Farbenprächtige Flora im Macherner Schloßpark

-Naturschönheiten und Jahreszeiten-

Dritter Teil:

Beobachtungen auf der Schloßterrasse

1. Die Harmonie des Blütenkonzerts

Blumen, Gewürzpflanzen und Exoten

Von Mai bis Oktober blühen auf der Schloßterrasse die Blütenpflanzen. Sie stehen auf Beeten, die von kurz gehaltenen Buchsbaumhecken umrahmt sind. Das Blühen erfolgt in einer schönen Farbharmonie, indem durch gärtnerische Kunst auf der Terrasse ein ständiger Wechseln der Blütenfarben erfolgt. Auch ein Gewürzpflanzenbeet ist vorhanden.


Auf dem hinteren Teil der Schloßterrasse blühen mit ausdrucksstarken weißen Rispen die schönen Prachtspieren oder Astilben. Auf dem Beet davor sind Blumen und ein Farn zu sehen.

2. Die Dekorationsblätter der Antike

Weicher Akanthus (Acanthus mollis)

Der Akanthus im Topf auf der Schloßmauer der Terrasse wird irrtümlich dem Bärenklau zu geordnet. Es gibt viele Akanthus-Arten dieser im Mittelmeerraum, in Afrika und Asien beheimateten Pflanze. Der Weiche Akanthus besitzt stark buchtig eingeschnittene Blätter, deren Blattlappen nicht bedornt sind wie bei anderen Arten. Wenn der im Hause überwinterte Akanthus hier auf der Schloßterrasse zum Blühen kommen sollte, dann stehen die weißen, lila geaderten Blüten von Juli bis August in lockeren Ähren.

Diese wuchtigen Akanthusstauden wurden in Athen im Nationalgarten gleich hinter dem Parlament fotografiert. Dort sind für diese Pflanzenart beste klimatische Bedingungen sowohl für das sommerliche Gedeihen als auch für die gefahrenlose Überwinterung.


Die schönen Blattformen des Akanthus dienten antiken Bildhauern als Vorlage zu den korinthischen Säulenköpfen. Im Bild sind ihre späteren Nachbildungen am Ungarischen Nationalmuseum in Budapest dargestellt.

Vor 200 Jahren fanden sie auch künstlerische Anwendung in Machern. In der vom Dresdener Friedrich August Klinsky um 1793 in Grisaille voll ausgemalten Ritterstube des Schloßes Machern weisen an der Decke 8 Darstellungen mit jeweils 6 in der Mitte verbundenen Akanthusblättern darauf hin. 4 von ihnen sind in dieser Mitte "naturell" gemalt (wie im Oberteil des Bildes), während die anderen 4 jeweils unterschiedliche "Rundgesichter" erkennen lassen (wie im Unterteil des Bildes ). Der Sinn dieser Gesichter ist nicht bekannt: Dämonen oder Geck?

In der 200 Jahre alten, künstlich angelegten Ritterburg im Macherner Schloßpark gibt es eine Reliefdarstellung, die interessanter Weise den Bildern in der Ritterstube sehr ähnelt, aber nur 3 Akanthusblättern aufweist. Sie befindet sich im Turmaufgang in der 3. Etage über der Tür zum Balkonzimmer.

3. Die südliche Exotik im Kübel

Araukarie (Araucaria heterophilla)

Mit schönen Erinnerungsgedanken wird die Araukarie im Schloßinnenhof von denjenigen zur Kenntnis genommen, die auf Reisen in südlichen Gefilden meist verwundert diese exotische Baumschönheit gesehen haben, dort in freier Natur groß und wuchtig. In deutschen Landen ist sie unter dem Namen "Zimmertanne " bekannt und dient in kleinerer Größe vorrangig der häuslichen Innendekoration.

Die Araukarie ist ein Baum mit ausladenden Ästen in regelmäßig angeorgneten Wirteln. Die Äste werden von derben stachelartigen und einwärts gekrümmten Blättern mit starren Spitzen umwachsen. Im linken Bild ist die größte Araukarie im südlichen Portugal zu sehen. Sie steht im Kurort Caldes de Monchique in der Serra de Monchique und ist 49 m hoch. Auf Zypern steht eine prächtige Araukarie im Innenhof des Frauenklosters Aigios Minas bei dem Bergdorf Vavla (mittleres Bild) und die zwei kleineren befinden sich in Ayia Napa (rechtes Bild).

