Die Schullandschaft von Machern im Wandel der Zeit

Teil 1: Kirchschule, Zweite Schule, Neue Schule und Volksschule 1786-1945

Das vom Macherner Kantor und Oberlehrer i. R.  Ernst Beyreuther bearbeitete und in Wurzen bei Gustav Jakob 1938 gedruckte Buch "Machern im Wandel der Zeit" ist eine bedeutsame heimatkundliche Schrift und  eine wahrhaft historische Fundgrube mit bemerkenswerten skizzenhaften Hinweisen zur Entwicklung des Schulwesens im Dorf Machern von 1786, dem Baujahr der Kirchschule, bis 1938, dem Erscheinungsjahr der genannten Schrift. Für die Zeiten davor werden von  Beyreuther nur die Namen der 11 Kantoren aufgeführt, die die Kinder im Sinne von Martin Luther in Machern schulisch-kirchlich-evangelisch von 1562 ab unterrichteten. Sie hatten einen schweren Stand, waren Kantor und Schulmeister zugleich, möglicherweise manchmal auch tatsächlich dem Volkslied  vom "armen Dorfschulmeisterlein" entsprechend belastet. Da es bis 1786 in Machern keine Schulräume gab, ist für den damaligen Unterricht eine Reihumnutzung von Bauernstuben oder auch eines Raumes in der alten Pfarre denkbar. Letztere befand sich in der Kirchgasse. Für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zumal auf dem Lande gab es lange Zeit keinerlei Schulbildung. Sie war allerdings auch kaum vonnöten. Die Anfänge einer breiten Schulentwicklung für den Bauern und einfachen Bürger gehen in die Einführungszeit der Reformation zurück. Martin Luthers dringendes Anliegen war eine gut ausgebildete Lesefähigkeit aller Stände, um seine Schriften dem Volk nahe zu bringen. Für den Adelsstand und andere gab es aber doch schon gute Bildungsmöglichkeiten: Der Macherner Rittergutsbesitzer Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau (1723-1789) hatte seinem Sohn Carl Graf von Lindenau (1755-1842) schon frühzeitig gute Erziehung und erste Bildung in einem Schweizer Schulheim bei Lausanne  angedeihen lassen. Als 10- bis 12-Jähriger war er dann als Student an der Leipziger Universität eingeschrieben und hatte dort ständig einen vom Vater angestellten Hofmeister (Hauslehrer) an seiner Seite. Ihrer beider Herberge war in Leipzig der dem Grafen-Vater gehörende "Auerbachs Hof". Von den beiden Lindenau-Grafen, Vater und Sohn, wurde später die erste Schule in Machern gebaut, die Beyreuther die Kirchschule nennt.

1. Kirchschule


Die Kirchschule, die erste Schule von Machern, wurde 1786 erbaut. Sie befand sich an der Ecke von Dorf- und Bergstraße und wurde später das Kantorat.


Das Gebäude von Kirchschule/Kantorat in den 1930er Jahren.

 Sie besaß nur einen einzigen Unterrichtsraum. Wie viele Schüler in die Kirchschule gingen, ist nirgends vermerkt. Es können 5 bis 12 , aber auch mehr gewesen sein, und zwar in unterschiedlichem Alter. Sie wurden  alle zusammen, also einklassig unterrichtet.
Im Buch von Beyreuther gibt es folgende Angaben zur Einwohnerzahl in Machern, von der man aber nur sehr vorsichtig oder gar nicht auf die Anzahl der Schulkinder in den jeweiligen Jahren schließen kann: 1811 betrug sie 400, 1900 etwa 950, 1925 etwa 1050  und 1938 schon 1680. Die Einwohnerzahl stieg also beständig und damit auch die Zahl der Schulkinder. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war das in Machern besonders durch die vielen neuen Siedlungsbauten und Zuzüge bedingt.
Die Kirchschule wurde 1860 umgebaut. Aber auch danach unterrichtete nur ein Lehrer (der Kantor) in der nun zweiklassig gewordenen Kirchschule. Während der Bauzeit  wurde der Unterricht im Armenhaus in der Püchauer Straße abgehalten. Dieses später denkmalgeschützte Haus wurde im Dezember 2005 abgerissen. Es war noch bis 1994 bewohnt gewesen (LVZ/Muldentalztg. 2. 11. 2005).
Durch den Bau einer zweiten Schule in Machern wurde der Unterrichtsraum der Kirchschule nicht mehr benötigt. In dem Haus entstanden Wohnungen und anderweitig nutzbare Räume. Das Gebäude hieß von da an Kantorat, weil es nun vordergründig  den Amtsraum und die Wohnung des Kantors beherbergte (Bild). 2002 wurde es abgerissen. An seiner Stelle entstanden Parkplätze.

2.  Zweite Schule und Neue Schule

1878/79 wurde in Machern an der Dorfstraße die Zweite Schule gebaut, an der ein zweiter ständiger Lehrer unterrichtete. Die bisherige zweiklassige Schule wurde in eine vierklassige umgewandelt. Weil sich die Schülerzahl in Machern weiter vergrößerte, war die Einrichtung einer fünfklassigen Schule notwendig. Dafür reichten aber zwei Schulzimmer nicht aus. Aushilfsweise nutzte man für den Unterricht einen Raum im Jugendheim des Pfarramtes.


