Die Schullandschaft von Machern im Wandel der Zeit
Teil 3: Zehnklassige polytechnische Oberschule (POS) 1959-1990

In Deutschland hatten sich im Westteil die BRD (7. September 1949) und im Ostteil die DDR  (7. Oktober 1949) gebildet. Bundestag und Volkskammer waren ihre jeweils höchsten staatlichen Machtorgane. Die Volksbildung wurde in der DDR zentral von der Volkskammer und dem Ministerium für Volksbildung gelenkt und geleitet. In der BRD waren dafür dezentral die entsprechenden Landtage und Kultusministerien der 10 Bundesländer verantwortlich. Es gab dort die Schulbildung in Grund-, Haupt- und Realschulen sowie in privaten und Sonderschulen und in Gymnasien, wie sie seit dem 3. Oktober 1990 nach der Wiedervereinigung bald auch im Ostteil der BRD eingeführt wurde (s. Teil 4). Das Ministerium für Volksbildung der DDR setzte den 1946 als Einheitsschulsystem begonnenen Volksbildungsweg in seinen 15 Bezirken fort, so auch in Machern. Ab 1958/59 wurde der Lehrplan für die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule (POS) eingeführt. Er bedeutete eine Reform der vorherigen achtjährigen Grundschule zu einer einheitlichen zehnjährigen Gemeinschaftsschule, bei der der jeweilige  Klassenverband über die 10 Schuljahre erhalten bleibt. Am Ende stand die Abschlussprüfung, die zur Aufnahme einer Lehre und zum Fachschulstudium berechtigte.Schüler mit sehr guten Leistungen konnten bis 1981 in die Vorbereitungsklassen  9 und 10 der Erweiterten Oberschule (EOS) übergehen und dann nach Klasse 11 und 12 das Abitur ablegen. Nach 1981 blieben alle Schüler bis Klasse 10 in der POS zusammen, danach erst erfolgte der Übergang in die EOS. Andere Wege zum Abitur waren 1949 bis 1963 das Studium an einer Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) der Universitäten und Hochschulen und auch die dreijährige Berufsausbildung mit Abitur an einer Berufsschuleinrichtung nach erfolgreichem 10-jährigem POS-Abschluss.
In Machern begann der erste polytechnische Unterricht  mit dem Schuljahr 1958/59. In einer  ersten 9. Klasse hatten die Schüler die Fächer ESP (Einführung in die sozialistische  Produktion), technisches Zeichnen und UTP (Unterrichtstag in der Produktion), was den Übergang  zur POS deutlich kennzeichnete (s. auch  Tabelle "Unterrichtsfächer ...")
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Die Schuldirektoren waren in dieser Zeit: Dr. Willi Deutsch (1959-1969), Renate Lehmann (1969-1971), Heino Eichler (1971-1974) und Rolf Erdmann (1974-1990).  Das Lehrerkollegium bestand 1989 aus 33 Lehrkräften, im Hort waren 12 Erzieherinnen tätig. Die Schülerzahlen betrugen 1959 etwa 540 und 1979 und auch 1990 etwa 600. Der Schulunterricht in Machern war damals  noch stark der leidigen Schulraumnotsituation unterworfen (s. Teil 2) und  auch verbunden mit großen Ordnungs- und Disziplinarproblemen bei den Schülern.  Bis 1979 wurden Räume in folgenden Einrichtungen für den schulischen Unterricht genutzt (s. Bilder):

Schule I mit 5 Räumen und Schulleiterzimmer (vormals die Neue Schule, ab 1981 bis 2005 Poliklinik bzw. Dentallabor, das
              Gebäude ist  privatisiert und wird saniert);

Schule II mit 5 Räumen (im früheren Wirtschaftsgebäude des Rittergutes, heute Gaststätte  "Zum alten  Zollhaus"
               und Wohnungen);

