Farbenprächtige Flora im Macherner Schloßpark

-Naturschönheiten und Jahreszeiten-

Erster Teil:

Beobachtungen vor dem Schloßpark

Bevor man den Macherner Schloßpark betritt, sollte man sich schon auf dem Platz vor der Kirche und dann auf dem Platz unmittelbar vor dem Schloß in den Bann der weiß und rot blühenden Baumgruppen ziehen lassen, was besonders für die Monate Mai und Juni gilt.

1. Das Kastanien-Tor

Gemeine Roßkastanie (Aesculus hippocastanum)

Wuchtig stehen die zwei alten Roßkastanien als monumentale Eckpfeiler eines Tores da, das schon vor mehr als 200 Jahren eine der Ein- und Zufahrten zum Schloß Machern war.
Die Gemeine Roßkastanie gehört bei Jung und Alt zweifelsfrei mit zu einem der am besten bekanntesten Bäume. Dazu tragen ihre großen und typisch geäderten Blätter, die prachtvollen aufwärtsstehenden weiß-rot gefleckten Blütenkerzen und der glänzend-glatte braune Kastaniensamen in der mit Stacheln besetzten grünen Fruchtschale wie überhaupt auch ihr häufiges Vorkommen bei. Ihre Früchte sind im Gegensatz zu denen der Edelkastanie, den Maronen, für die Menschen nicht geniesbar, wohl aber für das Wild und die Haustiere wie Schweine und Pferde. Daher der Name Roß- oder Saukastanie. Nach einer anderen Deutung wurden in der Türkei die Kastanien als Arznei an Pferde verabreicht. Dadurch entstand der Name Roßkastanie. Aus den Früchten und der Rinde der europäischen Roßkastanie werden tatsächlich seit langem Medikamente auch für den Menschen zubereitet, wie das Aescusan von Jenapharm zur Stärkung der Venenfunktion an den Beinen.

2. Die Robinien-Wand

Robinie (Robinia pseudoacacia)

Links neben dem Kastanien-Tor bilden 24 alte hohe Robinien entlang der ehemaligen Schloßgartenmauer eine attraktive, Ende Mai/Anfang Juni weiß blühende und angenehm duftende Baumwand. Der Name Robinie geht auf den Gärtner am französischen Königshofe Jean Robin zurück, der im 17. Jahrhundert mit der Einfuhr der ersten Samen aus dem östlichen Nordamerika zu tun hatte. Da die Robinie oft fälschlich als Akazie angesehen wurde, bürgerte sich der Name "Akazie" ein. Auch gegenwärtig nennt man sie landläufig immer noch so. Richtig ist aber wenigstens Scheinakazie.
In langen Rispen hängen die weißen Blütentrauben an den Robinien, die manchmal im September noch einmal blühen. Die Fruchthülsen mit Samen sind bis zum Winter, oft sogar bis zum Frühjahr an den Bäumen.

3. Das Rotdorn-Dreieck

Rotdorn (Crataegus laevigata)

Der Dreiecksplatz vor der Macherner Kirche wird eingesäumt von 21 kuglig geschnittenen Rotdornbäumen. Sie bilden ein Seitenspalier für die auf dem Platz stehende Dorflinde. Im vorderen Teil des Dreiecks wurde 1992 von den Bürgermeistern der Gemeinden Macheren in Lothringen (Frankreich) und Machern in Sachsen (Deutschland) eine Freundschaftslinde gepflanzt und eine Gemeindefreundschaft begonnen.
Der Rotdorn ist eigentlich ein Weißdorn mit rosagefärbten Blüten oder die rotblühende Farbvariante des heimischen Weißdorns. Er gehört zu den Rosengewächsen und besitzt verdornte Kurzsprossen, mit denen sich die Pflanze in der freien Natur vor Tierfraß schützt.

4. Die Korkleisten-Rüster

Feldulme (Ulmus campestre)

Betritt man vom Rathaus her den eigentlichen Schloßplatz, dann stößt man vorn rechts auf zwei im Winter und im zeitigen Frühjahr recht exotisch aussehende laublose Bäume. Ohne Sachkenntnis kann man sie namensmäßig nicht gleich einordnen, wenn man nichts von den an den Zweigen junger Bäume feststellbaren Korkleisten weiß. Diese geben ihnen das exotische Aussehen und weisen auf Feldulmen hin.
Jetzt im Mai ist die Belaubung schon weit fortgeschritten, so daß die kleinen weiß-grün leuchtenden und bald gelb werdenden Früchtebüschel von weitem kaum wahrzunehmen sind. Die Feldulme blüht und fruchtet vor der Belaubung genau wie die Bergulme . Ihre Früchte sind Nüsse, umgeben jeweils von einem membranartigen Flugsaum. Dieser ist blaßgrün und elliptisch, wie das links im rechten Bild zu sehen ist. Das Bild zeigt auch die Korkleisten an dem Astteil mit belaubtem Zweig.

5. Der Lindenauische Wappenbaum

Winterlinde (Tilia cordata)

Der Lindenbaum vor dem Schloß wurde um 1960 gepflanzt. Diese Schloßlinde ist eine Winterlinde, die im Monat Juni ihre Blüten aufbrechen läßt und zusammen mit den 15 um sie herum dann blühenden Rosenstöcken dem Schloßplatz ein besondere Note verleiht.
Auch zu gräflicher Zeit vor 200-240 Jahren schmückte eine Linde den Schloßplatz. Sie war Namenssymbol und Wappenbaum des Adelsgeschlechts derer von Lindenau mit Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau und Sohn Carl Heinrich August Graf von Lindenau, der als letzter seiner Lindenau-Linie hier bis1802 residierte. Das oben dargestellte Originalwappen war zusammen mit einer akribischen Beschreibung dem "Diplom zur Erhebung in den Reichsgrafenstand" beigefügt, das Heinrich Gottlieb von Lindenau, Chursächsischer Oberstallmeister, von Kaiser Franz I. 1764 erhalten hatte. Darin steht geschrieben:
"... Wir haben Heinrich Gottlieb des heiligen Römischen Reichs Grafen von Lindenau die besondere Kayserliche Gnade getan und ihn sein bisher geführtes altadliges Ritter- und turniermässiges Wappen nicht nur bestätiget, sondern auch vermehret, und hinfür zu allen Zeiten zu führen und zu gebrauchen gegönnet und erlaubet, als mit einen in die quer getheilten Schild, oben silber, unten grün, in dem gantzen Schild stehet ein grüner Baum mit einem braunen Stamm und gleich farbigen Wurzeln im grünen Feld, begleitet mit drey rothen Rosen mit goldenen Batzen. Den Schild bedeckt eine mit neun Perlen und Edelgestein gezierte gräfliche Cron, auf welche drey angeloffene, roth gefütterte gold gecrönte mit erhabenden Kleinod, der mittlere mit silber und rot, der zur rechten mit gold und schwartz, und der zur linken mit silber und blau herabhangenden Helmdecken gezierte Turnierhelm ruhen,...".(Thüringisches Staatsarchiv Altenburg)
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Machern, 16. 06.1999/Prof. Dr. Heinz Mielke