Ehemalige Schauplätze der Kinder- und Jugendfreundlichkeit in Machern

1. Ferienlager der Leipziger Verkehrsbetriebe an Ritterburg und Pyramide

Im Sommer 1951 wurden in Machern ein Ferienlager für die Kinder der Mitarbeiter der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) eingerichtet und  zwei Belegungen durchgeführt. Warum die Wahl der LVB dabei auf Machern fiel, kann heute nicht mehr genau ergründet werden. Vielleicht kannten Entscheidungsträger der LVB die Eignung und die Schönheit der Macherner Region mit ihrem großen Landschaftsgarten und dem von dort aus  bis zu den nahen Lübschützer Teichen reichenden waldigen und hügeligen Wandergebiet für ein derartiges Unternehmen. Oder sie erhielten stimulierende Hinweise  von ihrem Schwesterbetrieb, den Leipziger Wasserwerken, die schon vorher oder zur gleichen Zeit in Machern auf dem Plagwitzer Weg ein Jugend- bzw. ein Ferienheim für die Kinder ihrer Betriebsangehörigen eröffnet hatten.
Von dem Ferienlager der LVB in Machern an Ritterburg und Pyramide existieren sehr beeindruckende Bilder, die von Ulrich Röder, einem ehemaligen Diplom-Sozialpädagogen am 1952 eröffneten  Schulclub-Internat der LVB in Machern,  in dankenswerter Weise aus Archivmaterial zur Verfügung gestellt wurden. Eine Auswahl davon wird nachfolgend gezeigt. Bei verantwortungsvoller Betreuung durch Erwachsene wurde den Stadtferienkindern damals in der noch immer harten Nachkriegszeit gute und fröhliche Erholung geboten. Als Unterkunft dienten  neu aufgebaute Holzbaracken, gegessen wurde gemeinschaftlich an Tischen in freier Natur, so es das Wetter zu ließ. Morgensport, Wandern und Klettern kräftigten die Gesundheit und förderten den Elan der Kinder.

Auf der Ritterburg und an der Pyramide wehten zeitgemäße Fahnen.  Plakate und Aufschriften wiesen auf die neue Zeit 6 Jahre nach dem Ende des Naziregimes hin (Bilder).


Ritterburg mit zeitgemäßer Flagge

    
Wegweiser zum und Ankunft im Ferienlager zwischen Ritterburg und Pyramide

                
Frühstück im Freien und Aufbruch zur Wanderung

               
Morgensport auf der Wiese am Nordeingang des Parks und Klettern an der Ritterburg

                  
Fototermin (l.) und Klettern an der Pyramide unter Aufsicht (r.)


Bemerkungen zur Geschichte der Ritterburg bis zu dieser Zeit:
- Die Ritterburg wurde von Carl Graf von  Lindenau 1795/96 als Parkstaffage, dem Ideal des früheren Ritterlebens nachspürend, errichtet und  als eine Art Privatmuseum mit 4 attraktiven, unterschiedlich gestalteten Räumen, einer Aussichtsplattform und unterirdischem Zugang gestaltet.

-140 Jahre lang wurde sie von 1806 bis 1945 von den  Besitznachfolgern,  den Rittergutsbesitzern  Schnetger, kaum genutzt, außer dass der japanische Sanitätsoffizier und spätere Schriftsteller und Goethe-Übersetzer Mori Ogai, der 1885 als Gast bei ihnen im Manöverquartier war, über die schöne Aussicht von der Plattform der Ritterburg literarisch berichtete und außer dass die Ritterburg in den 1920er Jahren zeitweilig den Leipziger Pfadfindern als Landheim diente. Die Pfadfinder halfen damals beim Anheben der Plattform um 60 cm, wodurch der darunter liegende niedrige Regenabführraum erhöht wurde und so ein  benutzbares 5. Zimmer für die Pfadfinder eingerichtet werden konnte.

-In den Kriegsjahren 1943 bis1945 wurde die Ritterburg mit abgegrenztem Turmteil  von Soldaten des Luftraumüberwachungsdienstes beherrscht.  Der abgegrenzte unterirdische Gangteil diente als Luftschutzkeller für die Belegschaft der Feingerätefirma ALLei von Alfred Lindner in der Püchauer Straße.


-1948 entstand durch fahrlässigen Umgang mit Feuer ein Brand. Das Innere der Ritterburg brannte völlig aus. Aus diesem Grund war das Betreten der Ritterburg seitdem strengstens untersagt, auch den Kinder des Ferienlagers der LVB. Bei der Beflaggung der Ritterburg half ihnen 1951 die Freiwillige Feuerwehr von Machern, die mit Hilfe von 4 Steckleitern  die Flagge (Bild) durchs Innere des Turmes zur Befestigung auf die Plattform brachte (n. Aussagen von Herbert Junge). Der Macherner Schloßpark mit Ritterburg und Pyramide war nach 1945 bei der Bodenreform und der Enteignung der Schnetgers der damaligenWurzener Forstverwaltung 
zugeordnet worden.

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Machern, 20. 08. 2009 /Prof. Dr. Heinz Mielke/