Die Eisenbahnbrücken von Machern

Vier Brücken überquerten einst die L.D.E.-Gleise im Geländeeinschnitt von Machern
Heute ist es nur noch eine einzige

Vor 164 Jahren begannen am 1. März 1836 in Machern die Erdarbeiten, die nach zwei Jahren zu einem 3,2 km langen und bis 11 m tiefen Einschnitt in das hüglige Gelände führten. Hier entlang sollte der Schienenstrang der L.D.E., der "Leipzig-Dresdener-Eisenbahn-Compagnie", verlaufen, erst ein-, später bald zweigleisig. Rund 482 000 Kubikmeter Erdmassen mussten bewegt werden, anfangs ohne jegliche Technik, dann mit Hilfe von Gespannen und am Ende mit einer aus England stammenden Lokomotive ("Komet"). Scherzhaft übertrieben wird berichtet, dass damals dort ein Menschengewimmel wie beim Bau der Pyramiden in Ägypten war. Die bewegten Erdmassen wurden zu Bahndammaufschüttungen an anderen Stellen genutzt. In Machern selbst enstanden dabei fünf künstliche Hügel: so aus Richtung Leipzig rechts von der Bahnstrecke der Schwarze Berg und der Schneckenberg sowie gegenüber des heutigen Kindergartens der Zeititzer Berg (nicht zu verwechseln mit dem geografisch definierten Berg gleichen Namens ungefähr 400 m südlicher). Die links der Bahnstrecke liegenden zwei Erhöhungen wurden die Kirschberge genannt. Der erste reicht aus Richtung Leipzig bis zu dem heutigen Parkplatz gegenüber vom Gasthof Machern. Der zweite beginnt etwa dort, wo die Lindenallee in die Wurzener Straße einmündet und erstreckt sich über einige Hundert Meter zwischen B 6 und Schienenstrang in Richtung Wurzen. Früher blühten dort die Kirschbaumplantagen strahlend weiß und gaben reiche Ernte. Daran können sich heute noch viele Macherner erinnern.

Der aufwendige Erdeinschnitt bei Machern war für die Erbauer der L.D.E.-Strecke noch mit weiteren Schwierigkeiten verbunden. Das betraf seine Überbrückungen. Den Machernern sollten durch den angelegten "tiefen Graben" keine Nachteile entstehen etwa durch die Behinderung der gewohnten Zufahrten zu ihren südlich davon gelegenen Felder. Auch die Wege nach Brandis, Polenz, Zeititz und Leulitz waren für die Bevölkerung zu garantieren. Also bekamen alle vorhandenen Wege auch entsprechende Brücken über den Einschnitt, insgesamt vier.
Das geht aus dem 1839 gedruckten und 1989 neu herausgegebenen "Panorama der Eisenbahn zwischen Leipzig und Dresden" hervor (Bild). Ab Mai 1838 fuhren die Züge dann von Leipzig bis Machern und ab Juli 1838 bis Wurzen, aber schon ab April 1839 auf der ganzen Strecke bis Dresden und jeweils zurück.


Die ehemaligen vier Macherner Brücken in einer Darstellung aus dem Jahre 1839.

Die erste Brücke aus Richtung Leipzig bei Machern befand sich am Schwarzen Berg und war damals schon sehr stabil aus Steinen errichtet worden. Sie ermöglichte die Fortführung des Weges nach Brandis. Es gibt leider keine weiteren Kenntnisse über sie. Wahrscheinlich verlor der dortige Weg nach Brandis an Bedeutung, weil ein neuer von der zweiten Brücke aus nach Brandis entstanden war. Deshalb wurde sie wohl schon 1884 abgerissen. Ältere Macherner erinnern sich in diesem Zuammenhang an einen inoffiziellen Schienenübergang etwa an dieser früheren Brückenstelle, "der besonders von den Jägern benutzt wurde". Früher hatte der Weg von der Leipziger Straße zu dieser Brücke den Namen Jagdweg (s. Beyreuther, 1938).

Die zweite und die dritte Brücke entstanden erst als hölzerne Bockbrücken, wie sie auch in den Machern-Büchern von Bormann und Franz (1991) und im Sax-Album (1995) abgebildet sind.


