Der "Ruhm von Machern" und andere Rühmlichkeiten

- Besinnliches zum Millenniumwechsel -

Der "Ruhm von Machern"

1998 erschien beim Schmidt-Buch-Verlag in Wernigerode unter dem Titel: "Wo Könige und Dichter tafelten..." ein außergewöhnlicher Reiseführer für Geist und Gaumen von Rügen bis zum Erzgebirge. Darin werden Verbindungen historischer Gaststätten zu bedeutenden Persönlichkeiten der Geschichte aufgespürt und auf unterhaltsame Weise Orte, Gastlichkeiten und Personen vorgestellt. 10 sind es allein in Sachsen. Darunter befindet sich auch Machern, die Schlossgaststätte und der Graf von Lindenau. Im Internet entdeckt man dazu eine Leseprobe aus dem Buch, die, da nicht geschützt, hier wiedergegeben werden kann:
Schloss, Landschaftspark, Pferdezucht - die Leistungen des Grafen und seiner Vorfahren nötigen durchaus Respekt ab. Doch was wahr ist, muß wahr bleiben: Der "Ruhm von Machern" hat mit dem Geschlecht der Lindenaus nichts zu tun. Die Züchtung der gleichnamigen Erdbeersorte gelang nämlich erst 1902, genau einhundert Jahre, nachdem Carl Heinrich August als letzter Lindenau seinen Macherner Besitz verkauft hatte und ins Preußische übergesiedelt war. Die Frucht, deren Schöpfung dem damaligen Inhaber des Obstgutes Machern, Paul Schmidt, zugeschrieben wird, ließ das Dorf weit über die Grenzen des Königreichs Sachsen hinaus bekannt werden. "Von den Gästen fürstlicher Tafeln wurde die Erdbeere täglich telephonisch begehrt und bestellt.", hielt Schmidt in seinen Aufzeichnungen fest. Bis heute weiß man das Aroma der dunkelroten, saftigen Beeren zu schätzen, auch wenn die Sorte inzwischen etwas schlichter "Machern" heißt und ihr seit Jahren die veredelte Nachfolgerin "Ostara" den Rang abläuft. Auch ohne den "Ruhm von Machern" dürfte die Tafel der Lindenaus reich mit Früchten gedeckt gewesen sein...

Die "Pyramide von Machern"

Soweit die Leseprobe aus dem interessanten Reiseführer, der aber von Machern noch vieles mehr preisgibt: So das Schloss mit der imposanten, heute für exklusive Trauungen nutzbaren Ritterstube und die Schlossgaststätte mit köstlichen Speiseangeboten wie auch der große Landschaftsgarten mit seinen vielen Parkbauten, worunter besonders hervorzuheben ist die "Pyramide von Machern", das gräfliche Mausoleum. Sie wurde 1792 von Ephraim Wolfgang Glasewald als Architekt für Carl Heinrich August Graf von Lindenau erbaut.

Man sollte bei Beginn des 3. Millenniums auch an die anderen Rühmlichkeiten von Machern denken, die der ehemalige Kantor und Oberlehrer Ernst Beyreuther 1938 in seinem Buch "Machern - im Wandel der Zeit" herausstellt:

Die "Rose von Machern"

In der Mitte des 19. Jahrhunderts brachte Wilhelm Schnetger, der damalige Macherner Rittergutsbesitzer, von seinen Reisen ins Ausland die Oelrose aus Bulgarien mit nach Hause und vermehrte sie erfolgreich. Sie erhielt den Namen "Rose von Machern". Als bald darauf die Rosenfelder in Miltitz bei Leipzig angelegt wurden, bezog man die Rosenstöcklinge von Machern. Diese trugen dort mit zum internationalen Ansehen der Duft- und Parfümherstellung bei der Firma Schimmel & Co bei.

Die "Schafe von Machern"

Und auch dies von Beyreuther Festgehaltene ist bedeutsam. Es bezieht sich besonders auf 
Gottfried Schnetger, dem Vater von Wilhelm: Durch seine Bestrebungen und Tätigkeit in der Landwirtschaft machte er aus seinem Rittergute eine Musterwirtschaft, aus der die "Schafe von Machern" mit Weltruf stammen. Denn selbst über das Meer gingen Sendungen Macherner Schafböcke, und in Hohenheim bei Stuttgart wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts diese Zuchtrichtung in der Feinwollzucht fortgeführt. In seinen "Studien zur Entwicklungs-Geschichte des Schafes" führt M. von Neitzschütz 1869 mehrfach die Macherner Spitzenherde von Herrn Schnetger an, die eine feine Tuchwolle mit gedrängtem Wollcharakter liefert.
 