Schule III mit 7 Räumen (Neubau von 1963 an  Orangerie, heute Gemeindebibliothek,Versammlungsräume und Wohnung, zuvor
              zeitweise auch Gemeindeamt);
             

LPG Machern mit 1 Raum (im Anbau am früheren Pferdestall des Rittergutes, dann LPG-Büro, heute nach Gebäudeabriss
              neu erbautes Rat- und Ärztehaus);

Kulturhaus (ehemals Schloss)  mit 2 Erdgeschoss-Räumen, 1 Raum davon  war Schülergaststätte   (heute  Trauungsraum
             des Gemeindeamtes und  privatisierte Schlossgaststätte);

LPG Machern (Werkstatt) mit Schülerarbeitsplätzen für UTP (nach Abriss heute Rathausplatz);

LPG Machern (Schmiede) mit 2 Räumen für Werkunterricht (heute Gebäude privatisiert und saniert);

Baubaracke (nördlich der Bahngleise) mit 2 Räumen für Werkunterricht (1944 errichtet zum Abriss des Gasthauses
               zur Eisenbahn u. a., 1945 NSV-Kindergarten, ab 1949 DDR-Kindergarten, ab 1955 Schulräume, etwa 1966 abgerissen.)

Man kann sich auch heute immer noch gut vorstellen, welch "quirliges" Hin- und Her damals von der Lehrerschaft bei den Unterrichtswechseln in den verschiedenen Häusern abverlangt wurde, um in den Pausen schnell und pünktlich von dem einen Klassenraum in den  anderen zu gelangen. Mit dem großen Schulneubau in der Goethestraße hatte dann aber 1979 dieser  Schulraumnotstand  in Machern sein Ende gefunden: Vorbei war die Zeit, in der die  Macherner Pädagogen  als "Wanderlehrer" durch den Ort ziehen mussten .

Die Gebäude in Machern, in denen Schulunterricht stattfand, mit ihren alten Bezeichnungen (Erläuterungen s. Text)

      

Schule I (Fotos 2011): Dorfstraßenseite (l.) und Schulhofseite (r.)

     
            Schule II (Foto 2011)                                                                                                  Schule III (Foto 2011)


     
                       LPG Machern (ehemaliger Pferdestall)                                                  Kulturhaus (Schloss) Machern

    
                                                                        LPG Machern:  Werkstatt                                                                       LPG Schmiede (Foto 2011)                                                                             

                                                          Baubaracke (im  Hintergrund an der Bahnstrecke).
 
                             Vorn am Konsum  ist die Einmündung der Dorfstraße in die Leipziger Straße (Foto: 1949)


Seit September 1979 gibt es in Machern  das große neue Schulgebäude (Bild u.).



Die Grundsteinlegung für das Schulgebäude vom Typ Leipzig POS fand am 27. 9. 1978 statt. Ein Jahr später wurde die neue Schule  für die etwa 600 Schüler und etwa 45 Lehrerinnen und Lehrer und Horterzieherinnen in der Goethestraße feierlich eröffnet. Bis zur Wiedervereinigung 1990 trug sie als POS den Namen des ehemaligen Ministerpräsidenten der DDR Otto Grotewohl. 


1979: Schüler bei der feierlichen Eröffnung der neu erbauten Schule, der POS Machern, die den Namen Otto-Grotewohl-Oberschule  verliehen bekam. (DLZ 40/79)
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In der Folgezeit fanden jährlich an wechselnden Schulorten die Traditionstreffen der Schulen im Bezirk Leipzig statt, die den Namen "Otto-Grotewohl-Oberschule"  trugen. Sie dienten dem Erfahrungsaustausch, dem Kennenlernen und kollegialen, freundschaftlichen Zusammensein von Pädagogen, Erziehern und Schülern  (LVZ 17. 2. 1983).
Das neue große Schulgebäude in Machern bot Platz auch für die Schüler der Gerichshainer Schule und für die Schüler der Klassen 5 bis 8 von der Püchauer Schule. In Püchau verblieben die Klassen 1- 4 als Außenstelle der Otto-Grotewohl-Oberschule Machern. Integriert waren schon länger  die Schulkinder der beiden Kinderheime in Machern, Erich-Zeigner-Kinderheim und Schulclub-Internat der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB)
Die Erziehung und Bildung der Schüler machten  laufend positive Fortschritte. Gut ausgestattete Unterrichtsräume, moderne Lehrgeräte, gute Hortbetreuung und erfrischende Pausenmilch wie auch regelmäßige Schulspeisung, viel Sport und Spiel sowie solide Wettbewerbsstimmung - das alles trug letztlich dazu bei.


