Alexander Duncker und seine Grabstätte in Machern

Der Verlagsbuchhändler Alexander Duncker hatte etwa um 1900 in Machern einen Vierseiten-Gutshof gekauft, der später als Landhaus Louise bekannt wurde. Er ließ das Haupthaus für sich und seine Frau als geräumige Villa umbauen und fuhr von hier aus täglich nach Leipzig in seinen Verlag. 1929 starb er im Alter von 79 Jahren. Die letzte Ruhestätte von Dunckers befindet sich nicht in Leipzig sondern in Machern und ist ein hervorhebenswertes künstlerisches Kleinod. Die interessante und gediegen gestaltete Anlage mit einer Gruft befindet sie sich an der nördlichen Friedhofsmauer. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie gegenüber der Originalgestaltung vor etwa 70 Jahren einige regelbedingte Veränderungen erfahren, ist aber weiterhin als beachtenswertes Denkmal für Alexander Dunker und seine Frau gut erhalten worden. Allerdings ist sie seit etwa 20 Jahren ohne Namenshinweis auf die Familie Duncker und auch nicht mehr in deren Besitz.

Als Dunckers Frau Louise 1936 in Leipzig verstarb, wurde sie neben ihn in der Gruft in Machern beigesetzt. Das Bild aus dem Jahre 1960 zeigt den Hauptteil der Dunckerschen Erbbegräbnisstätte.


Damals gehörte sie bereits den miteinander verwandtgewordenen Familien Albrecht und Duncker. Der Macherner Bäckermeister Richard Albrecht hatte in zweiter Ehe Helene Schöneis-v. Boset geheiratet. Sie war die Tochter von Helene von Boset, geborene Duncker, der Schwester von Alexander Duncker. Beide Bosets lebten in Machern. Helene Albrecht starb 1963 und wurde wie ihr Mann 1959 in der gemeinsamen Gruft der Familien Albrecht und Duncker zur letzten Ruhe gebettet. Schon vorher war diese als solche durch eine entsprechende Schrift unter dem Christusmonogramm des Epitaphs kenntlich gemacht worden. Die Grabinschriften für die Albrechts befanden sich auf Steinplatten links und rechts der steinernden Skulptur einer knienden jungen Frau mit einem abgesenkten Rosenstrauss in den Händen. Diese Platten sind nach Angaben von Marianne Wilfferodt, der Tochter von Richard Albrecht, damals nur umgedreht und entsprechend beschriftet worden. Sie trugen die in Stein gehauenen Bildnisse von Alexander und Louise Duncker.

Nach weiteren 20 Jahren ging diese Erbbegräbnisstätte in den Besitz der Familie Dämmig aus Machern über, die weiterhin viel zum Erhalt der Grabstätte getan hat. Familie Dämmig ehrt das Andenken an ihre Verstorbenen mit einem Extra-Grabstein.


Die der Verwitterung schon ziemlich stark anheimgefallenen Sandsteinplatten mit den 4 Grabinschriften und das Kreuz wurden durch polierte Platten aus Beuchaer Granit ohne Inschriften ersetzt sowie die Schrift unter dem Christusmonogramm entfernt. Die steinernden Pfosten des Türchen erfuhren eine Verkleinerung bei Erhalt der beiden steinernden ewigen Flammen.

Alles andere blieb original an Ort und Stelle wie die beiden Bildhauerarbeiten an der Einfriedung: links der Pegasus auf dem Ritterhelm und rechts das Ähren-Mohngebinde.

Öffentliche Namenshinweise auf Alexander Duncker sind heute in Machern nicht mehr erhalten, nicht als Straßenbenennung und auch nicht auf dem Epitaph der Erbbegräbnisstätte. Unmittelbar rechts neben dieser lagert verdeckt durch Gesträuch ein schwarzer Porphyrstein mit der Aufschrift: "Hier ruht in Frieden Rudolf Ritter v. Boset zu Tautenburg (1860-1925), Helene v. Boset Edle zu Tautenburg geb. Duncker (1861-1956)".

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Machern, 20. 12. 2000/ Prof. Dr. Heinz Mielke