Machern 1911:  Schüler zusammen mit Oberlehrer Ernst Beyreuther und seiner Frau.

1927 wurde die Schule in Machern sechsklassig und brauchte wiederum neuen Raum für den Unterricht, der im Gesellschaftssaal des Gasthauses von Spadowsky in der Seitenstraße gefunden und eingerichtet wurde.             

Am 2. November 1931 ging der dringend notwendig gewordene Um- und Anbau bei der Zweiten Schule zur Neuen Schule seinem Ende entgegen. Die Weihe des Neubaus fand am 9. Januar 1932 statt. Beyreuther schreibt dazu: "Es ist ein imposanter Bau entstanden mit 4 Klassenzimmer, einem Lehrmittelzimmer, Lehrer- und  Schulleiterzimmer. Im Hause befindet sich Dampfheizung und Wasserleitung. Alle Räume sind hell und freundlich. Die Klassenzimmer liegen nach Süden zu und sind der Neuzeit entsprechend eingerichtet. Auch befindet sich im Schulgebäude eine Lehrerwohnung."

1932 wird diese Schule siebenklassig und hat 3 ständige und 3 Aushilfslehrer, darunter 2 Frauen. Schulleiter ist Horst Werner. Der beliebte Lehrer und Kantor Karl Kliem verstarb 1937. Ein Grabstein ehrt ihn noch heute auf dem Friedhof. Nur einige wenige Macherner Schulkinder konnten nach der 4. Klasse eine Oberschule besuchen, meistens die in Wurzen.


    
Die Zweite Schule vor dem Umbau (l.), die nach dem Umbau zur Neuen Schule (r.) wurde.


3. Volksschule

Die Zeit ging dahin. Der 1. Weltkrieg  wurde 1918 beendet. Während in den vorangegangenen Abschnitten die Schule in Machern zwar stets  als eine Grundschule zu betrachten war, trug sie landläufig immer den jeweiligen Entstehungsnamen wie Kirchschule, Zweite und Neue Schule.Von wann ab aber der Name Volksschule zu Machern  eingeführt wurde, konnte nicht genau ermittelt werden.
Bei Wikipedia steht  unter dem Stichwort "Volksschule" Folgendes: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Schulwesen durch die Weimarer Reichsverfassung von 1919 mit dem Reichsgrundschulgesetz festgelegt: "Die Volksschule ist in den vier untersten Jahrgängen als die für alle gemeinsame Grundschule, auf der sich auch das mittlere und höhere Schulwesen aufbaut, einzurichten." Wer die Volksschule nach den ersten vier Jahren nicht verließ, erhielt nach acht Jahren den Volksschulabschluss. So findet man auf dem Zensurenblatt von Johanna Crell (aus Machern) über ihre achtjährigen Schulleistungen in den einzeln aufgeführten Fächern   1919/1920 einen  Stempelaufdruck mit "Volksschule Machern". Das Entlassungs-Zeugnis dieser Schülerin von 1927 trägt die Überschrift "Volks-Schule zu Machern". (Dank für diese Hinweise an Dieter Burghardt, Machern.)
12 Jahre lang beeinflusste von 1933 bis 1945 das Naziregime auf seine Weise  die Schulbildung und Erziehung der Kinder.  Die Naziregierung erließ 1938 das Reichschulpflichtgesetz, wo es heißt: "Die Volksschulpflicht dauert acht Jahre: Zum Besuch der Volksschule sind alle Kinder verpflichtet. Der Übergang zu einer mittleren oder höheren Schule richtet sich nach den hierfür erlassenen besonderen Bestimmungen.".
Die Volksschule zu Machern war achtklassig geworden.



Machern 1937:  27 Schulanfänger  zusammen mit Lehrer Weigt.
(Der 2. Junge in der 2.Reihe von links ist Roland Dix, später dann Mitautor des Buches  "Der Landschaftsgarten zu Machern", 1995;
am 7. 8. 2007 verstorben.)

Der letzte Schuldirektor von Machern war im Mai 1945 Herr Weight. Er eröffnete nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der Beseitigung  des Naziregimes in der sowjetischen Besatzungszone am 1. 10. 1945 die Volksschule Machern ("Chronik der Schule Machern 1945-1956"), wurde aber danach nicht mehr gesehen.
Nun kam  es zu einem vielseitigen Neubeginn, auch auf schulischem Gebiet. Neue Lehrer wirkten im Gebäude der Neuen Schule, also in der Volksschule Machern, die  nun als Grundschule die Schule I genannt wurde und die aber auch für die immer größer werdenden Schülerzahlen bald nicht mehr ausreichte (s. Teil 2).


"Die Schullandschaft von Machern ..." : Teil 1 (1886-1945), Teil 2 (1945-1959), Teil 3 (1959-1990), Teil 4 (1990-2006),
                                                            Teil 5 (ab 2006) und Teil 6 (private Schule ab 2005).

(3  Bilder stammen aus "Machern im Wandel der Zeit" von E.  Beyreuther, 1938, 2 Bilder aus dem Kopien-Archiv von Gudrun Maune, der für die allseitige Unterstützung besonders gedankt sei, auch Dieter Burghardt für Hinweise und für die beiden Schulzeugnis-Links.)



Machern, 15. 11. 2011/ Prof. Dr. Heinz Mielke