Kremserfahrt durch Machern:
Zum Jahreswechsel eine örtliche Rundumschau

Los geht es von Ulbrichts "Hotel am Park" in der Schloßgasse  mit dem Fahrbetrieb des Reiterhofes Kunze aus Altenbach. Der Kremser ist mit 20 Personen voll besetzt (Bild) und fährt in   Richtung Schloßplatz, wo er vor dem jetzigen Restaurant- und Hotelkomplex "Schloß Machern und Kavalierhaus" den zentralen Lindenbaum umrundet. Dieser ist das Zeichen im Wappen derer von Lindenau über dem  Schloßportal, im Wappen also der ehemaligen adligen Schloßbesitzer bis 1802, und im heutigen Wappen der Gemeinde Machern (s. u.). Der berühmte Macherner Landschaftsgarten hinter dem Schloß bleibt diesmal ebenso wie die "Gartenstadt (alt)", die Wurzener und Püchauer Straße mit angrenzenden Wegen und An der Ritterburg außerhalb der weiteren Fahrtbetrachtungen.

Wir gelangen auf  den Marktplatz (Bild). Zwischen Rathaus und historischem Brunnen mit seinen 18 Sandsteinblöcken wird Halt gemacht und mit Bedauern festgestellt, dass heute, wie an allen anderen Tagen des Jahres 2006, die schöne Brunnenmusik leider nicht das liebliche Wasserplätschern aus den 12 Brunnendrüsen der Bronzeplatten begleitet und uns deshalb so auch nicht erfreuen kann. Zu  seiner Einweihung im Oktober 2002 sang vor dem Brunnen der Gesangsverein Germania Gerichshain  erstmalig die von Horst Singer und Rosi Thiemicke neu geschaffene Heimathymne "Machern – meine Heimat", in der es u. a. heißt: "Machern ist recht schön geworden, es grünt und blüht an allen Orten" und "Machern, o Machern du bist sehr bekannt und liegst im herrlichen Sachsenland."
Wir verlassen den Marktplatz: links sieht man das Ärztehaus, das Feuerwehrhaus, "Ihr Reisebüro" und andere Einrichtungen in "Schnetgers Hof" wie "Schlecker" und das "Löschdepot", rechts sieht man den "Konsum". Nun fahren wir an der Kirche um den Dreiecksplatz mit den Rotdornbäumen und der 1992 dort gepflanzten Freundschaftslinde "Macheren /Machern" und dem davor angelegten großen farbigen Wappen der Gemeinde Machern mit dem Lindenbaum, den 3 Getreideähren und der roten Zinnenmauer vorbei (Bild).

