Die Schullandschaft von Machern im Wandel der Zeit

Teil 2: Acht- und zehnklassige Grundschule 1945-1959

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde am 1. Oktober 1945 die Volksschule Machern wieder eröffnet (s. "Chronik der Schule Machern 1945-1956").  Für Volksschule stand bald die gültige Bezeichnung Grundschule (acht- und zehnklassige) und später im Laufe der Zeit noch die für Machern eigenen Namen wie Schule I, II und III (s. Teil 3)  .
In dieser Nachkriegszeit hatten die 4 Besatzungsmächte ( Sowjetunion, Vereinigte Staaten von Amerika, Großbritanien und Frankreich) die Hoheitsgewalt in Deutschland und entschieden auch über die Durchführung des Schulunterrichts auf ihren Gebieten. So beinhaltete der Befehl Nr. 40 des Oberbefehlshaber der sowjetischen Militäradministration in Deutschland vom 25. 8. 1945, dass in der Schule nur Lehrer tätig sein dürfen, "die geeignet sind, die demokratischen Ideen beim Unterricht und in der Erziehung der Kinder anzuwenden und den reaktionären Inhalt des Nazismus, der Rassenlehre und den militärischen Charakter des ehemaligen deutschen Reiches klarzulegen". Die Jugend war im Geiste einer demokratischen Erneuerung zu erziehen. Nazilehrer wurden "abgebaut", Neulehrer und alterfahrene Lehrkräfte aus der Zeit vor 1933 sowie neu ausgebildete Fachlehrer in den Schuldienst eingestellt.

Die sowjetische  Militäregierung führte 1946 ein Einheitsschulsystem in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) ein. Später waren die gewählten Staats- bzw. die Landesregierungen für das Schulsystem verantwortlich. Die rechtliche Basis der Umformung des Schulsystems in der SBZ, zu der das Land Sachsen mit seiner Gemeinde Machern gehörte, war das "Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule" vom 31. 5. 1946. Es beinhaltet eine vierstufige demokratische Einheitsschule mit  Vorstufe (Kindergarten), Grundstufe (achtklassige Grundschule), Oberstufe (Berufsschule, Fachschule, Oberschule mit Abschluss der Hochschulreife) und Hochschule. Das Gesetz definierte die Schulausbildung als ausschließliche Aufgabe des Staates ohne Privatschulen und ohne  Religionsunterricht in der Schule. 1956-1958 gab es eine Hinwendung zur zehnklassigen Grundschule, auch in Machern, und damit verbunden zur kurzfristigen Bezeichnung  der Schule als Mittelschule.

Unterrichtsfächer der Klassenstufen 1-10
der zehnklassigen Grund- bzw. Mittelschulen der DDR 1957
http://de.wikipedia.org/wiki/Grundschule_(DDR)


Deutsche  Sprache             (1-10)

Rechnen/Mathematik         (1-10)

Musik                               (1-10)

Turnen                              (1-10)

Heimatkunde                     (3-4)

Geschichte                        (5-10)

Russisch               (5-10)

Biologie                (5-10)

Erdkunde              (5-10)

Physik                   (6-10)

Chemie                 (7-10)

Staatsbürgerkunde               (8-10)

Zeichnen                              (1-10)

Werken                               (1-10)

Technisches Zeichnen           (9-10)

Nadelarbeit                           (3-6)





 1959 wurde daraus die gehobene Oberschulbildung für alle Kinder in der DDR entwickelt, die Polytechnische Oberschule (POS) (s. Teil 3).
Die Anfangszeit nach Kriegsende einschließlich der kalten Winter 1945 und 1946 war eine harte Zeit auch für den Neubeginn des Schulunterrichts in Machern. Waren anfangs nur drei Lehrer tätig, so stieg ihre Zahl 1946 auf  7: Hans Hofmann, Getraude Götzke, Ruth Barnatzki, Ellen Paulenz, Rosemarie Martin, Alfred Schütze und Wilma Kleinert. Weiterhin kamen 1946/47 dazu: Werner Weißbach, Paul Wartberg, Lothar Seidel und Rudi Hettner. Im September 1946 wurden 49 Kinder in der Grundschule Machern eingeschult (23 Jungen und 26 Mädchen). Insgesamt waren es an der Schule 357 Schüler in  8 Klassenstufen, was einen Klassendurchschnitt von etwa
45 Schülern ausmachte. Zu dieser Zeit begann schon oder setzte sich verstärkt fort das leidige Problem einer großen Schulraumnot in Machern. Da die 5 Zimmer in der Schule I (vormals Neue Schule, s. Teil 1) nicht ausreichten, wurde der Unterricht von 3 Klassen in Räumen von  Macherner Gastwirtschaften wie im Gasthof  Stadt Leipzig, Gasthof  zum Goldenen Hirsch und Restaurant Spadowsky durchgeführt (Bilder der Gaststätten im Gemeindeblatt Machern Nr. 140, 2006).

Die Schülerzahl stieg weiter an und erreichte 1959 etwa 540. Irgendwann  hörte dann die schulische Nutzung  der  Gaststättenräume auf. Andere Zimmer wurden für den Unterricht geschaffen (s. Teil 3). Die Schuldirektoren waren Hans Hofmann (1946-1948) und Alfred Schütze (1948-1959).  
Die Unterrichtung der Schüler und Schülerinnen in  der Grundschulzeit wurde von  Jahr zu Jahr besser und erfolgreicher. Die demokratischen Erziehungsprinzipien festigten sich, besonders auch das Lehrer-Schülerverhältnis. Viel trugen auch die von Lehrern außerschulisch geleiteten Arbeitsgemeinschaften (AG) wie „Junge Naturforscher“, „,Radiotechniker“, „Junge Fotographen“, „Schrottsammler“ und andere dazu bei (Bilder).


1949:  Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse singen, tanzen und spielen vor dem Eingang zur Ritterburg für die  Macherner Bevölkerung

          

         1951: Schüler der Grundschule beim Frühlingsspaziergang     1956:  Schüler der AG „Junge Naturforscher"  mit ihrem
                                  
im Park von Machern                                 Biologielehrer Wolfgang Lindner im Schulgarten

Besondere Ereignisse in dieser Zeit waren für die Schüler ab 1955 die Vorbereitung und Durchführung der staatlich gefördertem Jugendweihen der 14-jährigen Schülerinnen und Schüler, die Umzüge zum 1. Mai, aber auch die Hilfsaktionen  in der Landwirtschaft bei der Bekämpfung des Kartoffelkäfers und bei der Einbringung der Kartoffelernte.

"Die Schullandschaft von Machern ..." : Teil 1 (1886-1945), Teil 2 (1945-1959), Teil 3 (1959-1990), Teil 4 (1990-2006),
                                                            Teil 5 (ab 2006) und Teil 6 (private Schule ab 2005).

(Dank für hilfreiche Unterstützung gebührt Jörg Stirn und Wolfgang Lindner.)



Machern, 13. 01. 2012 /Prof. Dr. Heinz Mielke/