Die Schullandschaft von Machern im Wandel der Zeit
Teil 4: Vierklassige Grundschule und sechsklassige Mittelschule  1990-2006

Seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten (BRD und DDR) am 3. Oktober 1990 gilt auch in den neuen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in Ost-Berlin das Grundgesetz der BRD. Darin wird im Artikel 7 zur Schule als einziges Fach auf die Religion verwiesen, die in öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach ist. Erziehungsberechtigte haben das Recht, über die Teilnahme ihres Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen. Das war für die neuen BRD-Bürger genauso so neu wie die durch denselben Artikel des Grundgesetzes gewährte Zulassung von Privatschulen (s. Teil 6). Beide Dinge wurden nämlich seit 1946 auf dem Boden ihrer ehemaligen DDR, d. h. auf dem Boden der  jetzigen neuen Bundesländer gesetzlich nicht erlaubt.

Bei der Transformierung der Schulbildung nach der Wiedervereinigung 1990 fanden in Machern in den ersten beiden Jahren keine großen Veränderungen hinsichtlich der nach dem POS-Systen weitergeführten Schulausbildung statt: Zum  Schulleiter wurde Wolfgang Lindner ernannt. Die Lehrerschaft befragte man nach eventueller Stasitägkeit. Zwei Mitarbeiter schieden aus. Die Wehrerziehung in der 9. und 10. Klasse wurde storniert. SED- und FDJ-Einflüsse wurden unterbunden.

Ab dem Schuljahr 1992/93 gab es in Machern dann eine vierklassige Grundschule mit den Klassenstufen 1-4 und eine sechsklassige Mittelschule mit den Klassenstufen 5-10. Beide waren im großen Schulgebäude in der Goethestraße zusammen mit dem Schulhort untergebracht. Die Klassen 1-4  der Püchauer Schule gehörten als Außenstelle bis 2005 zur Grundschule Machern. Danach wurde in Püchau eine private Schule, eine Schule in freier Trägerschaft, gebildet. Höhere Klassenstufen gab es in Püchau schon seit 1979 nicht mehr. Der neue Schulunterricht in Machern sollte mit BRD-konformen Ausbildungsprinzipien schnell Eingang finden, die aber durch die dezentrale Verantwortung und Leitung der Schulbildung in  den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sein konnten. Eine
daraus resultierende Namensvielfalt für Schulen ist auch heute noch ein BRD-Problem (s. LVZ 23. 6. 2010, Kommentar von André Böhmer "Dicke Bretter in der Bildungspolitik").
In Sachsen und in weiteren 4 neuen Bundesländern wurde damals das zweigliedrige Schulsystem eingeführt, bei dem nach der Grundschule als Glieder entweder die Mittelschule oder Gymnasium folgen. Dabei obliegt der Mittelschule die Hinführung der Schüler zu einem Hauptschul- (9-Klassen-) oder Realschul- (10-Klassen-) Abschluss bei einem Entscheid in der 6. Klasse zum einzuschlagenden Bildungsgang.
 Beim dreigliedrigen Schulsystem gibt es dagegen die in Haupt- und Realschule institutionell getrennte Ausbildung mit entsprechendem Bildungsentscheid für die Schüler in der 4. Klasse der Grundschule und den jeweiligen Abschlüssen nach der 9. bzw. 10. Klasse.
In einem am 25./26. 6. 2011 in der LVZ abgedruckten Interview mit dem ehemaligen sächsischen Kultusminister Roland Möller heißt es:   
 "Unter dem Dach der Mittelschule haben wir von Anfang an Haupt- und Realschule zusammengefasst und diese Schulform demografie-fest gemacht. Sie ist aber gleichzeitig auch leistungsfähig und chancengerecht. Es gibt Respekt und Achtung vor den sächsischen Leistungen, die auch Verdienst von Lehrern, Eltern und Schülern sind."

Mittelschule

In Machern wurde die anfangs positive Entwicklung der neuen Schullandschaft ab 2000 leider demografisch durch verringerte Schülerzahlen, aber auch durch das neue  wirksame Schulwahlsystem mit vermehrten Übergängen zum  Gymnasium und zur  Mittelschule an anderen Orten stark mindernd beeinflusst.  2001 war im Gemeindeblatt Machern Nr.77 ausgehend von  einer Beratung der Elternsprecherin der Mittelschule (Weinrich),  der Interessengruppe Mittelschule (Schulleiterin Schulz) und des Bürgermeisters (Ziermaier) der optimistische Aufruf veröffentlicht : "Macherner - gebt  eurer Mittelschule einen Namen. Die Mittelschule Machern ist ein Stück Macherner Identität, darum sollte uns allen ihre Attraktivität besonders am Herzen liegen."

