Ephraim Wolfgang Glasewald als Baumeister bei den Lindenau-Grafen

Er baute vor mehr als 200 Jahren erfolgreich in Wurzen, Machern, Ammelshain und anderswo

Historische Richtigstellung

Es ist erstaunlich, was und wieviel die Schriftsteller R. Affelt und F. Heinrich in ihren beiden Büchern, erst als Freimaurer in "Der Schlosspark von Machern gibt sein Geheimnis preis" (1994) und dann als Rosenkreuzer in "Der Schlosspark von Machern - Auf den Spuren der Rosenkreuzer" (1999) fast gleichlautend falsch oder verdreht darstellen. Daraus soll hier nur auf "ihre Geschichte über Ephraim Wolfgang Glasewald" Bezug genommen und deren historische Richtigstellung versucht werden. Für Affeldt und Heinrich ist E. W. Glasewald ein den Freimaurern zugehöriger Preuße, der bei der Neugestaltung des Macherner Landschaftsgarten (ab 1790) von seinem Chef am königlichen Oberstallamt in Berlin, Oberstallmeister Carl Heinrich August Graf von Lindenau, "mit den kultischen Bauten beziehungsweise esoterischen Monumenten im Park" (Ausdrucksweise der beiden Autoren) betraut wurde. Sie schreiben:
"Mit den neuen Aufgaben aber tritt nun auch ein neuer Name ins Blickfeld. Der neue Mann hieß Ephraim Wolfgang Glasewald, und er war ein preußischer (!) Bauinspektor und Architekt. Man fragt sich unwillkürlich, ob es denn in der bedeutenden Messe-Metropole Leipzig, im Leipziger Umland oder in Sachsen wenigsten am königlichen Hof zu Dresden keinen Architekten gab, den der königlich-sächsische Reichsgraf hätte einstellen können?! Warum nahm er sich einen "Ausländer" aus dem benachbarten und politisch nicht eben gerade befreundeten Königreich Preußen? Der Preuße Glasewald fiel zunächst auf allein durch seine undurchsichtige Unauffälligkeit. ...Diejenigen, die wir jedenfalls befragt haben, fiel zu dem Namen Glasewald nichts ein." (Die Zeichensetzung wurde original übernommen.)

 Warum darin neben dem "königlichen Hof zu Dresden" und "königlich-sächsischen Reichsgrafen" (Sachsen wurde erst 1806 Königreich!) und dem Glasewald fälschlich zugeschriebenen Bau der Glienicker Brücke (siehe "Die Glienicker Brücke" von Thomas Blees,1998) Falschaussagen gemacht werden , geht aus der folgenden Lebensbeschreibung hervor.

Vita von Ephraim Wolfgang Glasewald

Sie beruht zum großen Teil auf der Chronik des Geschlechts Glasewald, deren ständige Aktualisierung gegenwärtig in den Händen der Leipzigerin Gisela Glasewald liegt, einer Glasewald Nachfahrin, der für die Unterstützung für diesen Beitrag gedankt wird:
 
 


Das Wappen wurde dem Stammvater des Geschlechts Glasewald, Conrad Glasewald, 1601 von Churfürsten Christian II. von Sachsen verliehen, als dieser ihn zum Förster in Gröden bei Elsterwerda ernannte. Ein gekrönter Ritterhelm mit Hörnern vom Auerochsen und das Schild mit vier Sternen und zwei Jagdhörnern schmücken es besonders.

Ausbildung

E. W. Glasewald wurde am 20. 6. 1753 als 4. von 6 Kindern in Wilschdorf bei Dresden geboren. Seine Eltern waren die dortigen Pfarrersleute Jonathan und Anna Glasewald. Das heute dort noch als Hotel Glasewald erweitert existierende Gebäude entspringt ihrem damaligen Wirken. Mit 15 Jahren stand für E. W. Glasewald fest, dass er sich einmal der Baukunst widmen wird. Er lernte vorbereitend den Maurerberuf und übte sich in Zeichenkunst und Mathematik. Dabei half ihm der Hofkondukteur Kuntzsch, sein Schwager. Mit 21 Jahren wurde er selbst Hofkondukteur in churfürstlich-sächsischen Diensten und baute 1780 bis 1782 für einen begüterten Kaufmann in Freiberg das Wohngebäude und die Niederlassung einer Tresen- und Spitzenfabrik. Das geschah mit Billigung seines Chefs, des Churfürstlich-sächsischen Oberlandbaumeistes Chr. F. Exner.