1983: Schülerinnen und Schüler der Klass 2 mit ihrer Klassenlehrerin Petra Knörnschild vor dem neuen Schulgebäude.
 (FotoarchivG. Maune)

.Die Arbeit engagierter Lehrer und Pionierleiter wie auch der beiden an der Schule etablierten Jugend- und Kinderorganisationen (FDJ und Junge Pioniere) sowie Einbeziehung der damaligen Elternaktive und Elternbeiräte führten im Verhalten der Schülern zu einer sich ständig steigernden Dominanz von Ordnung, Sauberkeit und Disziplin einerseits und Lernfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Kameradschaftlichkeit wie auch Leistungssteigerungen andererseits.
Im gesellschaftlichen Leben der Schule kam es immer wieder zu interessanten Höhepunkten, an denen Schüler und Lehrer gemeinsam Freude hatten und mitwirkten, seien es die Freundschaftstreffen mit Gästen aus  Chile, aus der Sowjetunion, aus Polen und anderen Ländern (s. Gästebuch) oder seien es Gastbesuche aus der örtlichen Umgebung, wie  auch 1988 die Mitarbeiter des Leipziger Zoos mit Tieren zum Streicheln und zum Auswildern eines Waldkauzes in die Freiheit (Bilder). Das waren immer beeindruckende Erlebnisse mit nachhaltigem Bildungseffekt.

   
  Gäste aus dem Zoo Leipzig zum Internationalen Kindertag 1988 bei den         Gästebucheintrag der Künstler von Bolek, Lolek und                    Schülern in Machern.(Fotoarchiv G. Erdmann)                                 Reksio aus Polen beim Besuch der Macherner Schule

Unterrichtsfächer der Klassenstufen 1-10
der zehnklassigen polytechnischen Oberschule (POS) der DDR 1978
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Polytechnische_Oberschule

Deutsch               (1-10)  

Mathematik             (1-10)

Musik                  (1-10)

Sport                  (1-10)

Schulgarten         (1- 4)

Heimatkunde       (1- 4)

Werken              (1-6)

Zeichnen            (1- 9)                     
                                     


Russisch                (5-10) 

Biologie                 (5-10)

Geografie              (5-10)

Geschichte            (5-10)

Physik                   (6-10)

Chemie                  (7-10)

Staatsbürgerkunde  (7-10)

Wehrerziehung       (9-10)



Astronomie                                          (10)

Einführung in  die
sozial. Produktion  (ESP)                     (7-10)

Technisches Zeichnen                          (7- 8)

Produktive Arbeit/UTP
(Unterrichtstag i.d.Produktion)             (7-10)

Nadelarbeit (fakultativ)                              (4- 5)

2. Fremdsprache (fakultativ)                            (7-10)


      


"Die Schullandschaft von Machern ..." : Teil 1 (1886-1945), Teil 2 (1945-1959), Teil 3 (1959-1990), Teil 4 (1990-2006),
                                                            Teil 5 (ab 2006) und Teil 6 (private Schule ab 2005).

(Dank für hilfreiche Unterstützungen gebührt Irene und Jörg Stirn, Wolfgang Lindner, Gisela und Rolf Erdmann sowie Gudrun Maune und Friedrich Werner.)



Machern, 05. 03. 2012 /Prof. Dr. Heinz Mielke/