Doch dieser Aufruf löste keine vorwärts weisende Aktivitäten aus. Schon ab 2002 konnte die Macherner Mittelschule nicht mehr ausreichend mit Schülern für die Klassenstufe 5 bedient werden. Das spürte die Gemeinde auch am damit verbundenen Mitwirkungsentzug bei der Vergütung der Lehrkräfte der Schule durch das Sächsische Kultusministerium. Die Probleme verstärkten  sich weiter. Am 2. Februar 2004 beschloss der Gemeinderat Machern als staatlicher Träger der Mittelschule schweren Herzens die gleitende Aufhebung dieser Schule zum 31. Juli 2006, und zwar mit folgender Weiterbeschulung der vorerst noch verbleibenden Klassenstufen:  2003/2004: 7-10;  2004/2005: 8-10;  2005/2006: 9-10; 10 schließt ab, 9 wechselt als 10 an die Mittelschule Brandis im nächsten Schuljahr.

Die Mittelschule Machern existierte von 1992 bis 2006. Ihre Schulleiter waren  Wolfgang Lindner von 1990 bis 1996,  Andreas Hartmann amtierend von 1996 bis 1998 und Martina Schulz von 1998 bis 2006. Zum Lehrerkollegium gehörten 1992  28 Lehrerinnen und Lehrer, 2005 nur noch 14. Anfangs betrug die Schüerzahl der sechsklassigen Einrichtung ca. 400 Schüler, die sich aber kontinuierlich verringerte und 1999 ca. 320 Schüler und 2006 nur noch ca. 100 Schüler betrug.
Ilona Jentzsch und Hans-Peter Herzberg, zwei ehemalige Lehrer an der Schule in
Machern, berichten in ihrem Büchlein : "20 Jahre Schule Machern: 1979 - 1999 Momentaufnahmen." in Schrift und mit Bildern  aus der Macherner Schulgeschichte. Interessant sind darin die  Erinnerungsfotos  der 14 Klassen der Mittelschule des Schuljahres 1998/1999 mit ihren Klassenlehrern und den angefügten Gruppen-Selbstbewertungen. Das Schülerbild der Klasse 10a (s. u.) stammt aus diesem Buch (leider in sehr schlechter Qualität).


1999: 25 Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a mit ihrer Klassenlehrerin Frau Kusch (2. Reihe r.)

Folgende Unterrichtsfächer standen in der Mittelschule Machern auf dem Lehrplan:

        Unterrichtsfächer der Klassenstufen 5-10 der sechsklassigen Mittelschule       
  

Deutsch                         (5-10)

Mathematik                    (5-10)

Geschichte                    (5-10)

Gemeinschaftskunde      (5-10)

Religion/Ethik                (5-10)

Biologie                   (5-10)    

Chemie                    (8-10)   

Physik                     (7-10)  

Geographie              (5-10)   

Haushalt/Technik      (7-10)

Informatik            (7-10)

Englisch               (5-10)

Kunst                   (5-10)

Musik                   (5-10)  

Sport                    (5-10)


Anstelle von Religion besteht die Pflicht, an Ethik teilzunehmen. Zu mehreren Unterrichtsfächern können wahlobligatorische Neigungskurse durchgeführt werden, ausgerichtet  auf Naturwissenschaft, Technik, Sprachen, Kunst oder soziales Handeln. Eine zweite Fremdsprache konnte als Wahlfach erlernt werden. Auch Vertiefungskurse in der 10. Klasse sind möglich. Der Sportunterricht fand auf dem Sportplatz neben der Schule  oder in der alten Turnhalle (Orangerie) und ab 1998 im neu erbauten Sportpark Tresenwald statt.
Das Leben an der Mittelschule in Machern wurde durch Schulfeste, Klassenfahrten, Sportveranstaltungen und durch die Tätigkeit des Schulclubs  vielfältig und interessant gestaltet. Dabei spielten auch die Schüler- und Elternsprecher der Klassen und die Elterratssprecher der Schule eine vermittelnde und helfende Rolle.

Grundschule

Margrit Elschner ist die Schulleiterin der Grundschule Machern seit Beginn von 1992 an bis heute. Das Lehrerkollegium umfasst 12 Lehrerrinnen. Die Schülerzahl beträgt ca. 160. Es gab bis 2005 die Außenstelle der Grundschule im Macherner Ortsteil Püchau  mit ca. 120 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 1 - 4.  Aus dieser Einrichtung ist 2005 eine Schule in freier Trägerschaft gebildet worden. Ihr Träger ist das Bildungszentrum Püchau e. V..  Weitere Darstellungen über die Grundschule Machern, die seit 2009 Grundschule am Schlosspark heißt, sind im Teil 5 und über das Bildungszentrum Püchau e. V. im Teil 6 zu finden.

"Die Schullandschaft von Machern ..." : Teil 1 (1886-1945), Teil 2 (1945-1959), Teil 3 (1959-1990), Teil 4 (1990-2006),
                                                            Teil 5 (ab 2006) und Teil 6 (private Schule ab 2005).


(Dank für die gute Unterstützung an Margrit Elschner, Martina Schulz und Wolfgang Lindner.)



Machern, 06. 03. 2012 /Prof. Dr. Heinz Mielke/