 

Das "Windrad von Machern"

Und noch etwas schrieb Beyreuther: Machern ist ein Obstgartenort. Die Obstbaumzählung  von 1933 ergab: 7352 Äpfelbäume, 4192 Birnenbäume, 1565 Süßkirschenbäume, 2042 Sauerkirschenbäume, 1166 Pflaumenbäume, 56 Mirabellenbäume, 10 Aprikosenbäume, 218 Pfirsichbäume, 70 Nußbäume, zusammen 16671 Obstbäume. Und das bei damals 1354 Einwohnern. Als Symbol des erfolgreichen Obstanbaus ist das "Windrad von Machern" anzusehen (hier auf einer Machern-Ansichtskarte), das lange Zeit in der Gärtnerei von Paul Schmidt stand.

Das "Sachsengold von Machern"

1906 begann der Vater des heute 86jährigen Karl Stamm in Wenigmachern mit der Produktion  von Sauermilchkäse, von Harzer Rollern, mit dem anspruchsvollen Namen "Sachsengold", die er 1914 im einem neuerbauten Gebäude in der Wurzener Straße in Machern fortgeführte. Später "dirigierte" dort Karl Stamm bis ins hohe Alter das berühmte "Sachsengold von Machern". Heute setzt die Firma Findeisen in den Stamm-Gebäuden die Produktiontradition fort und müht sich um gleichartigen Beliebtheitsgrad ihrer Produkte aus der "Sachsengold" Käserei, wie ihn die der Stamms hatten.

Die  "drei betenden Ritter von Machern"

Besonders ruhmvoll für Machern dürfte die Tatsache sein, dass es die "Zwei betenden Ritter" aufweisen kann. Beyreuther hat sie in seinem Machern-Buch 1938 nicht erwähnt, wohl aber Gurlitt 1898 in seiner "Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreich Sachsen". Links handelt es sich um ein Teilbild der Sandsteinplastik in der Macherner Kirche, die "Denkmal eines Herrn von Lindenau" ist, wahrscheinlich des Heinrich, der von 1496 bis 1561 lebte.Er betet kniend vor einen Kruzifix ("Der 1. betende Ritter von Macher").  Rechts ist das Bild einer Relief-Steinplastik, die sich unter dem Altan des Macherner Schlosses befindet, mit betendem Ritter vor einem Kreuz. Wahrscheinlich ist irgendwann einmal Christus hier von dem Kreuz entfernt worden. Denn ältere Beschreibungen (Glaswald 1799 und Gurlitt 1898) verweisen auf diesen betenden Ritter vor einem Kruzifix, der sich vor mehr als 200 Jahren noch an seinem "Ursprungsort" in der Ritterburg des Macherner Schlossparkes befand. "Der betende Ritter" in der Kirche ist eine wertvolle Arbeit von dem Wittenberger Bildhauer Georg Schröter, der sie mit Georg Wittenber I. gemarkt hat. "Der betende Ritter" oder das "Denkmal eines Gerüsteten" ("der 2. betende Ritter von Machern") unter dem Altan ist nach Gurlitt eine um 1796 entstandene geschickte Nachahmung eines Werkes der Renaissance.
Nachtrag:
Von dieser geschickten Nachahmung wurde 2001 im Rahmen  der Restaurierung der Ritterburg
ein grüner Latexabzug genommen und mit seiner Hilfe durch die Denkmalpflege GmbH   J. Bock aus Püchau eine weniger gut gelungene Kopie modelliert . Diese bekam am vormaligen "Ursprungsort" der geschickten Nachahmung im unterirdischen Gang der Ritterburg ihren Platz zugewiesen. Das ist "der 3. betende Ritter von Machern" (s.Bilder u.).
 
Links der Latexabzug von "dem 2. betenden Ritter von Machern" und rechts die daraus hergestellte Kopie, "der 3. betende Ritter von Machern", der ab 2001 in der Ritterburg von Machern zu sehen ist.



Machern, 04. 01. 2001/Prof. Dr. Heinz Mielke (Text) und Haike Espenhain (4 Zeichnungen)
Last updatet: 06. 08. 2004