Guss-Wappen in Machern

1. Auf Kaminplatte am Kamin in der Villa des Kinderheimes

Die Villa des Kinderheimes Machern gGmbH im Waldwinkel wurde 1907 von Major Wolf von Ehrenstein errichtet. Er war ein Verwandter des Macherner Rittergutsbesitzers Paul Schnetger, der ihm dazu Land und Wald zur Verfügung gestellt hat. Von Ehrenstein ließ damals  auch den offenen Kamin mit dem Doppeladler-Motiv auf der Kaminplatte einbauen. Dieses Motiv hatte aber keine Beziehung zu seinem eigenen adligen Wappen. Auf dem Macherner Friedhof ist heute noch ein  Gedenkstein für Wolf von Ehrenstein vorhanden. (Zur weiteren Geschichte: Sebeck Villa und Kinderheim.)
Vor 3-4 Jahren veranlasste das Kinderheim Machern eine gründliche Sanierung und Renovierung des alten offenen Kamins zu einem geschlossenen. Jetzt sind auch die Erhebungen zur Kaminplatte mit dem Doppeladler-Motiv (s. u.) weitgehend beendet. Sie befassten sich auch besonders  mit der Kunst des Herdplattengusses als Sandformguss mit wiederholt nutzbaren Modellen aus Holz (s. Dr. Klaus Lange: www.dr-klaus-lange.de/ofen.html).

        
Der Kamin im Vestibül der Villa des Kinderheimes strahlte am 22. 2. 2011 wohlige Wärme aus. Seine vormals innen gelagerte Kaminplatte (50x50 cm) mit dem Doppeladler-Wappen ist jetzt außen als Dekoration angebracht (linkes Bild). Rechts ist sie vergrößert dargestellt. Kaminplatten schützen gemeinhin das Hinterteil des Kamins gegen Risse und sonstige Schäden. Waren die dicken Eisenplatten erhitzt, gaben  sie anhaltend Wärme in den Raum zurück. Beim Blick in den Kamin sieht man dann auch das entsprechend gewählte Motivkunstwerk auf der Kaminplatte.

   
Drei Beispiele aus Internetveröffentlichungen für "nicht echte Wappen" als Motive auf  gusseisernen Kaminplatten, zu denen auch der Macherner Doppeladler in der Kinderheim-Villa (s. o.) zu zählen ist. Die darauf angegebenen Jahreszahlen entsprechen keineswegs dem Herstellungsjahr. Sie können jüngeren Datums sein.

Vermutlich wollten sich die Formenschneider/Eisengießer/Ofenbauer mit niemanden wegen der Wappenrechte anlegen. So statteten sie den Doppeladler frei mit echtem Zubehör aus (Reichsschwert, Reichszepter, Reichsapfel, Rangkrone und Brustschild), aber frei zusammengestellt, in Anlehnung an  echte Wappen mit dem Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1433 bis 1806) bzw. des weiter benutzten  Doppeladlers der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1868 bis 1918). Damit bedienten sie  die Wünsche ihrer "prunksüchtigen" Kundschaft aus den verschiedenen, besonders adligen Gesellschaftsschichten nach etwas Außergewöhnlichem, nach etwas Modischem für ihre Kamine.

 

2. Auf Ofenplatte am Kastenofen in der Kirche

Nach der ersten Nutzung der Gussplatten mit Motiven im Kaminbau kam es dann zur Anwendung auch bei den freistehenden Eisenplattenöfen. So ein Kastenofen etwa von 1768 ist in der Macherner Kirche erhalten geblieben (Bild u.).

     

Der Kastenofen in der Patronatsloge der Macherner Kirche mit 6 kunstvoll gestalteten Ofenplatten,
gestiftet wahrscheinlich von Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau: eine mit dessen Grafenwappen (Bild r.) und zwei mit gleichem Motiv (nackte Artemis  mit Köcher und Pfeil, umgeben von 2 Jagdhunden und 2  Eroten, die Geschichte mit dem Jäger Aktaion andeutend),  zwei mit freien Dekorationselementen und eine mit unklarem Motiv eines nackten Jungen mit Fahne).

3. Auf Relieftafel am historischen Brunnen vor dem Rathaus

An einem der 18 Sandsteinblöcke des Macherner Brunnens ist die gegossene Relieftafel mit dem Lindenauischen Grafenwappen angebracht (Bilder).

  

Die künstlerische Gestaltung der Brunnenanlage lag in den Händen der Macherner Künstlerin Maria-Petra Ondrej  und wurde  2002 fertig gestellt. Zum Brunnen gehören noch zwei Wappen auf  anderen Relieftafeln: das  Wappen der Gemeinde Machern und das Wappen der ehemaligen Rittergutsfamilie Schnetger.



Machern, 05. 05. 2011/Prof. Dr. Heinz Mielke