Ehemalige Schauplätze der Kinder- und Jugendfreundlichkeit in Machern

2. Schulclub-Internat und Feriengestaltung der Leipziger Verkehrsbetriebe am Plagwitzer Weg

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) erwarben in Machern  am Plagwitzer Weg 1951 die Schöttler Villa und 1958 daneben die Linnemann Villa und richteten  dort ein Schulclub-Internat und eine jährliche Sommerferiengestaltung für Kinder ihrer Betriebsangehörigen ein.

  
Das Schlafhaus: ehemals Schöttler Villa                                             Das Wohnhaus: ehemals Linnemann Villa
(Fotos Frühjahr 2009: H. Mielke)


Über die Geschichte dieser beiden Villen, die sich wohlhabende Leipziger Gewerbetreibende wie Schöttler (Zigarrenfabrikant) und Linnemann (Musikverlagsbesitzer  und Buchhändler) und andere um 1906/1907 in Machern bauen ließen , wurde schon an anderen Stellen berichtet: in der LVZ (Wurzener Tageblatt 8. 6.  und 6. 7. 2000) und im Internet (home.uni-leipzig.de/mielke/villen/villen2.htm). Daraus geht hervor, dass die beiden Villen  als betriebseigenes Werktags-Kindervollheim für anfangs 30, später bis 60 schulpflichtige Kinder von LVB-Angehörigen dienten. Am 1. Mai 1952 fand die Eröffnung statt. Die Kinder gingen in Machern und Gerichshain zur Schule und wurden verantwortungsvoll von Heimerziehern betreut. Der größte Teil der Schüler verblieb 8 Schuljahre in Machern und fühlte sich hier wohl. Sonnabends und sonntags war für sie Heimfahrtzeit. Dieses von der LVB eingerichtete Schulclub-Internat half, die sozialen Verhältnisse in der LVB sehr zu verbessern, weil den Müttern, besonders im Schichtbetrieb der Straßenbahnschaffnerinnen, die Sorge um ihre Kinder während der Arbeitszeit abgenommen werden konnte.
Auf den Erfahrungen aufbauend, die von der LVB beim Ferienlager 1951 an Ritterburg und Pyramide in Machern gemacht wurden, gestalteten sie 1952 und 1953 in den Sommerferien auf dem Geländes des Schulclub-Internates die Ferienaktion "Frohe Ferien für alle Kinder", bei der etwa 250 Kinder von LVB-Angehörigen pro Belegung versorgt, betreut und in Zelten untergebracht wurden. Diese Sommerferienaktionen in Machern wurden beibehalten, nun nicht mehr in Zelten und mit  geringerer Belegungszahl, aber mit internationalem Austausch (Tatrawerke Prag und Verkehrsbetriebe Warschau).  Für die Aufnahme der Sommerferienkinder schuf man zusätzlich andere Unterbringungsmöglichkeiten in dem waldigen Gelände des Objektes,  wie 4 Bungalows, einen Neubau und eine Veranstaltungsbaracke (s. Bilder). Die Bungalows existieren heute nicht mehr. Ältere Bungalows waren schon bis 1956 abgebaut worden.


     


Neubau (weiß) und Veranstaltungsbaracke(braun) (3 Fotos von 2009: H. Mielke)

Zu den Ferienzeiten waren meist doppelt  so viele Kinder im Macherner LVB-Objekt wie zu den Schulzeiten. Sie fanden hier in frischer Landluft und an den nicht weit entfernten Lüschützer Teichen bei Spiel, Sport, Baden und Wandern gute Erholung und Spaß am Zeitvertreib (s. Bilder).

  
4  Erzieherinnen, Aushilfe Marianne Langner (l.)                                        Beim Kostümfest der Ferienkinder
       und 2 Musikanten vor einem älteren Bungalow (Foto 1953:  privat) 

       
Schüler u. Erzieher beim Morgenappell                                                   Schülergruppe bei einer Beratung
(3 Fotos: privat)

Das Schulclub-Internat wurde 1983 geschlossen und die Einrichtung mit neuen Aufgaben  betraut, die sich ebenso wie ihr Name mehrmals änderten. So wird sie 1984  zum "Ferien- und Schulungsheim der LVB", 1993 zum "Schulungs- und Erholungszentrum der LVB" und seit 1994 zum "Aus- und Fortbildungszentrum der LVB" . Die Aufgaben des Kinderheimes wechselten also hin zur betrieblichen Jugend- und  Erwachsenenqualifizierung und  -fortbildung.
Die ehemalige Schöttler Villa mit Wirtschaftsgebäude und Gelände wurde 1999 von der LVB in Privatbesitz verkauft. Die Linnemann Villa mit den zwei Zusatzgebäuden und einem großen Geländeanteil gehört weiterhin der LVB. Das vorherige Wirtschaftsgebäude wurde 1995 in Privatbesitz verkauft.

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Machern, 27. 10. 2009/ Prof. Dr. Heinz Mielke