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Auf der Dorfstraße, vorbei links an Kirche und Friedhof und rechts an drei alten Bauerngehöften,  erreichen wir die zweitgrößte Kreuzung von Machern am neuen "Wohnkomplex Kirchgasse", der auf dem Gelände der ehemaligen Schäferei vor etwa 8 Jahren erbaut wurde (Bild). Es geht geradeaus auf dem Tauchaer Weg weiter: links an den 4 hell verputzten  großen Wohnhäusern vorbei, die vormals von der LPG geschaffen wurden, rechts an landwirtschaftlich genutzten  Kleinflächen und dann an dem ab 1998 angelegten großen Neubaugebiet "Gartenstadt (neu)", wo auf früher ebenfalls  landwirtschaftlich genutzten Flächen bis heute mehr als 110 Einfamilienhäuser unterschiedlicher Brillanz empor schossen. Nach Norden blickend, sieht man über die "Gartenstadt (neu)" hinaus den Peritzschberg (168 m), hinter dem sich der  80 ha große Golfplatz von Machern ausbreitet, und weiter rechts den Sorgenberg (172 m) mit dem typischen weißroten Antennenturm.
Auf der linken Seite des Tauchaer Weges gehen  Käthe-Kollwitz-Straße und Weststraße mit ihren Wohnungsanliegen ab, und das letzte Haus lenkt bei den geschichtlichen Erläuterungen die Aufmerksamkeit aller im Kremser voll  auf sich: Dort wohnt Joachim Seifert. In seinem Garten sieht man eine ertragreiche Quittenplantage.  Seine Eltern kamen 1920  von West-Samoa aus dem Südpazifik zurück und schufen sich hier in Machern mit  dem damals am westlichsten gelegenen Haus und Feld als Obstbauern eine dauerhafte Bleibe. Seiner Enkelin gehören die an den Garten seines Hauses anschließenden 4 ha Land, auf dem, wo früher Feldfrüchte und Obst geerntet wurden, seit 4 Jahren Außergewöhnliches passiert: der Sächsische Christbaumbetrieb von der Fasanerie Doberstau bei Zschernitz lässt dort gewerblich Nadelbäume für kommende Weihnachtsfeiertage wachsen.
Vom Tauchaer Weg fährt der Kremser jetzt auf die Gartenallee. Gerade passierte uns zufällig ein offener Oldtimer, der auf den Taucher Weg einbog und die Quittenplantage erreicht. Hinter ihm sieht man die Häuser der "Gartenstadt (neu)"  und vor ihm den Beginn des erwähnten Christbaumfeldes (Bild).
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Die Gartenalle führt rechts an weitläufigen Feldern und links an dem Christbaumfeld, dann an den Anlagen des Macherner Sportparks Tresenwald sowie an den beiden Supermärkten Aldi und Konsum und an der AGIP Tankstelle vorbei und trifft in Nähe  des Ortseingangsschildes von Machern auf die ins Dorf als Leipziger Straße führende B6. Die Gartenallee ist für die  freudvoll gestimmte Kremserbesatzung wie geschaffen zum Liedersingen. So hat man denn mit Vorbedacht auch etwas Schönes mitgebracht: kleine  Feiglinge,  für jeden einen oder auch zwei, getreu  dem Motto: "Viel besser krähet jeder Hahn, wenn er die Kehle feuchtet an!" Und dann erklingt auch schon "Hoch auf dem grünen Wagen saß ich beim Schwager vorn" (Bild). Wir biegen auf die Leipziger Straße ein und fahren in Richtung "Ampelkreuzung" (Macherns größter Kreuzung). Das gemeinsame Singen wird mit "Hab' mein Wagen voll geladen ..." lautstark und schmunzelnd fortgesetzt. Es geht vorbei an geschichtsträchtigen
Plätzen: links am Neumarkt mit seinen neuen Wohnbauten (Bild), wo um 1989 ein zentrales Heizwerk entstehen sollte, dessen Esse schon hoch gezogen war, dann aber  alles storniert wurde,
und rechts am beflagten "Fordgebrauchtwagenverkaufsschauplatz" (Car Center) der Firma Söllner & Krause (Bild), eine der 3 Macherner Autohändlerfirmen mit –werkstätten. Auf diesem Platz standen vor 1990 die großen Gemüse produzierenden  Gewächshäuser der  LPG.
Bald haben wir die "Ampelkreuzung" erreicht, sehen linker Hand  den "Landgasthof Machern", daneben die "Bäckerei und Konditorei Keller" und biegen bei der "Villa Luise"  nach rechts auf die Bahnbrücke und hinter ihr links auf den Zeititzer Weg ab.

Hinter uns überquert eine alte Kutsche (Bild) die Kreuzung an der "Villa Luise": Nehmen wir 210 Jahre zurück an: Es ist 1796, und der Graf von Lindenau könnte  in der Kutsche sitzen und gerade von  einem Besuch seines Auerbachs Hofs in Leipzig zurückkehren, hier vorbei an der Villa Luise, die damals der ihm gehörende "Gasthof zu Machern" war. Heute sind darin Wohnungen und eine Tierarztpraxis untergebracht.

Gerade als wir  auf der Bahnbrücke sind, braust unter uns der moderne ICE auf der Fahrt Dresden/Leipzig durch, vorbei am S-Bahnhaltepunkt "Machern (Sachs)" (Bild).
Er tut es übrigens täglich 15mal in dieser und 15mal in umgekehrter Richtung. Die Brücke ist heute die einzige Überquerung über den bis zu 11 m tiefen und 2 km langen Erdeinschnitt von Machern, der  1836/38 für die erste Eisenbahnlinie Leipzig/Dresden nur mit Hacken, Spaten, Schaufeln und Schubkarren von Menschenhand angelegt wurde.
Der Zeititzer Weg ist zusammen mit dem "Muldenblick" ein mit vielen verschiedenen Bäumen bewachsenes älteres Wohngebiet, fast könnte man sagen, er ist ein wunderschönes Arboretum. An seinem Beginn sind rechts Parkplätze besonders für die Umsteiger auf den S-Bahnverkehr nach Leipzig und Wurzen angelegt. Dann folgen das Terrain vom Tennisverein Machern Grün-Weiß e.V. mit  Tennisplätzen und Klubhaus sowie  die 1997 erweiterte und zu einem originellen Bautenkomplex (Bild) erneuerte  Kindertagesstätte für 180 Kinder.

