Wappen derer von Lindenau (1):
das älteste, jüngste und schönste

 Die Edlen von Lindenau gehören dem Meißnerschen Uradel an und leiten ihren Namen von dem  Ort Lindenau bei Leipzig ab, der als ihr Stammsitz angesehen wird. Weitere  Stammsitze waren Machern bei Wurzen, Polenz  und Ammelshain bei Grimma sowie Schmorkau bei Altenburg. Dort besaßen sie Rittergüter und engagierten sich über die Jahrhunderte oft in exponierter Stellung für  ihre Landesfürsten  (so als Ritter, Offiziere, Kammerherren, Kammerjunker, Amtshauptmänner, Staatsminister, Oberhofmundschenk, Stall-, Oberstall-, Oberforst-, Oberwild-, Oberfisch- und Oberküchenmeister u. a.).


Die von Lindenau führten ein Ritterwappen
mit einem entwurzelten Lindenbaum und drei Rosen im Triangel auf dem Wappenschild, der geschmückt war mit einem  geöffneten Turnierhelm, zwei Kelchen mit Straußenfedern und  Helmdecken.
(Siebmachersches Wappenbuch: Sächsischer Adel, Bd. II, 3, 1765) 

Anknüpfend an das Lindenau-Wappen, nutzt die (christliche) Gemeinde Lindenau ein ähnliches Schildsymbol auf ihrer Flagge mit griechischen Kreuzen wie ihre früheren Herren, die Lindenaus, und weist damit ebenfalls wie diese auf den Lindenwuchs in ihrem Auenwohnort hin (Bild u.).


 
Nathanaelkirche Lindenau: Wappenfahne in derAusstellung "800 Jahre  Lindenau" (Leipzig 2002).

Im Folgenden werden die Lindenau-Wappen vorgestellt, die  heute noch im Original vorhanden sind und  einen hohen denkmal- und anschauungswürdigen Wert besitzen.

Das ältestes Lindenau-Wappen
 (als Ritterwappen in  der Kirche von Machern)

Das Wappen befindet sich auf dem Epitaph des Wolff von Lindenau (aus Rochlitzer Porphyr), das vor mehr als 470 Jahren gefertigt wurde. Von diesem Edlen ist wenig bekannt. Nach Valentin König im Band 3 seiner "Genealogischen Adels-Historie" von 1727 hat Wolff von  Lindenau, der ein großer Bewunderer der Lehre Luthers war und diese beförderte, zusammen mit Luther 1530 am Reichstag in Augsburg teilgenommen. Dort soll er an einem sanften Schlag verstorben sein.


Der Grabstein  verweist allerdings auf 1536, wobei nicht bekannt ist, ob die 6 darauf möglicherweise eine 0 bedeutet und die Jahreszahl dann 1530 wäre. Der Grabstein hat eine Größe von 77:175 cm. Seine nicht mehr ganz vollständige Umschrift lautet:

 Im jar 1536 ist in
Gott vorschiden der gestrenge und vest wolff von lind
enaw der elter ---
----------------ist alhie begraben dem Gott gnedig sei  .

Diese Grabplatte wurde schon einmal 1898 in dem Buch "Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen" von Cornelius Gurlitt  beschrieben und fast ebenso gedeutet, nur ohne "der elter" und mit einem "und" vor dem "ist".
Zu der damaligen Zeit lebte  in Machern noch ein  anderer Wolff von Lindenau (1519-1589), der 1561 als Nachfolger von Heinrich von Lindenau der  Erb- und Lehnsherr von Machern wurde. Er war der jüngere Stiefbruder von
Wolff  und Heinrich von Lindenau und stammte aus der zweiten Ehe ihres Vaters Albrecht von Lindenau (M. Samuel Schneider, Pastor von Gerichshayn: "Nachrichten von dem adlich Lindenauischen Geschlechte, ältere Linie, zu Machern" in G. I. Grundig : "Sammlung von vermischten Nachrichten zur Sächsischen Geschichte" 6. Band, 1771, Chemnitz).

Das jüngste Lindenau-Wappen
(als Ritterwappen am Treppenturm von Schloß Machern)

Es befindet sich  außen über der Tür zum Innenhof und ist die Sandsteinkopie des vormals stark verwitterten Lindenau-Wappens. Der Bildhauer Fritz Böhme aus Hohndorf fertige  diese Kopie 1991 nach einer Fotografie an (siehe Bilder). Sie stellt das jüngste eherne Lindenau-Wappen dar.

                       
Das jüngste Lindenau-Wappen ist eine Kopie von 1991 (l.)  des alten,  verwitterten Wappens (r.)

 

Das schönste Lindenau-Wappen
(als Grafenwappen über dem Eingangsportal von Schloß Machern)

     
Das Lindenauische Grafenwappen in Stein am Schloß zu Machern (l.) und als farbiges Papierbild in der Beilage zum Gnadenbrief im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg (s.u.)

