Alexander Duncker und das Landhaus Louise in Machern

Vor 200 Jahren Gasthof, vor 100 Jahren Gutshof, dann Landhaus Louise und heute nach Brandschädigung endlich in umfassender Restaurierung"

Den Macherner Gutshof mit der Adressen-Nr. 30 hatte der Leipziger Verlagsbuchhändler Alexander Duncker um 1900 von Oskar Schönbrodt gekauft. Das Hauptgebäude ließ er zu einem modernen Zweifamilienhaus für sich und eine Hausmeister-Familie umbauen. Es wurde sein Landsitz und für seine Frau ständige Bleibe im schönen Machern. Louise Duncker war von ihrem Mann kurz nach dem Kauf als Besitzerin eingesetzt worden, was aus den Eintragungen im "Adressbuch von Wurzen mit Umgebung" ab 1904/05 hervorgeht. Bald nannte man das Haus in Machern nur noch Landhaus Louise oder einfach "Louise".
Vor mehr als 200 Jahren war dieses von Duncker gekaufte Gut ein Gasthof gewesen. Direkt an der Straße von Dresden nach Leipzig gelegen, diente er auch Fuhrleuten auf der Fahrt zur Leipziger Messe als willkommene Ausspannungs- und Übernachtungmöglichkeit.


Über die damalige Lage als Vierseiten-Hof im Dorf Machern gibt links die Karte von E. Lange aus dem Jahre 1795 Auskunft, auf der er als Gasthof (rot) benannt ist. Dieser gehörte der Macherner Rittergutsherrschaft, also dem Grafen von Lindenau. Deren Nachfolger, die Schnetgers, ließen im 19. Jahrhundert ihm gegenüber noch einen Tanzsalon bauen, den sich die vielen damals nach Machern anreisenden Gäste gewünscht hatten. Sie kamen, um die in den Zeititzer Berg gebaute Eisenbahnstrecke zu bestaunen und des schönen Parkes wegen. Sie wollten aber besonders bei den immer fröhlichen Macherner Kirsch- und Kartoffelfesten noch lustvoller die Zeit verbringen.
Später errichtete Oswald Weise dort daneben noch den "Gasthof zur Eisenbahn", der 1900 in den Besitz von Karl Himstedt überging. Dieser Gasthof diente am Ende des 19.Jahrhundert dem Deutschen Radfahrer Bund als Bundesgasthof wie auch dem 1891 neugegründeten Sächsischen Radfahrer-Bund. Zu dessen ersten Präsidenten war Alexander Duncker gewählt worden.


Bei seinen Besuchen in diesem Bundesgasthof der Radfahrer wurde Duncker auf den gegenüberliegenden Vierseiten-Gutshof aufmerksam, und erste Kaufgedanken reiften wohl bei ihm.


Das Landhaus Louise im Juni 1907.

Davor sind festlich gekleidete Menschen gruppiert, die sich anlässlich der Bannerweihe des Macherner Radfahr-Vereins "Wanderlust" zusammengefunden hatten. Unter ihnen auch Alexander Duncker, der damals Ehrenpräsident des Sächsischen Radfahrerbundes war. Das Bild stammt aus der Sammlung des Macherner Ortschronisten Willi Schmidt und wurde bisher nirgens erwähnt. Ein Bericht über diese Bannerweihe gibt das "Wurzener Tageblatt und Anzeiger" am 14. 6.1907. Darin wird unter anderem ausgeführt:
"Am Sonntag, dem 9. 6. 1907 beging der Radfahrerklub "Wanderlust" in Machern das Fest seiner Fahnenweihe. Viele Radfahrvereine von nah und fern waren herbeigeeilt, um dem jungen Vereine sein Fest verschönern zu helfen. Der hiesige Männervereinsgesang sang das Weihelied und Pfarrer Rosenthal weihte das prächtige Banner mit zu herzen gehenden Worten. Junge Damen schmückten das geweihte Banner mit herrlichen Schleifen. Dann vereinigte man sich zu einem Umzug durch den festlich geschmückten Ort, um der hiesigen Rittergutsherrschaft und Herrn Buchhändler Alexander Duncker, welch letzterer Ehrenpräsident des Sächsischen Radfahrerbundes ist, Ovationen darzubringen. Ein glänzend verlaufender Lampionzug durch den Ort und ein gut besuchter Ball beschlossen das Fest."
 
 


Das Landhaus Louise in den 1930er Jahren:
Das rechte Bild zeigt das mit der "Louise" rückseitig verbundene Seitengbäude. Es ist dies deshalb eine historische Aufnahme, weil die eiserne Wendeltreppe am Giebel und der seitliche Hofeingang zu sehen sind und weil bei den Renovierungsarbeiten im Jahre 2000 dies alles samt Seitengebäude für immer beseitigt wurde.

Von der jüngeren Geschichte des Landhauses Louise ist zu berichten, dass es 1940 in den Besitz des Leipziger Architekten Hermann Schilling überging, der es zu einem Mehrfamilien-Haus umbauen liess. 9 Familien, vorwiegend von Soldaten und Unteroffizieren des nahegelegenen Fliegerhorstes, fanden damals darin Wohnung.
1977 übernahm die Gemeinde Machern die Rechtsträgerschaft für das Haus. Deshalb sorgte sie auch nach dem Dachstuhlbrand der "Louise" vom 25. 11. 1996 nicht nur für die schnelle Unterbringung der dort wohnhaft gewesenen 15 Mieter, sondern auch für eine umgehende provisorische Überdachung des durch Brand und Löschwasser geschädigten Hauses.


Die "Louise" im Jahre1999 unbewohnt.

In neuerer Zeit war das Haus im Besitz der Erbengemeinschaft Schilling, die eine Architektengruppe aus Hanau mit den Vorbereitungen der Bauplanung zur Wiedererrichtung des Hauses beauftragt hatte. Dann aber wurde es an die GBR Karin Hartmann und Klaus Meinhardt & Gründau verkauft, die 2000 mit der Renovierung begann.


Die "Louise" im August 2000 bei der Renovierung.


Die "Louise" im Juni 2003 nach der Renovierung.

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Machern, 20. 12. 2000/ Prof. Dr. Heinz Mielke
Last updated: 07. 01. 2004