex besteht aus einem Haupt- und einem Geragenhaus und fungierte als Fernmelde-Übertragungsstelle, bei der Günther Zschiesche aus Gerichshain  bis 1990 in der Abteilung Haustechnik 15 Jahre als Hausmeister tätig gewesen war. Die Deutsche  Post beschäftigte  dort etwa 20 Angestellte. Die  Abteilung  Übertragungstechnik  war ständig mit 2 Personen besetzt und arbeitete im Dreischichtsystem. Da die Einrichtung als Übertragungsstelle 2 fungierte (s. u.), bestand der notwendiger Schutz in ihrer Lage außerhalb eines Ortes, in der Geländeumzäunung  (ohne Einsatz von elektrischem Strom), in einer Volkspolizei-Wache mit 2 Wachhunden und in einer Kellerdecke des Haupthauses mit Trümmerschutz. Zu der Einrichtung gehörte zusäzlich in einem heute nicht mehr existenten Bungalow am Gothaer Weg im nördlichen Teil des Tresenwaldes noch eine "kleine Schaltstelle", deren Funktion nicht bekannt ist, die aber nicht zu verwechseln ist mit der dortigen, zum Stasi-Bunker gehörenden "abgesetzten Sendestelle",  zu der neben einem Röhrenbunker noch zwei Bungalows gehörten, alles getarnt als Ferienobjekt des Rates des Bezirkes Leipzig.

Die Übertragungsstelle im Tresenwald: Haupthaus


Altes Firmenschild am Eingangstor zur Übertragungsstelle

Nach Angaben im Internet dürfte der Bau dieser Leipziger Übertragungsstelle im Tresenwald mit Beschlüssen des Nationalen Verteidigungsrates (NVR) der DDR aus den 1960er und 1970er Jahren zur Nachrichtenversorgung auf dem Gebiet der DDR zusammenhängen, wonach operative Haupttrassen im Fernmeldenetz der DDR mit 15 neuen Übertragungsstellen bis 1985 zu bauen waren.  Dabei sollten mehr und mehr geschützte Übertragungsstellen am Rand oder außerhalb von Ortschaften eingerichtet werden, je nach der Finanzlage in einem Bunker oder in einem geschützten, mit Trümmerschutzdecke und anderem versehenen Keller eines Postdienstgebäudes. Letzteres betraf die große Einrichtung im Tresenwald als Übertragungsstelle 2,die also nicht allein postalische, sondern auch militärische Bedeutung im Stütznachrichtennetz der Landesverteidigung hatte. Alle Mitarbeiter einer Übertragungsstelle 2 waren Zivilangestellte der Deutschen Post, so auch die in der im Tresenwald.
Die Übertragungsstelle im Tresenwald  hat nach ihrer Übernahme 1989/90 durch die Bundespost ihren Betrieb 2002 eingestellt. Die Immobilien  dieser Einrichtung gehörten der Deutschen Telekom Immobilien und Service GmbH, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG, die sie 2007 an einen privaten Investor aus dem Leipziger Stadtbaubereich verkauft hat. Gegenwärtig gibt es für sie keine bekannt gewordenen  Nutzungsvorhaben.


Machern, 15. 08 . 2010 /Prof. Dr. Heinz Mielke




Interessante technische Durchgangsobjekte in Machern

4.  Das Museum im Stasi-Bunker an den Lübschützer Teichen

„Besucher kommen neugierig und gehen erfahren!“


In den Jahren 1968 bis 1972 wurde im Naherholungsgebiet Lübschützer Teiche die Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung Leipzig des Ministeriums für  Staatssicherheit (MfS) als ein streng geheimes und geschütztes Objekt gebaut, und zwar als getarnte Bunkeranlage. Auf dem Objektgelände standen die Legendierungshalle als Tarnhalle für den Bunkerein- und –ausgang (Bild), das Wohnhaus des Bunkerkommandanten am Zugangsweg und 3 Bungalows. Alles  getarnt  als Ferienanlage des VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Leipzig.


Die Legendierungshalle als getarnter Zugang zum Bunker, der unterirdisch in 6 m Tiefe vor dieser Halle bis  zu dem im Bild vorn sichtbaren Luftzuführungsrohr reicht (s. Hinweistafel  Bild u.).


Hinweistafel auf dem Gelände des Museums im Stasi-Bunker. Das schräg gestreifte Feld kennzeichnet die unterirdische Bunkerfläche
bis zur  Legendierungshalle (schwarz).

Vor dem Hintergrund der damals entstandenen Möglichkeit eines heißen Konfliktes zwischen den westlichen und östlichen Militärblöcken  wurden von beiden  Seiten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die auch beiderseitige Bunkerbauten  einschlossen. Die genannte Ausweichführungsstelle an den Lübschützer Teichen war im Spannungs- und Mobilmachungsfeld nicht nur als Schutz- sondern auch als Führungsbunker vorgesehen. Sie wurde bis zum Ende der DDR stets einsatzfähig gehalten, jedoch nie „richtig“ genutzt. Sie war befähigt, 100-120 Personen eine Zeitlang autark zur operativen Arbeit aufzunehmen, vom Funker bis zum Offizier, wie Tobias Hollitzer im „Kreuzer“ Nr. 9/2000 ausführt. Ständig vor Ort waren im Range eines Majors der Bunkerkommandant und sein Stellvertreter sowie eine Gruppe von etwa 6 Wachsoldaten des MfS und einige Wachhunde.
Im Tresenwald in der Nähe der großen Wiese befand sich in etwa 3 km Entfernung vom Bunker  der Ausweichführungsstelle des MfS an den Lübschützer Teichen die „abgesetzte Sendestelle“.  Sie war  in einem röhrenförmigen kleineren Bunkertyp FB 3 untergebracht und wurde über Kabel von der Ausweichführungsstelle fernbedient (s. Hinweistafel Bild o.).
Zur Tarnung gehörten dort noch zwei Bungalows, die ablenkend als Ferienobjekte des Rates des Bezirkes Leipzig ausgewiesen waren. Aufgabe der „abgesetzten Sendestelle“ war die Verhinderung der Ortsentdeckung des Bunkers an den Lübschützer Teichen etwa durch feindliches Anpeilen, wenn von dort gesendet  würde. Die Anlagen im Tresenwald wurden schon 1989/1990 zerstört und  sind nicht mehr existend.
Dem Bürgerkomitee  Leipzig e.V. kommt der Verdienst zu und dabei besonders dem verstorbenen Pfarrer Gottfried Süß aus Machern, diesen Stasi-Bunker 1990 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Seit  September 1996 gibt es das „Museum im Stasi-Bunker“ , das  zur Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig gehört. Leiter der Gedenkstätte ist Tobias Hollitzer, Träger ist das genannte Bürgerkomitee. Das Gesamtgelände des Museums im Stasi-Bunker an den Lübschützer Teichen umfasst  5,2 ha und ist denkmalgeschützt. Jedes letzte Wochenende im Monat, Samstag und Sonntag,  ist es von 13.00 bis 16.00 für Besucher geöffnet.

Der Stasi-Bunker Machern im Internet:
-www.runde-ecke-leipzig.de/cms/Stasi-Bunker.253.0.html,
-www.lostplaces.de/stasi-bunker-machern.html  (mit mehreren Bunker-Bildern).

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Weitere Durchgangsobjekte in Machern: Hochbehälter und Funkturm sowie Hackfruchtaufbereitungsanlage



Machern, 15. 08 . 2010 /Prof. Dr. Heinz Mielke