 In der Beilage zum Gnadenbrief Kaisers Franz I. vom 8. 8. 1764 zur Erhebung in den Reichsgrafenstand von Heinrich Gottlieb von Lindenau, Kurfürstlich-Sächsischer Oberstallmeister und Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Machern (1723-1789) heißt es:
"...Wir obenerwehnten Heinrich Gottlieb des heiligen Römischen Reichs Grafen von Lindenau die besondere Kaiserliche Gnade gethan, und ihn sein bisher geführtes alt adliches Ritter und turniermäßiges Wappen nicht nur bestätigt sondern auch vermehret, und hierfüro zu allen Zeiten zu führen und zu gebrauchen gegönnet und erlaubet haben."
Diese „Vermehrung“ erstreckt sich auf die Grafenkrone über dem Schild mit den 9 Edelsteinen an den Zacken, auf die beiden geöffneten und geschmückten Turnierhelme mit den Pfauenfedern und den Büffelhörnern mit gekreuzten  Lanzen sowie auf die oben zentrierte Rose, auf den geschmückten Stechhelm an der rechten Seite des Schildes und auf den Löwen mit Lanze als Schildhalter auf der anderen Seite.
Mit der kaiserlichen Vermehrung des Grafenwappens hat die am  Steinwappen unten angebrachte Darstellung eines Ordens nichts zu tun. Es handelt sich um den russischen Alexander-Newski-Orden, dessen Träger Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau diese seine Auszeichnung auf diese Weise zur öffentlichen Kenntnis gibt.
Drei weitere dieser Grafenwappen existieren noch, und zwar zwei aus Stein , jeweils eins am Altan von Schloß  Machern und eins im Kulturhistorischen Museum von Wurzen als geborgener, aber beschädigter Türschlussstein der 1919 abgebrannten Wurzener Stadtmühle, deren Besitzer der Graf war, und das dritte als gusseisernes Relief am Ofen in der Patronatsloge der Kirche zu Machern.


Wappen derer von Lindenau (2):
das größte, kleinste und härteste

Das größte Lindenau-Wappen
(als Teil des Allianzwappens auf dem Treppenpavillon von Schloß Vitzenburg)

Im Jahre 1748 heiratete der Hofrath Friedrich Moritz von Heßler aus Vitzenburg bei Nebra an der Unstrut die 23-jährige Christiane Elisabeth von Lindenau,Tochter des Macherner Rittergutsbesitzers Gottfried Anshelm von Lindenau. Sie war die jüngere Schwester des späteren Grafen Heinrich Gottlieb von Lindenau. In den Jahren 1764 bis 1767 errichtete Heßler auf alten Fundamenten das neue Schloß Vitzenburg im Barockstil mit einem Treppenpavillon, auf dessen Dach sich eine große Skulpturengruppe aus Sandstein  ausbreitet. Ihren Mittelpunkt  bildet das große Allianzwappen mit den beiden Schilden der Wappen  derer von Heßler und derer von Lindenau , das von einer fünfzackigen Adelskrone überspannt wird.

  
Der Treppenpavillon von Schloß Vitzenburg mit Allianzwappen derer von Heßler und Lindenau


Die Sandsteinskulptur des Heßlerschen Wappenschildes lässt die Anordnung der 3 von links gelegten Sturmpfähle erkennen. Seine farbige Darstellung (Bild u.) zeigt die rot in spitzenweiß gespaltenem silbernem (weißem) Schild gelegten Sturmpfähle.


Heßler-Wappen


Im Lindenauischen Wappenschild der Skulptur (s. o.) sind der entwurzelte Lindenbaum und die 3 Rosen  (2  davon hell restauriert) gut zu erkennen. Es ist die größte derzeit existente Lindenauische Wappendarstellung.

Die Ehe der Heßler/Lindenau blieb kinderlos. Das Schloß Vitzenburg erbte  1803 Heßlers älteste Schwester. Die Besitzer hießen nun von der Schulenburg-Heßler, danach ab 1930 von Münchhausen. 1947 erfolgten Enteignung und Bodenreform. Das Schloß Vitzenburg wurde auf verschiedene Weise weiter genutzt, anfangs als  Landwirtschaftsschule mit Schulgut, die der Autor dieser Zeilen 1948/49  als Internatsschüler ("Schloßbewohner") absolvierte. Das Allianzwappen mit dem Lindenauischen Wappenschild hatte er damals allerdings  auf dem Treppenpavillon des Schlosses nicht wahrgenommen. Erst 2002 erhielt er erstaunt davon Kenntnis.

Das kleinste Lindenau-Wappen
(als Teil eines Allianzwappens auf einem Goldring in den USA)

Die Internetkorrespondenz mit einem in Kalifornien geborenen und dort lebenden Deutschstämmigen aus der Adelsfamilie derer von der Linde, dessen Vater nach dem 2. Weltkrieg von Deutschland nach Amerika ausgewandert ist, führte 2010 zur Erkenntnis, dass sich das kleinste existente Lindenau-Wappen auf einem Goldring in den USA befindet: Dieser ist ein Siegelring mit Wappen-Gravur. Sein Besitzer, der genannte deutschstämmige Kalifornier, berichtet, dass ihm der Goldring zum Andenken an seine Vorfahren, an seinen Urgroßvater in Forst (Lausitz/Deutschland), von seinem Vater übergeben wurde, genauso wie dieser ihn schon von seinem Vater erhalten hatte. Die genaue Herkunft und Entstehung des Ringes sind aber unvollständig ergründet. Zwei Fotos von dem Ring (Bilder u.) kamen nach Machern in Sachsen mit der Bitte um Hilfe bei der Klärung offener Fragen im Zusammenhang mit der familiären Zuordnung der beiden Wappen auf dem Ring. 

