Alexander Duncker und die gleichnamige Straße in Machern

Wer war Alexander Duncker?

Alexander Duncker lebte von 7. Februar 1850 bis10. Mai 1929. Er war mit Louise Duncker verheiratet, die am 30.12.1937 im Alter von 78 Jahren verstarb. Beide wurden in der Gruft ihrer Erbbegräbnis-Anlage auf dem Friedhof in Machern beigesetzt.
Die Dunckers besaßen in Leipzig ein Verlagshaus und in Machern einen Gutshof, das Landhaus Louise. Seit 1881 betrieb der Alexander Duncker in Leipzig einen florierenden Verlagsbuchhandel. Er war der Verleger einer Reihe von gewinnträchtigen und angesehenen Zeitschriften, wie Diamant: Glas-Industriezeitung, Kürschner Zeitung, Tonwaren-, Majolika-, Töpfer-Zeitung und Bürsten-, Pinsel-Zeitschrift sowie das Polytechnische Notizblatt. Weiterhin besaß er den Verpackungsmaterialien- und Transportmittel-Markt in Leipzig. Nach seinem Tode führte seine Frau den Verlag weiter, der auch nach ihrem Tod als Alexander-Duncker-Verlagsbuchhandel in der Keilstraße 1 zwischen Löhr- und Nordtraße und nach 1945 in der Uferstraße 21 nachweislich mindestens bis 1947 fortbestand.

 Das ist die eine Seite von Alexander Duncker, dem reichen Geschäftsmann aus Leipzig. Von ihm als Förderer profitierte auch Machern. Vielleicht resultiert daraus die verehrende Dankbarkeit der Gemeinde ihm gegenüber. Er soll 1929 zusammen mit Hans Meyer, einem Musikverlagsbuchhändler aus Leipzig, der in Machern ebenfalls ein Landhaus besaß, zum 50jährigen Gründungsjubiläum der Freiwilligen Feuerwehr die erste Motorspritze für Machern finanziert, weiterhin Geld zum Bau der Gemeindehäuser in der Brandiser Straße beigesteuert und den Ausbau der späteren Alexander-Duncker-Straße unterstützt haben. Um 1900 erwarb er von Oskar Schönbrodt den Macherner Gutshof mit der Adressen-Nr. 30, das spätere Landhaus Louise und liess die dazu gehörigen Ländereien durch einen Verwalter bewirtschaften. Eine andere Seite ist sein großes Interesse und seine aktive Unterstützung für den aufstrebenden Radsport in Sachsen am Ende des 19. Jahrhunderts. Das geht deutlich aus der Todesanzeige des Sächsischen Radfahrer-Bundes zu seinem Ableben im Jahre 1929 hervor, in der es heisst:

"Am 10.Mai 1929 verschied unser Ehrenmitglied, Verlagsbuchhändler,

Herr Alexander Duncker,
im Alter von 80 Jahren.
Er war es, der im Jahre 1891 mit noch einigen Sportskameraden den Sächs. Radfahrer-Bund ins Leben rief, dem er dann viele Jahre als 1. Vorsitzender vorstand. Durch seine unermüdliche Schaffenskraft, seinen edlen Charakter und echten Sportgeist erwarb er sich viele Anhänger und trug schließlich dazu bei, daß der S. R.-B. zu einem Sportverband aufblühte, der heute im Deutschen Radsport eine maßgebliche Stelle einnimmt. Wir verlieren in ihm einen lieben Freund und vorbildlichen Förderer unseres Bundes.Wenn auch seine äußere Hülle von uns gegangen ist, sein Geist lebt in uns weiter.
Leipzig, den 10. Mai 1929.
Sächsischer Radfahrer-Bund e. V.
Max Bergmann, 1. Präsident. Kurt Adler, Bundesgeschäftsführer."

Machern hatte einst eine Alexander-Duncker-Straße

Dort, wo heute in Machern die B 6 als Leipziger Straße in die Wurzener Straße übergeht, beginnt links abgehend die Dorfstraße. Sie führt unter anderem vorbei am Giebel des Landhauses Louise,  am Pfarramt und Friedhof. Im Kreuzungsbereich von Bergstraße/Tauchaer Weg/Kirchgasse endet sie, die in den 1930iger und 1940iger Jahren einmal Alexander-Duncker-Straße hieß. Welche Vor- und Nachgeschichte hat sie eigentlich?

Über die ehemalige tatsächliche Existenz dieses Straßennamens gibt es viele bestätigende Aussagen von alteingesessenen Macherner Bürgern. Allerdings kann man gegenwärtig nur zwei amtliche Beweise dazu finden. So besitzt das Macherner Gemeindeamt eine Karte aus den 30iger Jahren, auf der die Strasse als Alexander-Duncker-Straße ausgewiesen ist. Und im Taufregister des Macherner Pfarramtes befindet sich bei dem Eintrag über die Taufe von B. K. im Jahre 1944 der Hinweis auf die Elternadresse in der Alexander-Duncker-Straße 39 (heute ist es die Dorfstraße17). Welchen Namen trug diese Strasse aber vorher? Belegbares ist dazu nicht auffindbar. Den Namen Alexander-Duncker-Straße muss sie kurz vor oder kurz nach 1930 erhalten haben. So ist die Meinung einiger der heute über 84 Jahre alten Macherner Senioren. Früher gab es wohl keinen offiziellen Namen für sie. Vielleicht nannte man sie gewohnheitsmässig einfach nur Dorfstrasse.

Die Umbenennung der Alexander-Duncker-Straße in Ernst-Thälmann-Straße erfolgte nach dem 2. Weltkrieg zwischen 1945 und 1950. Und die Umbenennung der Ernst-Thälmann-Straße in Dorfstraße fand nach der Wende am 15. 11. 1990 statt, und zwar durch einen demokratisch vorbereiteten Beschluss der Macherner Gemeindevertretung im Rahmen "der vom Hauptausschuss vorgeschlagenen Veränderungen historisch überlebter Straßennamen und Namen von Plätzen". Zwei nicht deutbare Kuriositäten sind noch mit dem Namen Alexander-Duncker-Straße verknüpft: So veröffentlichte der Kantor und Oberlehrer i. R. Ernst Beyreuther 1938 ein Buch mit dem Titel "Machern im Wandel der Zeit". Darin geht er auch auf die Umbenennung von Macherner Straßennamen während der Herrschaft der Nationalsozialisten ein. Völlig unerwähnt lässt Beyreuther in seinem Buch aber nicht nur den Namen Alexander-Duncker-Straße, sondern bezeichnet diese Straße unter einem Bild als "Dorfstraße, die zum Schmuckplatz führt". Warum er das getan hat und nicht den damals richtigen Namen benutzte, bleibt im Hinblick auf seine sonst so akribischen Buchformulierungen unverständlich. Die zweite Kuriosität versteckt sich hinter der Frage, warum nach 1933 nicht auch die Alexander-Duncker-Straße, wie andere Macherner Straßen, einen neuen nationalsozialistisch geprägten Namen erhalten hat.

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Machern, 20. 12. 2000/ Prof. Dr. Heinz Mielke