Zum Jahresgedenken an Margitt von Reclam-Schlee, eine der letzten Nachfahren derer von Lindenau aus Machern

Margitt von Reclam-Schlee verstarb vor einem Jahr am 28. 6. 2008 nach schwerer Krankheit. Die Urne mit ihrer Asche wurde am 25. 7. 2008 auf dem Städtischen Friedhof von Lieberose (Brandenburg) beigesetzt.  Sie bekam einen Platz auf der gemeinsamen Grabstelle der befreundeten Eheleute derer von Lindenau aus Bahrensdorf bei Beeskow und derer von der Schulenburg aus Lieberose. Die Grabstätte war  am 5. 6. 2008 nach einer umfassenden, 3 Jahre andauernden Sanierung bei Anwesenheit von Margitt von Reclam-Schlee eingeweiht worden (Bild). Sie war die Organisatorin und der nimmermüde Aktivator der Sanierung der stark verfallenen Grabstelle, die 2006 in die Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen wurde. Es ist die Grabstätte von Carl Heinrich August Graf von Lindenau, dem berühmten Schöpfer des Macherner Landschaftsgartens und herausragenden Organisator und Leiter der preußischen Pferdezucht sowie  Begründer der Königlich-preußischen Tierarzneischule in Berlin.


Margitt von Reclam-Schlee vor der sanierten Grabstätte derer von Lindenau und derer von der Schulenburg auf dem Städtischen Friedhof in Lieberose am Tage der Einweihung am 5. Juni 2008. Auf einer Erinnerungstafel steht: Wiederhergestellt von Margitt v. Reclam-Schlee, Nachfahrin der Grafen v. Lindenau. Mit freundlicher Unterstützung Ihrer Freunde, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landkreises Dahme-Spreewald und der Stiftung Dahme-Spreewald der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam. April 2008.

                
Die Vorderseiten (links) und Rückseiten der beiden Lindenau-Kreuze, auf denen  steht:

 -Christiane Henriette Gräfin Lindenau, geborene von Arnim aus dem Hause Gröbe, im Königreiche Sachsen.
Gestorben d. 17. Mai 1833

-Dem Andenken des Herrn Carl Heinrich August Grafen von Lindenau,
Königl. Preuß.General Lieutenants und Oberstallmeisters, Johanniter - und vieler hoher Orden Ritters
 
gewidmet

 -Geboren zu Machern bei Leipzig den 21. Februar 1755.
  Vollendet zu Bahrensdorf bei Beeskow den 11. August 1842

    Margitt von Reclam-Schlee, geboren am 6. 5. 1931, trägt den Namen ihrer Eltern, deren Ehe 1934 geschieden wurde. Sie lebte in Berlin. Ihr Ururururgroßvater ist der in Machern geborene Wolff Gottlob von Lindenau (1721-1799). Dieser ist der  2 Jahre ältere Bruder von Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau, dessen Sohn Carl Heinrich August Graf von Lindenau ist. Der Großvater von Margitt von Reclam-Schlee ist der Major a. D. und spätere Druckereibesitzer Fritz von Lindenau (geboren 1883), der viel Geld und Zeit in die umfangreiche Ahnenforschung der Lindenaus gesteckt hat. Seine diesbezüglich zusammengetragenen Schätze lagern seit 1946 in den Magazinen des heutigen Thüringischen Staatsarchivs in Altenburg. Ein Teil davon war in den Händen seiner Enkelin Margitt von Reclam-Schlee verblieben. Damit konnte sie 1997 als treues und aktives Mitglied des Fördervereins Schloss und Landschaftsgarten Machern die erste Ausstellung zur Geschichte der berühmten Adels- und Grafenfamilie derer von Lindenau im Schloss zu Machern bereichern, mit Ahnentafeln, Wappennachbildungen, diversen Bilder und Schriften. Diese Ausstellung wurde durch sie eröffnet (LVZ/Wurzener Tgbl. 17.3. 1997). Teile davon werden auch heute noch gezeigt oder ab und an erneut ausgestellt. Margitt von Reclam-Schlee weilte als gern gesehenes und verehrtes Mitglied des genannten Fördervereins oft in Machern und nahm repräsentative Aufgaben wahr. So sprach sie zu den Parkfesten Worte der Begrüßung: 1998 bei der Einweihung des Macherner Hirschgartens als Patin von Hirsch Heinrich und 1999 bei der Einweihung des Käuzchenbades mit neu geschaffener Käuzchenstatue in der "Hölle" des Macherner Landschaftsgartens. Sie nahm als Ehrengast an den beiden Kolloquien  "Carl Graf von Lindenau -  Leben, Werk und Wirkung"  (2005) und "Zum Erziehungs- und Bildungsgang des Carl Grafen von Lindenau" (2006) im Schloss zu Machern teil  und begrüßte die Teilnehmer dieser Tagungen, die vom Lionsclub Wurzen "Graf Lindenau" veranstaltet wurden. Danach richtete sie ihre ganze Kraft auf die Bewältigung der umfangreichen Sanierungsaufgaben des immer mehr zerfallenden und stark verwitterten Denkmals ihrer Vorfahren auf dem Friedhof von Lieberose mit  selbst hochgestellter Zielstellung aus. Sie erlebte deren Erfüllung zwar glücklich und stolz, war  aber durch Krankheit schon so schwer gezeichnet, dass ihr danach nur noch zwei knappe Lebenswochen verblieben.

Machern, 10. 07. 2009/Prof. Dr. Heinz Mielke

(Fotos: Ulrike Lutz, Neustadt/Dosse)