225-jähriges Jubiläum veterinärmedizinischer Ausbildung in Sachsen: ihr Schöpfer ist Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau aus Machern

Unter dem Motto "225 Jahre im Dienst an Tier und Mensch von der Churfürstlichen Thier-Arzney- Schule in Dresden zur Veterinärmedizinischen Fakultät in Leipzig" fand  am 17. Juni 2005 eine Festveranstaltung im Leipziger Gewandhaus und am 18. Juni 2005  ein  Tag der offenen Türen von 10 bis 18 Uhr auf dem Campus "An den Tierkliniken" statt.

Am Tag der offenen Türen  stellten sich die dortigen Kliniken und Institute vor. Es fanden Vorträge zu aktuellen Themen statt. Die Besucher konnten sich Vorführungen der sächsischen Polizeireiterstaffel und  eine Greifvogelschau sowie auch Pferdeausbildung und Hufbeschlag anschauen. Für Kinder gab es Ponyreiten und Kremserfahrten sowie einen Streichelzoo.

Das nebenstehende Bild "Mensch und Natur" ist ein Sgrafitto (Wandgemälde) von Klaus Moritz, das sich  im Treppenhaus des Veterinär-Pathologischen Institutes der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig befindet (Foto: H. Mielke)

Nach jahrelangen Bemühungen des Macherner Rittergutsbesitzers und damaligen Churfürstlich-sächsischen Oberstallmeisters zu Dresden, Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau, konnte am 7. Oktober 1780 die staatliche tierärztliche Ausbildung in Sachsen beginnen. Geheimrat Prof. Dr. Oskar Röder, Dekan und Leiter der Chirugischen Tierklinik der VMF, schrieb in einem Brief 1931 an den Lindenau-Nachfahren Fritz von Lindenau:
"Ich würde es sehr begrüßen, wenn das Bild in den Besitz der Fakultät käme, denn Graf Heinrich Gottlieb von Lindenau ist der eigentliche Schöpfer der ehemaligen Dresdener Tierarzneischule. Er war ein weitschauender Mann, der trotz des damaligen Geldmangels in der Staatskasse doch noch die Gründung der Tierarzneischule durchsetze. Er wußte genau, daß er mit der Einrichtung einer derartigen Anstalt der Landwirtschaft und der Viehzucht und damit auch dem Staat außerordentlich nützte." (Thüringisches Hauptstaatsarchiv Altenburg)

Bei dem angesprochenen Bild handelt es sich um das von Anton Graff 1770 auf Kupfer gemalte lebensgroße Gemälde von Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau, das sich seit 1843 als kirchlicher  Erbbesitz in der Macherner Kirche befindet und unveräußerlich ist (s. Bild r., Hüftporträtausschnitt; Foto: O. Franz).

Prof. Dr. Leisering schrieb 1880 in der Gedenkschrift zum 100-jährigen Jubiläum der tierärztlichen Ausbildung in Sachsen:
"Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau und seinen Sohn Carl Graf von Lindenau verbanden bei der Schaffung der Tierarzneischulen in Dresden (1780) bzw. in Berlin (1790) dieselben Eigenschaften wie sachkundige Umsicht mit unermüdeter Beharrlichkeit."

Aus Anlass des 250. Geburtstages des Sohnes, Carl Graf von Lindenau, fand am 17. Mai. 2005 im Schloss zu Machern ein Ehrenkolloquium und im Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt in Neustadt/Dosse eine ehrenvolle Festveranstaltung über dessen Werk und Wirken statt.

Mit den beiden Veranstaltungen in Leipzig wurde das Wirken des aus Machern stammenden Grafen Heinrich Gottlieb von Lindenau vor 225 Jahren als Schöpfer der staatlichen tierärztlichen Ausbildung in Sachsen  indirekt geehrt. Sein Name blieb dabei leider unerwähnt, was  beim Wissen um die oben angeführten Bewertungen von  Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau durch die Koryphäen der Veterinärmedizin Professor Röder und Professor Leisering umso unverständlicher ist.
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Die Veterinärmedizinsche Fakultät der Universität Leipzig 2005
(Foto aus "225 Jahre Veterinärmedizinische Ausbildung in Sachsen")



Machern, 06. 09. 2005/Prof. Dr. Heinz Mielke