Erika Hofmann: Geschichte von Machern "mitgeschrieben"

So benennt Erika Hofmann in ihrem 83. Lebensjahr in einem Brief an den Autor dieses Berichtes ihre Lebenszufriedenheit, wie das  in dem Faksimile mit ihrer schönen Handschrift offen gelegt wird (siehe auch Gemeindeblatt Machern Nr. 160/2008, S. 22 ):



Das war  drei Monate vor ihrem  Ableben  2008. Sie war eine starke Frau, die in Machern lebte, arbeitete und wirkte.
Zuerst war sie Kindergärtnerin und Leiterin des Macherner Kindergartens, später Hortnerin, dann Helferin bei der Volkssolidarität (Gemeindeblatt Machern Nr. 161/2008). Sie heiratete 1949 Hans Hofmann, den ersten neuen Lehrer und Schuldirektor in Machern nach dem II. Weltkrieg und war Mutter von  2  Kindern.

                          
                  Erika Hofmann   (1925-2008)                                 1951: Erika Hofmann als Kindergärtnerin in Machern

Hella Schroth, die Tochter von Erika Hofmann, gibt an Beispielen bezeichnende Einblicke in das  Machern-verbundene Wirken ihrer  Mutter (aus einem Antwortbrief an den Autor dieses Berichtes auf dessen Anfragen zu Erika Hofmann):  "Die Rentner trafen sich zum Kaffee im Schloss (Kulturhaus). Es wurden Ausflüge gemacht, und meine Mutter war  vornehmlich diejenige, die für die "kulturelle Betreuung" sorgte. Sie hatte ein unwahrscheinliches Organisationstalent, das ihr half, auch unmögliche Dinge möglich zu machen. So besorgte sie für die Liederbögen, die sie mit der Schreibmaschine schrieb und dann vervielfältigte, von einer Papierfabrik kostenlos reißfestes und unbrennbares Papier, was eine Neuentwicklung war. Damit wurden die Mappen gefertigt, die heute noch existieren und nicht tot zu kriegen sind.
Ein anderes Mal (1970/71) wurde im Saal des Gasthofes Stadt Leipzig ein Programm von Machernern aufgeführt. Dabei auch "Tanz im Wandel der Zeiten". Die fehlenden Kostüme dazu besorgte Erika Hofmann, indem sie einfach den Friedrichstadt-Palast anschrieb und ihr Anliegen schilderte. Wenige Tage später kam ein Riesenkarton mit ausgemusterten Kostümen des Balletts, u. a. von Susann Baker und Emöke Pöszteny. Sie hat sich für die Rentner über viele Jahre hinweg, eigentlich fast bis zu ihrem Tode engagiert.                   

 
Fleißige Helfer der Volkssolidarität in Machern: Seidel (damalige Leiterin), Hiller, Lehnhardt und Hofmann (v. l.)


1971: Vorweihnachtliche Kaffee- und Kuchentafel  der  Volkssolidarität im Kulturhaus von  Machern

Über viele Jahre hinweg schrieb sie im Namen der Volkssolidarität für die betagten Geburtstagskinder monatlich um die 25 Glückwunschkarten. Erst als die Kraft nachließ ab etwa 2005, war sie nur noch Rentnerin und ließ sich betreuen. Es waren zu dieser Zeit auch nicht mehr so viele von den alten Machernern da, dafür aber viele neue Gesichter, die sie nicht kannte. Den Kontakt zu den alteingesessenen  Rentnern hatte sie aber dennoch durch Besuche und Telefonate immer erhalten."  Soweit Hella Schroth.



Die Macherner Veteranen auf der Freitreppe des Kulturhauses vor einer Ausfahrt ( Erika Hofmann ganz rechts).

Der Rundblick (Nr. 2/1981 S. 173) schreibt unter einem ähnlichen Bild wie oben: "Es vergeht wohl kaum ein Dienstag, an dem sich nicht eine ganze Anzahl der Veteranen des Dorfes im Kulturhaus trifft. Die Volkssolidarität organisiert öfter was Neues, und bei Kaffee und Kuchen lassen sich die Erinnerungen an vergangenen Jahre austauschen."

Es wäre dringend geboten, die neuere Geschichte der Volkssolidarität in Machern, die auch besonders gekennzeichnet  ist durch viele neue Gesichter,  im Gemeindeblatt Machern unter Federführung  ihrer Aktivsten, wie Thea Reichel eine ist, zu veröffentlichen.



Leipzig, 12. 11. 2012 /Prof. Dr. Heinz Mielke/