Bauten in Wurzen, Machern, Ammelshain und Wittenberg

Churfürstlich-sächsischer Oberstallmeister war zu dieser Zeit in Dresden Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau, der einen Baukondukteur für seinen Mühlenneubau in Wurzen und für den Bau von Wirtschaftsgebäuden auf seinem Rittergut in Machern suchte. Sein Regierungskollege Exner empfahl ihm E. W. Glasewald, der dann auch in Wurzen und Machern und darüber hinaus auch in Ammelshain wirksam wurde. In Wurzen waren es die großen Mühlengebäude, bestehend aus 2 Mahlmühlen, jede mit 6 Mahlgängen, nebst einer darin befindlichen Öl- und Schneide- und Walkmühle. Augenscheinlich war dabei auch der Türschlussstein mit dem Lindenauischen Grafenwappen eingebaut worden, der nach dem großen Mühlenbrand im Oktober 1917, stark beschädigt aus Schutt und Asche geborgen, dem Wurzener Museum übergeben wurde. In Machern betrafen Glasewalds Aktivitäten den Bau verschiedener Wirtschaftsgebäude und in Ammelshain auf Wunsch von Amtshauptmann von Wilken die Zeichnungen und den Bau einiger Wirtschaftgebäude des Rittergutes. Alles wurde 1785 mit "viel Beifall beendet".
Danach ist E. W. Glasewald beim großen Elbbrückenbau in Wittenberg zufinden, wo ihm 1786 die Leitung übertragen wird und er den Bau 1787 erfolgreich abschließen kann.

Gestütsbauten in Neustadt an der Dosse

Es folgt seine Anstellung am königlichen Oberstallamt in Berlin, wo ihm sein neuer Chef, der Königlich-preußische Oberstallmeister Carl Graf von Lindenau, mit dem Bau von Gebäuden für die beiden Gestüte in Neustadt an der Dosse beauftragt: für das Königlich-preußische Friedrich-Wilhelm-Hauptgestüt (heute Brandenburgisches Hauptgestüt) und das Churmärkische Landgestüt Lindenau (heute Brandenburgisches Landgestüt). Ersteres wird 1789, letzteres 1791 vollendet und eingeweiht.

Ansicht des Landstallmeisterhauses des Brandenburgischen Hauptgestüts Neustadt /Dosse
(erbaut von E. Glasewald 1788)(Foto von U. Lutz, 1995)

Glasewalds Verdienste dabei ehrte man in Neustadt später noch einmal damit, dass der 1901 erbaute Sommerstall für die nächtliche Unterbringung der auf Dauerweide befindlichen Stuten mit ihren Fohlen den Namen Glasewaldstall erhielt.


Im unteren Bildteil ist der Glasewaldstall in der Ursprungsform mit Ried gedeckt zu sehen. Der obere Bildteil zeigt ihn in neuerer Zeit nach einer Restaurierung.

Parkbauten in Machern

Sein Chef, der Oberstallmeister, stammte aus Machern. Er war der Sohn des Churfürstlich-sächsischen Oberstallmeisters Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau und 1786 in königlich-preußische Dienste getreten. Durch den Tod des Vaters 1789 wurde er Erbherr auf Schloss Machern, dessen Park er nun verstärkt zu einem sentimental-romantischen Landschaftgarten mit vielen Parkbauten ausbauen und mit einheimischen und ausländischen Gewächsen bepflanzen ließ. Damit beauftragte er neben dem Baukondukteur J. E. Lange aus Leipzig seinen Bauinspektor und Architekten am Berliner Oberstallamt E. W. Glasewald, der nach den Vorstellungen des Grafen ab 1791 dafür Zeichnungen und Pläne entwarf und diese verwirklichte: 1792 das Bauernhaus, Wilhelms Ruh und die Pyramide, 1796 die Ritterburg und 1797 den Tempel der Hygieia.
 