Bild von den beiden Brücken um 1840.
Hinten ist die Zeitizer und vorn die Brandiser Brücke zu sehen. Die Eisenbahnstrecke ist noch eingleisig. Zwischen den Brücken liegt der Haltepunkt Machern.
Ihre späteren Massivbaue waren Wölbbrücken mit 6, 95 m Weite und halbkreisförmigen Bruchgewölbe mit Eckarmierung und hohen Stirnen über zwei Pfeilern. Sie existierten bis in die sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts.
Die zweite, die Brandiser Brücke, garantierte in den ersten Jahren den Weg von Machern nach Polenz, später dann auch den nach Brandis. Sie stand in Fortführung einer Straße, die heute als Parkplatz gegenüber dem "Gasthof Machern" (früher "Stadt Leipzig") dient, und wurde am 10. Oktober 1968 abgerissen.

Die ehemalige Brandiser Brücke, vom Haltepunkt Machern aus in Richtung Leipzig gesehen, kurz vor dem Abriss im Jahre1968

Die dritte, die Zeititzer Brücke, ermöglichte den Weg nach Zeititz und Leulitz. Sie stand in Fortführung der die Wurzener Straße kreuzenden Lindenalle nach Süden und wurde am 11. Juni 1968 abgerissen. Im gleichen Jahr war am 28. August der Verkehr über die neuerbaute Macherner Spannbetonbrücke freigegeben woren. Da stand noch die Brandiser Brücke.


Die ehemalige Zeitzer Brücke, in Richtung Wurzen gesehen, kurz vor dem Abriss 1968.

Die vierte Brücke war eine hölzerne Sprengwerkbrücke. Ohne Pfeiler überspannte sie die Gleise im Gebiet des sogenannten weichen Einschnittes und garantierte die Fortführung des Wirtschaftsweges von der Wurzener Strasse auf die Felder südlich der Bahnlinie. Das Land, auf dem heute das Wohngebiet Schlossblick steht, gehörte auch dazu.


Bild von der Sprengwerkbrücke um 1845.
Die Strecke ist zweigleisig. Nach englischem Vorbild wird noch links gefahren.
Im Hintergrund ist die Zeititzer Brücke zu sehen.
Die Brücke erhielt später einen stabilisierenden Ausbau und hieß fortan Spannbrücke. Im Zusammenhang mit der Bahnelektrifizierung wurde sie als erste der drei damals noch vorhandenen Macherner Brücken am 31.Oktober 1965 abgerissen. Die Oberleitungen erforderten nämlich eine größere lichte Weite als sie die Spannbrücke besaß. Bei den beiden anderen vorgenannten Brücken war die Durchfahrtsbreite der zweigleisigen Strecke zwischen den beiden Pfeilern für moderne schnellfahrende Züge zu eng.

Als Vorbereitung auf den Bau der neuen Brücke mit einer vorgelagerten zentralen Kreuzung im Ortszentrum von Machern ist der Abriss des Gasthofes "Zur Eisenbahn" einzuordnen, der schon vor 1939 begann, jedoch erst kriegsbedingt nach 1945 vollendet wurde. Damit war Baufreiheit für ein Stück Polenzer Straße von der Kreuzung aus geschaffen, an die sich der neue Brückenübergang anschloß, um danach in drei Richtungen weiterzuverlaufen: nach dem Macherner Waldwinkel und dem Flugplatz Brandis-Polenz (geradeaus), nach Brandis (rechtsab) und nach Zeititz-Leulitz (linksab). Der Brückenbau wurde in den Jahren von 1966 bis 1968 bewältigt. Und Machern hatte eine neue Spannbetonbrücke (Bild). Wenn gefragt wird, ob ihre Lage damals auch zweckmäßig gewählt wurde, so dürfte die Antwort bei allem Für und Wider in Bezug auf nur eine Brücke wohl eindeutig ja lauten.


Die neue Macherner Spannbetonbrücke am 4. September 2000.

Am 18. September 2000 begannen an dieser Brücke umfangreiche Sanierungsarbeiten, die mit beträchtlichen Verkehrseinschränkungen des jetzt nur halbseitigbefahrbaren Überganges verbunden sind. Die Arbeiten sollen nach Informationen des zuständigen Straßenbauamtes Döbeln-Torgau am 30.Mai 2001 zu Ende geführt sein.


Machern, 15. 12. 2000/Prof. Dr. Heinz Mielke
Last updatet: 25. 02. 2001