Die Lindenaus als adlige Rittergutsbesitzer in Machern (5)

Graf-von-Lindenau-Halle in Neustadt an der Dosse eingeweiht Große Ehrung für Carl Graf von Lindenau in der Stadt der Pferde

Am 15. Oktober 1999 fand mit einer großen Gala die feierliche Einweihung des neu erbauten Reit- und Veranstaltungszentrums Neustad/Dosse statt. Dem großen Gebäude wurde zu Ehren des Begründers der beiden Neustädter Gestüte der Name Graf-von-Lindenau-Halle verliehen.

Mehr als 1600 Zuschauer können bei Pferdesport- und Pferdezuchtveranstaltungen in ihr Platz finden. Sie ist die größte ihrer Art im Land Brandenburg und wird auch für viele andere Veranstaltungen genutzt. Denn die Reitfläche kann komplikationslos mit Parkett umgerüstet werden. Auf der Rückseite ist die Halle mit dem Kutschenmuseum der Gestüte verbunden, in dem die zu den jährlich im September stattfindenden Hengstparaden benötigten Fahrzeuge untergebracht sind.

 Wer ist dieser Graf von Lindenau? Es ist Carl Heinrich August Graf von Lindenau, der am 21. Februar 1755 im Schloss zu Machern geboren wurde. Sein Vater ist Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau, Rittergutsbesitzer von Machern, Zeititz und Gotha, Stallmeister im Torgauer Gestüt Graditz (1759-1763) und danach Exzellenz und Churfürstlich-Sächsischer Oberstallmeister (l763-1786) in Dresden, der seinem Sohn bestmögliche Ausbildungen in Leipzig, Dresden und in der Schweiz zuteil werden läßt. Frühzeitig schlägt dieser die militärische Laufbahn ein und wird Offizier.   Von Jugend an war er dem Gestütswesen zugetan und erweiterte seinen Gesichtskreis durch Reisen nach Österreich, Ungarn, Siebenbürgen und England. Hier erwarb er den Ruf eines ausgezeichneten Jagdreiters.
Seine Frau ist seit 1780  Christiane Henriette von Arnim (1762-1833)  aus Annaburg gewesen. Die Ehe blieb kinderlos.
Als 14jähriger wurde er in sächsischen Diensten Sous-Lieutenant und 1775 Premierlieutenant, in österreichischen Diensten 1778 Adjutant beim Herzog Albert von Sachsen-Teschen.
1786 tritt er in preußische Dienste beim Militär als Major , wird 1789  Flügeladjutant und 1793  Generaladjutant der Kavallerie sowie 1795 Oberst. Am königlichen Hof in Potsdam und Berlin ist er außerdem von1786 bis 1788  Reise-Stallmeister und Vice-Oberstallmeister, danach von 1789 bis 1806 Königlich-Preußischer Oberstallmeister und damit Leiter sämtlicher preußischer Haupt- und Landgestüte. Er wird in diesem Amt zum Begründer der preußischen Gestütsverwaltung und Landespferdezucht, wobei seine Aktivitäten in den ost- und westpreußischen Gestüten (Trakehnen u.a.) hervorzuheben sind, besonders aber die Schaffung des Preußischen Friedrich-Wilhelm-Gestüts, des heutigen Brandenburgischen Hauptgestüts, und des Landgestüts Lindenau, des heutigen Brandenburgischen Landgestüts, beide in Neustadt/Dosse in den Jahren von 1788 bis 1791. Mit zuweilen harter Hand modernisiert er das gesamte preußische Gestütswesen und richtet es auf Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit aus.
Er ist der Begründer der staatlichen tierärztlichen Ausbildungsstätte in Preußen, der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin(1790), deren Generaldirektor er bis 1806 ist. Daraus entsteht in der Neuzeit der heutige Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin.
Nach dem Tode seines Vaters 1789 ist er Erbherr auf Machern, wo er in den Folgejahren am Schloss den berühmten Macherner Landschaftsgarten mit den vielen interessanten Parkbauten, Pflanzungen und Statuen unter Leitung von E. W. Glasewald anlegen lässt. Doch gibt er diesen Stammsitz der Lindenaus 1802 auf und zieht mit seiner Frau auf das neu erworbene Gut Klein-Glienicke bei Potsdam.
1808 scheidet er vollens aus preußischen Diensten aus. Er wird, wie er einmal selbst schreibt, nun ein um eine moderne Landwirtschaft bemühter Krautjunker und lebt nach Klein-Glienicke erst in Büssow in der Neumark und danach in Bahrensdorf bei Beeskow auf Gütern, die er jeweils aus dem Verkaufserlös der alten neu erstanden hat.
Von Büssow aus nimmt er 1813, wieder aktiviert,  im Charakter eines Generalmajors  als Divisionär der Neumärkischen Landwehr an den Freiheitskriegen teil. Ab 1815 ist er Inspekteur der Landwehr im Regierungsbezirk Frankfurt/Oder und wird 1817 zum Generallieutenant befördert.
1820 quittiert er diesen Dienst und ist dann in Bahrensdorf nur noch Landwirt und Pferdeliebhaber. Als solcher schreibt er 1831 das Buch "Bemerkungen eines Veteranen über edle Pferde". Er erhält in all den Jahren seines Lebens hohe Auszeichnungen, so den Orden "Pour le Merite", den russischen St. Annen-Orden, den Rothen Adler-Orden und das Eiserne Kreuz. 1790 wird er in der Ordenskirche zu Sonnenburg zum Ritter des Johanniter- Ordens investiert und verändert mit einem Johanniterkreuz in seinem WappenschiId das Lindenauische Grafenwappen.
Der vom Vater geerbte Auerbachs Hof in Leipzig bleibt bis zu seinem Tod am 11. August 1842 in seinem Besitz. Da er keine Nachkommen hat, stirbt mit ihm auch die Lindenau- Grafenlinie aus, die aus ihm und seinem Vater besteht. Diesem wird 1999 auch noch eine besondere Ehrung zuteil. Seinen ehemaligen Besitz an Auerbachs Hof in Leipzig würdigend, ist sein Konterfei auf dem Historien-Gemälde von Volker Pohlenz "Mephisto am Kaiserhof" mitabgebildet, das im August anläßlich Goethes 250. Geburtstages im Auerbachs Keller zum dortigen Verbleib erstmalig enthüllt wird. Zweitmalig geschieht es am 12. April 2000 anlässlich von 475 Jahren seit dem ersten Weinausschank in diesem Traditionskeller.

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Machern, 04. 01. 2001 /Prof. Dr. Heinz Mielke
Last updated: 04. 10.2004