4. Der paradiesische Schurz von Adam und Eva

Echte Feige (Ficus carica)

In Machern wachsen und gedeihen Feigen. Diese in Kübeln gezogenen und gehaltenen Bäume überwintern bei niedrigen Zimmertemperaturen in einer Unterstellung und präsentieren sich in der warmen Jahreszeit auf der Schloßterrasse. Die beiden Bilder zeigen sie im Sommer und Herbst 1998 mit Bättern und Früchten. Die Reife letzterer ist ein komplizierter Prozeß (Feigenfliege und so weiter).
Die Größe ihrer Blätter hätte auch Adam und Eva im Paradies für den gebotenen Schutz gereicht.
In der Bibel steht dazu geschrieben: "Da wurden ihrer beiden Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten Schürze." (1. Mose 3.7), und Lucas Cranach d. Ä. sah die beiden beim Sündenfall etwa so, wie hier bearbeitet dargestellt, oder so, wie er sie1531 original getrennt gemalt hat.

5. Der Wappenbaum der Imperatoren

Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa)

Einer der schönsten und interessantesten Bäume in Machern ist die Paulownie auf der hinteren Schloßterrasse.Sie blüht im Mai immer vor der Belaubung, und 1998 tat sie es besonders prachtvoll (Bild). Dieser Anblick verrät ihre Außergewöhnlichkeit.

Nach der Blühte grünt und fruchtet der Baum. Er bildet Fruchtkapseln an den endständigen Rispen aus. Die Paulownie stammt aus China und Japan und ist ein schnellwüchsiger Baum. In Japan war es Tradition, zur Geburt einer Tochter eine Paulownie zu pflanzen und zu deren Vermählung dann das Holz zur Anfertigung einer Hochzeitstruhe zu nutzen.

Auf den Bilder sind zu sehen: mehrere in braunen Filz gehüllte Blütenknospen an einer endständigen Rispe und kleine, sich gerade entfaltende Blätter (links), eine rosaviolette Blüte in Glockenform (Mitte) und ein Blatt, auf dem grüne Fruchtkapseln gelagert sind (rechts). Die Blätter der Paulownie sind breit oval und herzförmig sowie fein und weich befilzt.

Im Herbst verliert die Paulownie ihre Blätter und zurück bleiben die nun braun gewordenen großen spitzovalen, an der Spitze schnabelförmigen Fruchtkapseln mit klebrigem äußerem Mantel. Jede Kapsel enthält bis 1200 kleine geflügelte Samen. In Japan gewinnt man daraus ein schnelltrocknendes Öl für die Lack- und Papierindustrie. Dort heißt der Blauglockenbaum seit altersher "Kiri". Im 19. Jahrhundert erhielt er von Botanikern den wissenschaftlichen, international verbreiteten Namen "Paulownia tomentosa" . Das "Paulownia" bezieht sich dabei auf die Tochter des russischen Zaren Pawel I., auf die Zarewna Anna Pawlowna (1795-1865), die auch niederländische Königin war. Andere Namen für den Baum sind "Paulownia imperialis" und "Kaiser-Paulownie".

Das ist das "Kirimon", das Wappen der japanischen Kaiser seit dem 12. Jahrhundert. Sie benutzen es zusammen mit dem Hauptwappen, dem "Chrysanthemen-Wappen". Das "Kirimon" trägt von der Paulownie 3 Blätter und 3 Rispen mit Blütenknospen ("Five-Seven-Five"). Beim Sonnenorden und beim Paulownia-Sonnenorden ist das "Kirimon" Verbindungsteil vom Stern zum Schulterband.
Seit 1888 wird der "Orden der aufgehenden Sonne mit Paulownia-Blüten" ("Paulownia-Sonnenorden") am Schulterband zusammen mit einem Bruststern als zweithöchste Auszeichnung des Japanischen Kaiserreiches an herausragende Persönlichkeiten verliehen.
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Machern, 16. 06. 1999/Prof. Dr. Heinz Mielke
Erweitert: 31. 10. 1999