         
Wappendarstellung auf dem Siegel-Goldring direkt (Bild l.) und
als fiktiver Siegelabdruck (Bild r.) horizontal gespiegelt, mit anderer Aufnahmentechnik
Der Goldring trägt ein Allianzwappen mit Adelskrone und darunter mit zwei Wappenschilden, der eine gehört zum Wappen der Familie derer von Lindenau mit dem Lindenbaum und den 3 Rosen (Bild vorn) und der andere mit den zwei Schrägbalken entweder der Familie derer von Trebra (Bild u. l.) oder der Familie derer von Hutten (Bild u. r.).

             
Wappen der im Bild benannten Adelsfamilie

Die Familie von der Linde, Besitzerin des Goldringes, vertritt die fragliche Auffassung, dass das Wappen mit dem Lindenbaum und den 3 Rosen, also das Lindenau-Wappen, auch ihr Wappen ist genauso wie andere ähnliche Wappen mit Lindenbäumen und Lindenblättern (Bild o. M.). Bezüglich des Lindenbaumes mit den 3 Rosen auf dem Ring  erhebt sich die Frage nach  etwaigen verwandtschaftlichen Beziehungen der Familie derer  von der Linde zu der Familie derer von Lindenau. Solche konnten aber nicht aufgedeckt werden, auch keine der Familie derer von der Linde zu den Familien derer von Trebra bzw. von Trebra-Lindenau* und derer von Hutten. Es ist jedoch bekannt, dass es Vermählungen  von Johann Oskar von Trebra mit Felicie Petrikowski-Lindenau 1841 und von Karl Friedrich Christian von Lindenau  mit Johanna (Janette) von Hutten 1804 gab (Hanna G.-W.:Die Ritteradligen von Hutten. Diss. Uni. Bamberg 2006). Ob das eine oder das andere dieser beiden Adelspaare oder ihre Nachkommen etwas mit dem goldenen Wappenring zu tun haben, ist in Klärung (**). Eindeutig ist, dass dieser Goldring der Träger des existenten kleinsten Lindenau-Wappens ist.

*Ergänzung zu von Trebra-Lindenau:
Felicie von Petrikowski-Lindenau, Enkelin von Gottlob Heinrich von Lindenau (1755-1830) und Erbin seines Rittergutes Polenz, heiratete 1841 Johannes von Trebra.
1854 wurde die königlich-sächsische Namensvereinigung zu von Trebra-Lindenau erlaubt, nicht aber die Vereinigung ihrer Wappen. Die Familie der Felicie von Petrikowski-Lindenau hatte schon seit 1825 ein vereinigtes Wappen mit Stern, Fuchs und Mauer (Petrikowski) sowie mit entwurzeltem Lindenbaum und 3 Rosen (Lindenau) (s. u.). Ihre Eltern  waren August Gottlieb von Petrikowski und Sidonie geborene von Lindenau (Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adligen Häuser.1904).

   

** Ergänzung zu Lindenau-Hutten:
Der Heraldiker und das Hutten-Familienmitglied Philipp Freiherr von Hutten aus Berlin schreibt in einer E-Mail von 2013 an den Autor:
"Es gibt meines Erachtens nach überhaupt gar keinen Zweifel, daß es sich um das Lindenau Wappen und damit um den Ring der Janette von Lindenau geb. v. Hutten handelt. Ein Trebra-Lindenau Wappen kommt sogar aus zwei Gründen nicht in Frage: Zum Einen hat Trebra einen Schwarzen Hintergund im Wappen; diese "Farbe" wird grafisch ebenso wie von einem Graveur so ####  dargestellt, also mit feinen senkrechten und waagerechten Linien; die Farbe rot hingegen wie bei Hutten und auf dem Ring hier nur mit senkrechten Linien. Zweitens ist bei der gespiegelten also der "Siegelabdruck"-Darstellung der "Mann" als Lindenau hier sowohl im Vordergrund als auch heraldisch rechts - also links - zu sehen, so wie es ja korrekt sein muß. Bei Trebra hat ja ein Mann eine Lindenau geheiratet, damit wäre es dort andersherum."

Das härteste (gusseiserne) Lindenau-Wappen

(s. Guss-Wappen in Machern, 2. u. 3. Abschnitt)

                       
Auf Ofenplatte am Kastenofen in der Kirche zu Machern     Auf Reliefplatte am historischen Denkmal von Machern


Machern, 15. 01. 2011/Prof. Dr. Heinz Mielke
Last updated: 02. 06. 2011 (Dank für Informationen an Historiker und Heraldiker Rüdiger Bier)
und Leipzig, 12. 04. 2014 (Dank für Informationn an Heraldiker Philipp Freiherr von Hutten)