 


Die Pyramide, Eingang und Turm der künstlichen Ritterburg und der Tempel der Hygieia.
Kennzeichnend sind für alle drei Bauten die dorischen Säulen in den Eingangsbereichen.
(im Winter 1999)

Über den Macherner Park verfasste E. W. Glasewald unmittelbar danach das umfangreiche Buch: "Beschreibung des Gartens zu Machern mit besonderer Rücksicht auf die in demselben befindlichen Holzarten" (Berlin 1799). Es war wiederum eine große Fleißleistung von ihm, vor allem auch durch den darin geführten Nachweis und die Beschreibung der 518 Gehölze und Stauden des Parkes. Es gibt Hinweise, dass die Pläne und die Ausführung des Röhrsdorfer Parkes bei Lockwitz auch ein Werk von E. W. Glasewald sind. Dieser wurde von Georg Heinrich von Carlowitz etwa zur gleichen Zeit geschaffen.
Als der Graf von Lindenau 1802 seine Besitzungen in Machern verkaufte und auf sein neues, schon früher erworbenes Gut in Klein-Glienicke zog, wurden auch dort unter verantwortlicher Mitwirkung von E. W. Glasewald mehre Bauten, vorrangig Wirtschaftsgebäude, errichtet.

Marstallbauten in Berlin und ehrenvolle Auszeichnung

Während der napoleonischen Zeit in deutschen Landen ging der preußische Hof nach Königsberg und Memel. Auch E. W. Glasewald soll in den Jahren 1808 bis 1811 dort tätig gewesen sein. Allerdings existiert ein Schreiben des Oberstallmeisters Ludwig von Jagow, der den Grafen von Lindenau 1808 als Oberstallmeister abgelöst hatte, an den Preußischen König vom 21. 5. 1811aus Berlin mit folgendem, hier auszugsweise wiedergegebenem Inhalt, der voll des Lobes über Glasewald ist:
"Die erwiesene Verdienstlichkeit, welche hierbey der BauInspector Glasewald gehabt, auch weil derselbe sich im Bauwesen als ein geschickter BauMeister bey dem Bau der Gestüt Gebäude schon gezeigt, auch vom ehemaligen OberHochBauAmte vor 20 Jahren examinirt worden war, schlug ich Ew. Königliche Majestät denselben vor, dass ich durch ihn die besten Bauten des Marstalles ausführen zu lassen wünschte, und Ew. Königliche Majestät bewilligten dies im vorigen Jahr auch Allergnädigst, so dass der BauInspector Glasewald bereits ein Jahr, auch in diesem Geschäft zu meiner allergrößten Zufriedenheit gearbeitet hat...Diese besonders ruhmenswerthen Eigenschaften des BauInspectors Glasewald, die ich nun mehr seit 4 Jahren auf das genaueste geprüft habe, veranlasst mich Ew. Königlichen Majestät Alleruntertänigst zu empfehlen,...". Ludwig von Jagow bittet am Ende des Briefes, dass der König den Titel eines Baurates für E. W. Glasewald bewilligen möge. Bereits 3 Tage später verlieh ihm der König den Titel Hofbaumeister. Am 18. 4.1817 verstarb E. W. Glasewald in Berlin.

 Nirgends in den Unterlagen von oder über ihn ist ein sichtbarer Bezug auf eine Zugehörigkeit zu Freimaurern und Rosenkreuzern zu finden. Er war ein echter und erfolgreicher Sachse, der zuletzt in preußischen Diensten tätig war und hoch dekoriert wurde. Affeldt und Heinrich wären gut beraten gewesen, hätten sie geschichts- und sachbezogen gründlicher recherchiert und auch Fehlerhinweise nach Erscheinen des ersten Buches beachtet.



Machern, 07. 01. 2001/Prof. Dr. Heinz Mielke