Eine Betrachtung zu den Erlen im Macherner Park

(Für Park- und Bäumeliebhaber)

Bei einem Spaziergang durch den Macherner Park im Sommer 2005 faszinierte den Spaziergänger das Blattwerk eines Baumes (Bild u.). Die Blätter mit den tiefen Schlitzen deuteten auf einen ihm nicht bekannten Baum hin. Nachfragen bei Spezialisten führten zu keiner befriedigenden Erkenntnis. In einer E-Mail vom Juni 2007 heißt es dabei: "In Betracht ziehe ich neben Maulbeere (Sorbus) vor allem die Schlitzblatt-Birke und Formen von Schwarzerle (Alnus glutinosa f. laciniata oder f. sorbifolia). Falls sich Blüten oder Früchte zeigen sollten, könnte man wahrscheinlich besser entscheiden."


Das faszinierende Blattwerk des bis 2010 namentlich nicht genau bekannten Baumes im Macherner Park.

Erstmalig zeigten sich Blüten  als Kätzchen an diesem Baum  im März 2010 (Bilder u.). Nun konnte unter Hinzuziehung inzwischen weiterer gewonnener Erkenntnisse geschlossen werden, dass es sich bei dem Baum mit dem faszinierenden Blattwerk um eine Geschlitztblättrige Grauerle (Alnus incana Laciniata) handelt. In Parkunterlagen wurde auch gefunden, dass dieser Baum unter Anleitung von Katrin Franz, der damaligen Assistentin des Parkdirektors, im Jahre 1990 gepflanzt wurde. Wahrscheinlich ist diese Besonderheit auch das einzige Exemplar dieser Form von Grauerle im Macherner Park.
Aus Wikipedia, dem Internet-Wissenslexikon, erfährt man unter dem Stichwort "Grauerle" von der Geschlitztblättrigen Grauerle nur: 
"Laciniata: ein 10 bis 12 Meter hoher Baum mit ungleich großen, fein und tief eingeschnittenen, hellgrünen Blättern." Bei Google und aus Fachbüchern ist mehr zu erfahren. Dazu später. Bilder (u.) sollen zuerst die Erlensituation im Macherner Park beleuchten, wo es mehrere Schwarzerlen besonders am Nord- und Südufer des Schwemmteiches gibt. Grauerlen sind  wohl nur an dem Weg zu finden, den man jetzt auch "Erlenweg" nennen könnte. Er verläuft unterhalb des Ostuferweges am Schwemmteich von der Blutbuchenallee bis zur Schießwand. Die Bilder mit den Zahlen zeigen ihn teilweise in  Nord- und Südblickrichtung von der Geschlitztblättrigen Grauerle aus.
 

"Erlenweg" (Blick in Nordrichtung) mit sechs blühenden Erlen:
1 Geschlitztblättrige Grauerle (Alnus incana Laciniata), 2-5 Schwarzerlen (Alnus glutinosa), 6 Grauerle (Alnus incana).
 


 
Standplatz einer ehemaligen alten Schwarzerle, die 3 Schwarzerlen (7-9) als Wurzelauswüchse  hinterlassen hat.
 In der Nähe steht gegenüber die Grauerle (6).


"Erlenweg" (Blick in Südrichtung) mit zwei blühenden Erlen:
1 Geschlitztblättrige Grauerle, 10 Schwarzerle.


Blühende männliche Kätzchen an der Schwarzerle,

 
Blühende männliche Kätzchen an der Geschlitztblättrigen Grauerle, nur im Baumwipfel vorhanden (22. 03. 2010).


Blätter und unreife weibliche Zapfen  an der Geschlitztblättrigen Grauerle (Juli 2010).



Übersicht über Blätter und unreife Kätzchen und Zapfen verschiedener Erlenarten:
Die Schwarzerle hat verkehrt eiförmige stumpfe Blätter , oben dunkelgrün und klebrig, mit bis zu 8 Nervenpaaren; die Grauerle hat eiförmige zugespitzte Blätter, unten graugrün, mit mehr als 8, bis 12 und mehr Nervenpaaren; die Geschlitztblättrige Grauerle hat Bätter wie eine Grauerle, aber mit mehr oder weniger tief ausgeprägten Schlitzen.

Die Erlen sind windblütig und einhäusig und getrennt geschlechtlich (monözisch), d. h. sie haben männliche und weibliche Fruchtkätzchen auf einem Baum an unterschiedlichen Stellen. Sie beginnen zu blühen mit 10 Jahren und älter, sogar erst nach 40 Jahren, wie bei der Schwarzerle beobachtet. Sie sind Frühblüher (Februar bis April). Sowohl männliche als auch weibliche Fruchtstände werden immer im Vorjahr sichtbar angelegt (s. Übersicht), die Windbestäubung findet vor der Entfaltung der Blätter statt. Die Fruchtreifung (mehrere einsamige Nussfrüchte befinden sich im Zapfen) erfolgt im September. Die Erlen lieben feuchte und nasse Bereiche, sie sind sehr frosthart und robust.

Machern, 07. 09. 2010/ Prof. Dr. Heinz Mielke