Nach etwa 1 km Fahrt auf dem Zeititzer Weg kommen wir zur Einfahrt ins das jetzt schon 12 Jahre alt gewordene größte Macherner Wohngebiet "Schloßblick" mit mehr als 1000 Bewohnern. Wir fahren weiter auf dem Zeititzer Weg, rechts vorbei an 2 alten Villen. Bei der ersten, gut aussehenden, weil privatisiert, renoviert und bewohnt, handelt es sich um die frühere, 1905 erbaute Villa des Leipziger Verlagsbuchhändlers Robert Voigtländer, die zu DDR-Zeiten der Reichsbahn gehörte und als Trainings- und Erholungsstätte vom Fußballclub Lok Leipzig genutzt wurde. Die andere, die frühere Löhr Villa, die schönste und nobelste von Machern, die von Moritz Baeßler etwa 1906/08 erbaut und 1933 vom Leipziger ATG-Generaldirektor Anton Löhr gekauft und bezogen wurde, ist zu einem "Dornröschenschloss" gemindert, weil man sie vom Zeititzer Weg aus nur noch nach dem herbstlichen Blätterfall hinter wildwachsenden Sträuchern und Bäumen sehen kann. Seit 1996 ist die Villa unbewohnt und dem Verfall Preis gegeben.

Nach dem Gelände der Löhr Villa breiten sich links und rechts des Weges die Obstkulturen vom Obstgärtner Arndt Richter aus, umgeben von weißen Schutzzäunen, die  allerdings mit den Aufmalungen den hier auf dörflichem Boden lebenden "Grafitti-Künstlern" ein "städtisches Ausrasten" entlockt haben müssen (Bild).

Hinter dem links gelegenen Obstkulturen sind wieder das  Wohngebiet "Schloßblick" und daneben die weitläufigen Pferdeweiden vom Reitstall Merx zu sehen (Bild).
Ein Stück weiter und wir treffen auf das Ortsausgangsschild von Machern. Unsere Blicke richten sich sofort auf das zu Zeititz/Bennewitz gehörende, sich imposant ausbreitende Neurologische Rehabilitationszentrum (NRZ) der Sachsenklinik (Bild).
Es wurde 1998 durch die damalige Kanzlergattin Hannelore Kohl feierlich eingeweiht. Ihren Namen trägt das 6 Jahre später dort eröffnete Wachkomazentrum: das Hannelore-Kohl-Haus.  Das Haus Muldental, ein Pflegeheim beim NRZ, begann 2006 mit seiner Arbeit.

Nun wendet der Kremser und nach kurzer Pause geht es auf dem Zeititzer Weg zurück bis zum Fichtengang. Auf ihm und auf dem Eichenweg durchfahren wir das alte Wohngebiet "Waldwinkel", vorbei an neueren (z. B. Schäwels) und älteren (z. B. Sebecks) Villen  (Bilder) bis zur Polenzer Straße, meistens etwas bergan.

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Die Sebeck Villa, heute Kinderheim, wurde schon 1907 als erstes Haus in Waldwinkel von Wolf von Ehrenstein, einem Verwandten des damaligen Macherner Rittergutsbesitzers Paul Schnetger, erbaut, der ihm Land und Wald verkauft hatte. 1918 ging dieser Haus- und Waldbesitz in andere Hände über und wurde 1922 von  Richard Sebeck erworben. Er kam 1922 mit seiner Familie aus Chile nach Deutschland zurück und ließ sich in Machern als Forstwirt nieder. Die wirtschaftliche Lage zwang ihn, in den 1930er Jahren den Waldwinkel parzelliert, meist zu je 5000 qm, an Siedler zu verkaufen. Der "Waldwinkel" als Wohngebiet unter Bäumen entstand so. Die Villa mußte Sebeck 1944 veräußern. Nach Kriegsende wurde sie vom Leipziger Oberbürgermeister Erich Zeigner übernommen und  als Kinderheim eingerichtet, das es heute als gGmbH immer noch gibt, wo augenblicklich 32 Kindern und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 18 Jahren pädagogisch bestens betreut werden und das angeschlossene Gesundheitsreiten nutzen können.
Auf der Polenzer Straße fahren wir rechts an den weißen Häusern der Glas- und Spiegelfabrik von Wolf Lohnitz vorbei. Links richtet sich der Blick auf das 18 km entfernte Leipzig mit dem gut sichtbaren City-Hochhaus und dem Völkerschlachtdenkmal. Wir befinden uns hier  am gemäßigten Westhang des Zeititzer Berges (148 m) und nähern uns bergab im flotten Trab wieder der  "Ampelkreuzung". Nach 1,5 Stunden geht die Kremserfahrt in der Schloßgasse zu Ende.

Nun steht bald der Jahreswechsel vor der Tür. Deshalb dazu noch diese beiden Bilder:

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       Stesi und Vicki vom Reitstall Merx*          Gari und Eddy vom Reiterhof Kunze*
(* p. f. = pour feliciter: um Glück zu wünschen) 

Machern, 2. 11. 2006/Prof. Dr. Heinz Mielke