Interessante technische Durchgangsobjekte in Machern
 1. Der Hochbehälter der KWL am Sorgenberg

"Trinkwasser kommt und geht in Rohrleitungen!"

Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig GmbH (KWL) sind die Betreiber der Wasserwerke Canitz und Thallwitz, von wo aus die Stadt Leipzig mit Trinkwasser versorgt wird. Die Einrichtungen wurden in  Canitz 1912 und  in Thallwitz 1943 östlich der Mulde in Betrieb genommen. Das Trinkwasser wird dort mit Hilfe von Brunnenanlagen aus dem Erdreich gewonnen und in 2 Druckleitungen mittels  einer extra dafür errichteten Brücke über die Mulde bis zum Hochbehälter am Sorgenberg in Machern gepumpt. Dieser Hochbehälter war früher der Messbehälter, rund gemauert, 9 m im Durchmesser und 5-6 m tief in der Erde.  Eine erdbeschichtete Betondecke mit einer Tür verschloss ihn. Dahinein plätscherte das Wasser, an dem sich oft Macherner Kinder durch Horchen an der Tür erfreuten. Das Wasser wurde gemessen und floss im Gefälle eines gemauerten Kanals in Richtung Gerichshain bergab und von dort weiter  in Leitungsrohren bis zur Leipziger Wasserversorgungsanlage Probstheida. Anfang der 1960er Jahre erfolgte durch die Macherner Baufirma Heinz Kummer der Umbau des Messbehälters in eine  einfache Behälteranlage mit geschlossenem Rohrsystem, ohne Messfunktion und ohne freies plätscherndes Wasser (Bilder).


Hochbehälter Machern der KWL

Ihrer Höhenlage geschuldet, wird sie Hochbehälter Machern genannt, in den die beiden einkommenden Druckleitungen ihr Wasser durch ein Druckausgleichssystem in dem ausgehenden, neu eingerichteten Abflussrohr vereinen (Bild).


Unterirdischer Teil: Rohrraum

Den oberirdischen Abschluss dieses bis zu 6 Meter tief in der Erde liegenden Rohrraumes bildet der tragfähige Stahlgitterboden des bedachten Ziegelrundbaues (Bild):


Oberirdischer Teil mit Stahlgitterboden und Treppenabgang



Machern, 14. 07. 2010/Prof. Dr. Heinz Mielke



Interessante technische Durchgangsobjekte in Machern
2.  Der Funkturm der Telekom auf dem Sorgenberg

"Elektrische Wellen kommen und gehen drahtlos!"

Der Funkturm auf dem Sorgenberg in Machern  wurde Anfang der 1960er Jahre vom Kreisbaubetrieb Wurzen für die Deutsche Post errichtet. Klaus Blank, aus Machern stammend, war dabei. Er absolvierte in dieser Zeit  dort eine Lehre zum Betonfacharbeiter. Baustellenleiter war Willy Kunath. Der Funkturm wurde für den verbesserten drahtlosen Fernmeldeverkehr mit Funk- und Richtfunkeinrichtungen auf  den verschiedensten Ebenen benötig und unterlag allseits strengen Schutzmaßnahmen (Bewachung durch Kräfte des Volkspolizei-Kreisamtes Wurzen, doppelte Umzäunung, davon der innere Zaun unter Strom stehend, Sperrung für allgemeinen Personenverkehr).


Funkturm Machern auf dem Sorgenberg (Südseite): Höhe des Turmgebäudes 26 m, Berghöhe 171 m.

Über die Personalbesetzung des Turmes zu DDR-Zeiten sind keine Angaben bekannt. Bekannt ist, dass sich in den 1980er Jahren die umliegenden Feuerwehren einmal jährlich zu einer Hauptübung am Turm einfanden.  Bei abgeschaltetem Elektrozaun wurde unter Aufsicht der Löschwassertransport bis zum Turm geübt. In den Turm selbst kamen nur die Wehrleiter hinein, so auch der Wehrleiter von Machern Herbert Junge, zur Standortbesichtigung gewisser ausgewählter Objekte, wie es die beiden großen Notstrom-Diesel-Aggregate waren. Später wurden diese  durch Batterien in einem Batterieraum ersetzt. Unter ähnlichen Sicherheitsbedingungen führten Mitarbeiter der Macherner Baufirma Heinz Kummer um 1979 Kanalisations- und andere Arbeiten auf dem Gelände des Funkturmes aus.

Im Internet erfährt man von ähnlich gebauten Funktürmen in Hartha, Puschwitz, Hohenstein-Ernstthal und Dresden-Gorbitz, die alle zu dem Netz von Fernmeldetürmen der DDR gehörten wie der in Machern. Über die dort installierten Richtfunkstrecken hatten verantwortliche Staats- und Parteileitungsorgane einen direkten Draht nach Berlin und untereinander.

Die meisten Funktürme sind noch im Betrieb und heute mit moderner Funktechnik aus dem Behördenumfeld und mit den D-Netzen  zur digitalen Übertragung von Funktelefonaten ausgestattet (Telekom, Vodafone u. a.) So auch der von 1993 bis 1994 von der Telekom renovierte Funkturm in Machern, der heute vollautomatisch und ohne ständig anwesendes Bedien- und Wachpersonal  arbeitet sowie durch verschlossene Türen und  Zäune u. a. gut gesichert ist. Viele seiner Räume sind leer, auch die schon früher am Turm als Anlieger installierten Raumerweiterungsmodule (Bild u.).  Nur einige wenige  Räume im Turm werden von funktechnischen Einrichtungen belegt.


Der Funkturm Machern mit den Raumerweiterungsmodulen und der doppelten Umzäunung (Nordseite)

Verwalter des Turmes ist seit 2008 die Strabak, ein österreichischer Baukonzern, der ihn, wie auch weitere Immobilien, von der Deutschen TelekomImmobilien und Service GmbH (DeTelmmobilie) erworben hat. Wer den Funkturm in Machern gegenwärtig aber als Funknetzbetreiber (Mobil- oder Richtfunk) nutzt, ist der Öffentlichkeit nicht bekannt. Die Verteilung liegt im vertrauensvollen Aufgabenbereich der Deutschen Funkturm GmbH, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG, die sie plant, realisiert und vermarktet.

------------------------
Weitere Durchgangsobjekte in Machern: Fernmelde-Übertragungsstelle und Museum im Stasi-Bunker sowie Hackfruchtaufbereitungsanlage



Machern, 14. 07. 2010/Prof. Dr. Heinz Mielke